Versorgungskammer-Chef verteidigt Millionenverluste: „Altersvorsorge bleibt sicher“
Nach hohen Verlusten bei US-Immobilien äußert sich Axel Uttenreuther, Chef der Bayerischen Versorgungskammer (BVK), erstmals ausführlich – und zwar in einem aktuellen Interview mit dem Münchner Merkur und der Münchner tz.
Seine zentrale Message: Trotz der Turbulenzen sei die Altersvorsorge der Versicherten nicht gefährdet. „Die Altersvorsorge bei der Bayerischen Versorgungskammer ist und bleibt sicher“, betont Uttenreuther. „Wir haben 2,8 Millionen Versicherte und wir werden keinem davon die Leistungen kürzen. Darauf können sich unsere Versicherten verlassen.“
Millionenverluste in den USA
Die BVK hatte rund 1,6 Milliarden Euro in US-Immobilien investiert und dabei viel Geld verloren. Im Raum steht eine Summe von bis zu 853 Millionen Euro. Im Interview versucht Uttenreuther die Dimensionen zu relativieren. Bezogen auf die gesamte Anlage machten die Investitionen nur 1,3 Prozent aus, erklärt er.
Für die Verluste macht der BVK-Chef auch externe Partner verantwortlich. Man prüfe daher mögliche Schadensersatzansprüche, habe außerdem für den Immobilienbereich einen erfahrenen Manager angeheuert.
Risiko als Teil der Strategie
Die Investments sei man vor dem Hintergrund der langjährigen Niedrigzinsphase bewusst eingegangen. „Früher haben wir stark auf Staatsanleihen gesetzt“, so Uttenreuther. „Wegen der Niedrigzinsen mussten wir aber innerhalb klar definierter Grenzen etwas stärker ins Risiko gehen, um die Renditen für die Altersvorsorge unserer Versicherten zu erwirtschaften.“
Langfristig habe sich das auch ausgezahlt: Insgesamt habe die BVK so rund zwölf Milliarden Euro zusätzliche Erträge erwirtschaftet. „Nur deshalb konnten wir trotz Minuszinsen immer unsere Zusagen erfüllen.“ Dass das nicht gesehen werde und nun immer nur über die Verluste gesprochen werde, ärgere ihn.
Weitere Versorgungswerke in der Kritik
In jüngster Zeit sind bereits mehrere berufsständische Versorgungswerke aufgrund massiver Anlageverluste und riskanter Investitionen in die Kritik geraten, darunter das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin und das Versorgungswerk der Rechtsanwälte im Lande Hessen, das sich ebenfalls mit US-Investitionen verhoben hatte (wir berichteten).
Die BVK und ihre US-Investments
Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) mit Sitz in München ist die größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe Deutschlands. Sie führt die Geschäfte von zwölf rechtlich selbständigen berufsständischen und kommunalen Altersversorgungseinrichtungen.
Als staatliche Oberbehörde sichert sie die Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenversorgung von rund 2,8 Millionen Versicherten im öffentlichen Dienst und freien Berufen, darunter Ärzte, Apotheker und Architekten – vor allem in Bayern, aber auch deutschlandweit. Die BVK managt nach eigenen Angaben für alle Einrichtungen zusammen ein Kapitalanlagevolumen von derzeit rund 122 Milliarden Euro.
Dass die Investments in den USA, darunter auch in das Hochhaus Transamerica Pyramid in San Francisco, so verlustreich waren, hat aus BVK-Sicht verschiedene Gründe. „In Folge der Coronapandemie und damit verbundenen Baustopps, hoher Inflation, massiv gestiegenen Herstellungskosten und den in den USA besonders signifikant angestiegenen Zinsen kam es zu deutlichen Wertkorrekturen“, heißt es dazu in einem Schreiben des Vorstands an die Versicherten. Ein weiterer Grund sei, dass Projektpartner die an sie gestellten Erwartungen nicht erfüllt hätten.
Zur Aufarbeitung der Vorgänge habe man deshalb „proaktiv die Staatsanwaltschaft“ eingeschaltet und arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet.
.jpg?fit=crop-43-48-1&w=1200)
