Zurich setzt voll auf KI und Nachhaltigkeit: Mehr Wachstum, weniger Jobs
Beim Thema Künstliche Intelligenz (KI) positionierte sich die Zurich Gruppe Deutschland auf ihrer Bilanzpressekonferenz am Dienstag besonders offensiv.
Bereits heute sind mehr als 60 KI-Anwendungen produktiv im Einsatz, rund 80 Prozent der Mitarbeiter nutzen entsprechende Tools im Arbeitsalltag. Ziel ist es, die gesamte Wertschöpfungskette zu transformieren – von der automatisierten Schadenbearbeitung bis hin zu personalisierten Angeboten im Vertrieb.
Im Service kann ein KI-Agent zum Beispiel Vertragsänderungen wie die Anpassung der jährlichen Kilometerleistung in der Kfz-Versicherung in Sekunden verarbeiten, inklusive neuem Angebot und Antwort an den Kunden.
Großer Produktivitätsschub erwartet
Nach Einschätzung des Managements liegt in dieser Entwicklung erhebliches Potenzial. Zurich erwartet durch den breiten KI-Einsatz in den kommenden drei bis fünf Jahren Produktivitätssteigerungen von bis zu 30 Prozent sowie zusätzliche Wachstumsimpulse über dem Marktdurchschnitt.
Carsten Schildknecht, der Vorstandsvorsitzender, ist davon überzeugt, dass KI für die zukünftige Marktteilnahme von existenzieller Bedeutung werden und die Spielregeln der Branche völlig neu schreiben wird. „Die Digitalisierung konnte man vielleicht noch verschlafen, doch wer KI verschläft, der bekommt ernste Probleme“, glaubt er.
Jeder dritte Job kann wegfallen
Dabei macht Schildknecht keinen Hehl daraus, dass KI auch Auswirkungen auf Arbeitsplätze haben wird. Er rechnet damit, dass in den kommenden Jahren etwa 10 bis 30 Prozent der Stellen wegfallen. Allerdings werde dies durch den demografischen Wandel aufgefangen, gingen doch ein Drittel der gut 5.300 Zurich-Mitarbeiter in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Überhaupt möchte Schildknecht KI eher als Chance für die Beschäftigten denn als Bedrohung verstanden wissen. Man werde deshalb auch weiter in Weiterbildung investieren.
Nachhaltigkeit bleibt auf der Agenda
Neben KI stellte Zurich auf der Pressekonferenz auch klar, dass Nachhaltigkeit weiterhin ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie bleiben werde. „Auch wenn die Risiken durch Extremwetterereignisse angesichts der großen wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen dieser Tage in den Hintergrund der Berichterstattungen rücken, so sind diese Risiken wissenschaftlich belegt und faktisch allgegenwärtig“, so Schildknecht. Als Beleg verweist er auf die Entwicklung der Klimaschäden: Diese sind in Europa von rund 10 Milliarden Euro jährlich in den 1980er Jahren auf etwa 45 Milliarden Euro pro Jahr in den 2020er Jahren gestiegen.
Auf lange Sicht, so der Zurich Deutschland-Chef, könnten die Folgen von auftretenden Extremwetterereignissen Wohlstand und Wirtschaftswachstum sowie das Geschäftsmodell der Assekuranz gefährden – nämlich dann, wenn bestimmte Risiken exponentiell zunähmen und nicht mehr versicherbar wären.
Zurich reagiert darauf mit zwei Ansätzen. Zum einen sollen Kunden widerstandsfähiger gegenüber Klimarisiken gemacht werden, etwa durch datenbasierte Risikoanalysen und Präventionsmaßnahmen. Zum anderen treibt der Versicherer die Dekarbonisierung seines eigenen Geschäfts sowie der Kapitalanlagen weiter voran.
Auch im Neugeschäft spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle: In der fondsgebundenen Lebensversicherung entscheiden sich laut dem Versicherer rund 80 Prozent der Kunden für ESG-orientierte Anlagen.
Technologischer Wandel und nachhaltiges Wirtschaften sind für Zurich damit keine Gegensätze, sondern zentrale Hebel für künftiges Wachstum.
Erfolgreiche Bilanz im Jubiläumsjahr
2025 markierte nicht nur den 150. Geburtstag von Zurich in Deutschland, sondern zugleich ein erfolgreiches Geschäftsjahr. Das operative Betriebsergebnis lag mit 554 Millionen Euro 61 Prozent über dem Vorjahr (344 Mio. Euro), die gebuchten Bruttoprämien stiegen um sechs Prozent auf 6,235 Milliarden Euro (Vorjahr: 5,878 Mrd. Euro).
Ein wichtiger Wachstumstreiber war die Schaden-/Unfallversicherung. Mit einem Anstieg von 11 Prozent wuchs sie deutlich stärker als der Markt (plus 8 Prozent). Außerdem konnte die Schaden-Kosten-Quote um 10,6 Prozent-Punkte auf 93,8 Prozent verbessert werden (2024: 104,4 Prozent).
Auch das Leben-Segment entwickelte sich positiv: Das Neugeschäftsvolumen betrug 167 Millionen Euro. Mit einem Fondsbestandsvolumen von 20 Milliarden Euro rangiert Zurich inzwischen auf Rang 3 der größten Fondspolicenanbieter in Deutschland. Ein Grund hierfür sind unter anderem die Vertriebspartnerschaften mit der Deutschen Bank und der Postbank.
Offen ist indes immer noch, was mit den rund 700.000 klassischen Leben-Verträgen passieren wird, die Zurich 2024 an Viridium verkaufen wollte – ein Deal, der letztlich am Veto der BaFin gescheitert war. Laut Finanz-Vorstand Torsten Utecht gibt es hier keinen neuen Sachstand. Da sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – also insbesondere das Zinsumfeld – geändert hätten, müsse man jedoch nicht um jeden Preis verkaufen. Im Gegenteil: Man erwarte eine andere Bewertung als noch vor zwei Jahren. Im Klartext: Ein möglicher Interessent muss heute wohl tiefer in die Tasche greifen.
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