Fehlinvestment in San Francisco: Anwälte-Versorgungswerk muss Millionen abschreiben
Unter hessischen Anwälten geht die Angst um. Ihr Versorgungswerk muss wohl eine Investition in das bekannte Hochhaus Transamerica Pyramid in San Francisco komplett abschreiben. Dadurch droht ihm nach einem Bericht des Handelsblatts ein Totalverlust von rund 58 Millionen Euro.
Hoffnung auf Erholung des Büromarkts
Der Investmentprozess des Versorgungswerks der Rechtsanwälte im Lande Hessen (VWRAH) erstreckte sich nach eigenen Angaben über den Zeitraum von 2019 bis 2023. Ziel des Investments sei es gewesen, „von der Modernisierung und Aufwertung des Gebäudes und zugleich von einer erwarteten Erholung des Büroimmobilienmarktes nach der Pandemie zu profitieren.“
Am Ende ging diese Rechnung jedoch nicht auf: Die Nachfrage nach Büroflächen in San Francisco brach ein. Gleichzeitig belasteten steigende Zinsen und Baukosten die Wirtschaftlichkeit der Sanierung. In der Folge entwickelte sich der Projekt-Cashflow negativ.
Beteiligung über internationales Joint Venture
Die Beteiligung an dem Hochhaus lief laut Handelsblatt über ein institutionelles Joint Venture der Münchener Investmentgesellschaft Deutsche Finance Group und dem New Yorker Projektentwickler Michael Shvo. Hauptinvestor sei die Bayerische Versorgungskammer (BVK) gewesen.
In einer öffentlichen Erklärung versucht das Anwälte-Versorgungswerk nun seine rund 25.000 Mitglieder zu beruhigen. Das fehlgeschlagene Investment habe keine Auswirkungen auf Anwartschaften oder laufende Rentenleistungen, heißt es dort. Das gesamte Investitionsvolumen habe im Verhältnis zum Gesamtportfolio der Kapitalanlagen des Versorgungswerks bei unter einem Prozent gelegen. Man nehme den Vorgang jedoch sehr ernst und werde ihn sorgfältig aufarbeiten.
Versorgungswerke unter Druck bei Kapitalanlagen
Das Versorgungswerk der Rechtsanwälte im Lande Hessen ist nicht das erste Versorgungswerk, dass infolge von risikoreichen Investitionsentscheidungen Kapitalverluste hinnehmen musste. Für Negativ-Schlagzeilen sorgte in dieser Hinsicht neben der bereits erwähnten Bayerischen Versorgungskammer auch das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB), das einen Verlust von rund 1,1 Milliarden Euro eingefahren haben soll.
Die Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV) verwahrt sich dagegen, den Versorgungswerken Zockerei vorzuwerfen. Auf der ABV-Homepage schreibt der Vorsitzende Rudolf Henke: „Wir investieren vorausschauend und mit Augenmaß, um den langfristigen Wert des Vermögens der Mitglieder zu sichern. Wir erwirtschaften unsere Leistungen aus eigener Kraft – ohne staatliche Zuschüsse. Die Ausgangsverrentung für unsere Mitglieder liegt weiterhin über dem Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung. Hinzu kommen besondere Leistungen, etwa die Berufsunfähigkeitsabsicherung ab dem ersten Monat der Mitgliedschaft.“
Long Story short
58 Millionen Euro Risiko: Das Versorgungswerk der Rechtsanwälte im Lande Hessen muss möglicherweise ein Investment in den Wolkenkratzer Transamerica Pyramid in San Francisco vollständig abschreiben.
Büromarkt-Krise als Auslöser: Der Einbruch der Nachfrage nach Büroflächen in San Francisco sowie steigende Zinsen und Baukosten machten die Sanierung wirtschaftlich unrentabel.
Kein Einzelfall: Auch andere Versorgungswerke gerieten bereits wegen verlustreicher Investments in die Schlagzeilen – etwa das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin mit einem Milliardenverlust.
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