SOEP-Befragung

Altersvorsorge-Reform: Forscher erwarten nur geringen Effekt

Durch die Reform soll sich die staatlich geförderte private Altersvorsorge deutlich mehr verbreiten. Doch eine Studie des DIW Berlin zeigt wenig Hoffnung. Zu sehr seien Riester-Schwachstellen übernommen worden.

Bausteine

Laut den DIW-Forschern hat sich der Staat bei seiner Altersvorsorge-Reform selbst Steine in den Weg gelegt. | Quelle: Andrii Yalanskyi

Die Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge ist auf der Zielgeraden. Die Zulagenförderung, sozusagen der Riester-Nachfolger, soll stark vereinfacht und zudem ein Standarddepot für die Chance auf mehr Rendite eingeführt werden. Das Ziel: Die Deutschen sollen mehr Altersvorsorge zusätzlich zu gesetzlichen Rente betreiben, um nicht in die Altersarmut zu rutschen. Doch laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) wird dieses Ziel durch die Reform kaum erreicht werden.

Als Basis für diese These haben die DIW-Forscher Peter Haan, Johannes Geyer und Marcus Borlinghaus eine Studie anhand der Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) erstellt, einer Langzeitstudie mit rund 30.000 Personen aus etwa 22.000 Haushalten.

Riester-Daten als Prognose-Basis

Untersucht wurde dabei die Verteilung der Riester-Verträge auf die Bevölkerung. Dabei zeigte sich, dass der Anteil der Riester-Sparer im Bevölkerungsfünftel mit dem geringsten Einkommen am niedrigsten ist und mit steigendem Einkommen konstant immer größer wird. „Ergänzende private Altersvorsorge erreicht bislang längst nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen und verstärkt bestehende Ungleichheiten im Alter eher, als dass sie diese ausgleicht“, sagt Haan.

Eine ähnliche Verteilung ergibt sich bei der Bildung. Bei den Menschen mit Berufsausbildung und Hochschulabschluss ist der Anteil der Riester-Sparer im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße dieser Gruppe viel höher als bei den Menschen mit Schulabschluss als höchster Qualifikation. Ein sehr hohes „Riester-Übergewicht“ gibt es zudem bei Menschen mit Wohneigentum gegenüber Mietern.

Aus den umfangreichen Daten zur bisherigen staatlich geförderten Altersvorsorge (Riester) leiten die Forscher somit ab, dass Personen mit höherem Einkommen, höherer Bildung und ohne Migrationshintergrund deutlich häufiger über eine zusätzliche Altersvorsorge verfügen. Die fehlende Opt-out-Funktion beziehungsweise sogar Verpflichtung würde ihren Teil dazu beitragen. „Wir wissen aus der Forschung, dass freiwillige Systeme zur zusätzlichen Altersvorsorge nicht die erforderliche Verbreitung erreichen, weil vor allem diejenigen vorsorgen, die ohnehin über ausreichende Ressourcen verfügen“, sagt Geyer.

Was es laut DIW wirklich braucht

Beim Riester-Nachfolger sowie dem Standarddepot gehen die DIW-Forscher davon aus, dass es in etwa so weitergehen wird. Für beide Optionen ist erneut weder Opt-out noch Verpflichtung vorgesehen. Zudem begünstige die neue Ausgestaltung weiterhin tendenziell Haushalte mit höherem Einkommen.

Zusätzlich geht man innerhalb der Versicherungs- und Finanzlobby davon aus, untermauert durch ein Gutachten, dass die staatlich geförderte private Altersvorsorge nach der Reform nur wenig Verbreitung erfahren wird. Hauptgrund dafür ist aus dieser Perspektive die auf die gesamte Vertragslaufzeit gestreckte Auszahlung der Abschlusskosten.

Aus Sicht des DIW sei vielmehr ein verpflichtendes kapitalgedecktes System notwendig, das stärker an bestehenden Modellen der betrieblichen Altersvorsorge ansetzt und kollektive Elemente enthält, bei denen Risiken nicht allein individuell getragen werden, sondern innerhalb eines Jahrgangs teilweise ausgeglichen werden können.

long story short:

Die geplante Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge soll Förderung vereinfachen. Ziel ist mehr private Vorsorge gegen Altersarmut. Laut DIW wird dies jedoch kaum erreicht: Daten zeigen, dass vor allem Menschen mit höherem Einkommen, Bildung und Wohneigentum vorsorgen, wodurch Ungleichheiten verstärkt werden. Freiwillige Systeme erreichen zu wenige. DIW empfiehlt stattdessen ein verpflichtendes, kapitalgedecktes System mit kollektiven Ausgleichsmechanismen.