Beitragsstabilität
Berufsunfähigkeitsversicherung: Rating sieht gefährlichen Preistrend

„Der Preiswettbewerb in der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist ungebrochen – und er wird schärfer“, schreibt die Ratingagentur Franke und Bornberg als eine der Erkenntnisse ihres aktuellen BU-Stabilitätsratings unter 53 BU-Anbietern. Tarife würden aggressiver kalkuliert denn je und die Durchschnittsprämien für Risiken am Markt teils um mehr als 40 Prozent unterschritten. Eine Entwicklung, die auch viele spezialisierte BU-Makler seit Jahren kritisch betrachten.
Die Hannoveraner Analysten sehen dadurch ein echtes Risiko in den wachsenden BU-Beständen der Branche schwelen. Besonders auffällig ist aus ihrer Sicht die zunehmende Differenzierung der Berufsgruppen, vor allem bei vermeintlich risikoarmen Tätigkeiten. Diese Feinsteuerung stütze den Trend zur Unterkalkulation, ohne ihn in der Gesamtstatistik sichtbar zu machen.
„Ein Tarif, der heute im Vergleichsrechner glänzt, kann morgen im Bestand unter Druck geraten", sagt Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH und Herausgeber des map-reports, in dem das aktuelle BU-Stabilitätsrating erschienen ist. Denn günstige Einstiegspreise und generell Fehler in der Kalkulation würden häufig erst Jahre später sichtbar, wenn die Beiträge erhöht werden.
Neben dem anhaltenden BU-Preiskampf beobachten die Analysten noch eine weitere destabilisierende Entwicklung. Da es bereits viele sehr gute BU-Tarife gebe und somit über den Bedingungswettbewerb kaum noch Differenzierungspotenzial bestünde, würden immer mehr Versicherer die Abfragezeiträume in der Risikoprüfung reduzieren. Dadurch kommen Kundinnen und Kunden leichter an uneingeschränkten BU-Schutz, darunter allerdings auch solche, denen man früher keinen uneingeschränkten BU-Schutz gegeben hätte.
„Hohe Dynamiksätze, weit gefasste Nachversicherungen oder zu schlanke Gesundheitsfragen können im Vertrieb attraktiv wirken. In der Summe entscheiden genau diese Details aber mit darüber, ob ein Tarif langfristig sauber kalkuliert bleibt oder ob er für künftige Anpassungen anfällig ist“, erklärt map-report-Analyst Reinhard Klages.
Als besonders beitragsstabil sieht man bei Franke und Bornberg die BU-Versicherer Nürnberger, HDI, Ergo Vorsorge Leben, Stuttgarter, Generali, Continentale, LV 1871, Allianz, Huk-Coburg und Debeka. Vollständige Informationen zum BU-Stabilitätsrating und den Ergebnissen aller untersuchten Lebensversicherer gibt es in der map-report-Ausgabe Nr. 943.
