Anschlag auf Infrastruktur

GDV zum Stromausfall in Berlin: Kritik an Politik, schnelle Regulierung

Angesichts des massiven Stromausfalls in Berlin fordert der GDV von der Politik einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur. Gleichzeitig bekräftigt der Verband, dass versicherte Schäden schnell reguliert würden.

Für die vom Stromausfall betroffenen Menschen wurden Notunterkünfte errichtet.

Für die vom Stromausfall betroffenen Menschen wurden Notunterkünfte errichtet. | Quelle: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Zehntausende Haushalte, dazu Supermärkte, Läden, Lokale und Unternehmen im Südwesten von Berlin sind seit Tagen von der Stromversorgung abgeschnitten. Grund ist ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Kraftwerk Lichterfelde.

Forderung nach besserer Vorsorge

Aus Sicht des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigt der massive Stromausfall, wie verletzlich unsere Infrastruktur ist. „Umso wichtiger ist es, dass auch die öffentliche Hand Vorsorge trifft“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV. „Kritische Infrastrukturen müssen widerstandsfähiger werden und die Bevölkerung besser vorbereitet sein.“

Unabhängig davon, stünden die Versicherer bereit, versicherte Schäden rasch zu regulieren. „Versicherbar sind vor allem Sachschäden wie verdorbene Ware oder die Folgen von Wassereinbrüchen oder Bränden“, so Asmussen. 

Welche Versicherungen jetzt leisten

Grundsätzlich gilt laut GDV: Nicht der Stromausfall selbst ist versichert, sondern der als Folge eingetretene Sachschaden. Für Verbraucher dürfte es dabei vor allem um frostbedingte Schäden durch Leitungswasser sowie Schäden durch Einbruchdiebstahl gehen, die über eine Wohngebäude- oder Hausratversicherung abgedeckt sind. Versichert sind auch Schäden an Gefriergut, die dadurch entstehen, dass eine Tiefkühlanlage durch eine Unterbrechung der öffentlichen Stromversorgung ausfällt. Lebensmittel im Kühlschrank gehören nicht dazu.

Für Unternehmen kann dem Verband zufolge eine Betriebsunterbrechungsversicherung sinnvoll sein, wenn durch einen Stromausfall oder das Wiederanlaufen der Energieversorgung ein Sachschaden entsteht, wodurch der Betriebsablauf zusätzlich stillsteht. In bestimmten Branchen, etwa der Lebensmittelwirtschaft, gibt es zudem spezielle Versicherungen, die den Verderb von Kühlgut infolge eines Ausfalls der öffentlichen Stromversorgung finanziell absichern.

Verhaltenstipps bei Stromausfall

Der GDV rät bei einem Stromausfall im Winter wie jetzt in Berlin dazu, die Trinkwasserzufuhr am Hausanschluss – also am Wasserzähler oder Gebäudeeintritt – abzusperren, um Wasserschäden durch geplatzte Leitungen zu vermeiden. Wenn möglich, sollten wasserführende Leitungen zusätzlich entleert werden. Seien Leitungen bereits eingefroren, sollten sie nur unter Aufsicht und nach dem Absperren der Wasserzufuhr aufgetaut werden.

Abzuraten sei von gasbetriebenen Heizgeräten in geschlossenen Wohnräumen. Ebenso sollten Verbraucher auf keinen Fall versuchen, die Wohnung mit Holz oder Holzkohlegrills zu heizen. In beiden Fällen bestehe Lebensgefahr aufgrund von Sauerstoffmangel oder Kohlenmonoxidvergiftung. 

Long Story short

  • Der massive Stromausfall im Südwesten von Berlin wurde durch einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Kraftwerk Lichterfelde ausgelöst und zeigt die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur.

  • Der GDV fordert von der öffentlichen Hand bessere Schutz- und Vorsorgemaßnahmen; gleichzeitig betont Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen, dass versicherte Sachschäden schnell reguliert werden.

  • Versichert sind nicht Stromausfälle an sich, sondern daraus resultierende Sachschäden – etwa an Gebäuden, Hausrat, Gefriergut oder durch Betriebsunterbrechungen; falsche Heizmethoden bergen Lebensgefahr.