Kolumne

Altersvorsorge-Reform: „Verklickt Euch nicht, liebe Kundinnen und Kunden!“

Die Reform kommt. Und mit ihr jetzt schon täglich auch das billigste Argument der Altersvorsorge-Debatte: billig. Billig ist gut. Noch billiger ist besser. Am billigsten digital und ohne Beratung. Dann stört Beratung auch nicht beim Vergleich der Nachkommastellen, meint procontra-Kolumnist, Rechtsanwalt und AfW-Vorstand Norman Wirth.

Norman Wirth

Rechtsanwalt und AfW-Vorstand Norman Wirth. | Quelle: AfW

Mit dem Altersvorsorgereformgesetz kommt ab 2027 tatsächlich ein wichtiger Neustart. Mehr Kapitalmarkt, mehr Flexibilität, vielfach bessere Förderung. Das ist gut und richtig. Aber es kommt auch die Zeit der Prüfung. Denn genau jetzt beginnt die Hauptaufgabe der Vermittlerinnen und Vermittler: gegen pauschale Billigargumente ankämpfen und Kundinnen und Kunden vor voreiligen Entscheidungen schützen.

Denn billig ist nicht automatisch passend. Ein Kostendeckel ist keine Altersvorsorgeplanung. Ein Standarddepot ist keine Geeignetheitsprüfung. Und ein schneller Wechsel aus einem bestehenden Riester-Vertrag ist nicht deshalb richtig, weil Depot moderner klingt.

Riester-Verträge sind nicht alle schlecht

Gerade bei den Beständen wird es jetzt spannend. Alte Riester-Verträge sind nicht alle gut. Aber sie sind auch nicht alle schlecht. Da stecken Garantien, Zulagenhistorien, steuerliche Effekte, Kinderzulagen und individuelle Lebenssituationen drin. Wer hier pauschal sagt „weg damit“, ist im Zweifel unseriös und schädigt.

Kundinnen und Kunden brauchen jetzt keine Schlagzeilenberatung und Billigrechenmodelle. Sie brauchen qualifizierten Rat, jemanden der hinschaut, der sich damit auskennt. Was ist vorhanden? Was bleibt sinnvoll? Was kann angepasst werden? Was sollte neu gedacht werden? Und wo ist der Klick auf das Neue vielleicht der teuerste Klick des Lebens?

Ja, über Vergütung müssen wir unbedingt noch reden. Qualifizierte Prüfung, saubere Einordnung und echte Verantwortung gibt es nicht für Null. Wer Beratung will, muss auch sagen, wie sie bezahlt wird. 

„Verklickt Euch nicht, liebe Kundinnen und Kunden!“ 

Wie sehen Sie das?