Studie

Wie teuer ist die Elementarschadenversicherung wirklich?

Wäre eine Elementar-Pflichtversicherung für viele Haushalte zu teuer? Eine Studie kommt für die meisten Wohngebäude auf einen niedrigen dreistelligen Mehrbeitrag. Andere hingegen müssen vierstellig zuzahlen.

Versicherungsvermittler läuft durchs Hochwasser zu seinem Kunden.

Immer wieder wird für Hauseigentümer die Elementarschadenversicherung erst interessant, wenn es zu spät ist. Dabei könnten offenbar viele von ihnen den Zusatzschutz für einen moderaten Mehrbeitrag einschließen. | Quelle: sonmez karakurt

Über die Einführung einer Pflichtversicherung gegen Elementarschäden für Hauseigentümer wird weiterhin politisch diskutiert. Ein Argument dagegen hatte vor rund eineinhalb Jahren der damalige Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) laut ausgesprochen und damit dem Wunsch des Bundesrats eine Absage erteilt: Eine solche Zusatzversicherung sei zu teuer für viele Bürgerinnen und Bürger.

Doch ob Elementarschutz gegen Starkregen, Überschwemmung und Co. nun als Pflichtversicherung, Opt-out-Lösung oder ganz ohne politisches Mitwirken als Aufklärungskampagne mit verstärktem Vertrieb daherkommt – es sollen mehr Gebäude dagegen versichert werden und dieser Versicherungsschutz kostet Geld. Doch wie viel eigentlich?

Über 80.000 Angebote ausgewertet

Mit dieser Frage haben sich die die Professoren Hartmut Nickel-Waninger (International Center for Insurance Regulation der Goethe-Universität Frankfurt am Main) und Oliver Schellenberger (Fachhochschule der Wirtschaft Paderborn) sowie Dr. Christian Groß (Leiter des „Datenbarometers“ bei der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit) in einem Aufsatz für die wissenschaftliche Zeitschrift Wirtschaftsdienst auseinandergesetzt. Sie wollen damit unter anderem die Diskussion über die Bezahlbarkeit und gegebenenfalls staatliche Bezuschussung von Elementar-Versicherungsschutz auf eine solidere Grundlage stellen.

Als Datengrundlage für ihre Arbeit dienten 80.687 Angebote von Versicherungsunternehmen für Wohngebäudeschutz mit und ohne Elementar. Bei der Erstellung und Auswertung dieser, laut den Autoren, realistischen Angebote waren außerdem auch die fb research GmbH, die VdS Schadenverhütung GmbH und die BA die Bayerische Allgemeine Versicherung AG beteiligt.

Für die meisten Haushalte kostet Elementarschutz etwa 110 Euro

Ganz grob können die Autoren mitteilen, dass der Netto-Mehrbeitrag für Elementarschutz in der ZÜRS-Zone 1 etwa 20 bis 30 Prozent des Nettobeitrags der Wohngebäudeversicherung beträgt. Dies ist bedeutend, da die Autoren bei ihrer Datengrundlage davon ausgehen, dass 92,4 Prozent der deutschen Wohngebäude in der ZÜRS-Zone 1 liegen. Der durchschnittliche Netto-Aufschlag für den Elementarschutz beträgt für sie etwa 110 Euro und der durchschnittliche Wohngebäude-Jahresbeitrag inklusive Elementarschutz somit etwa 530 Euro (grob etwa 630 Euro brutto).

In der ZÜRS-Zone 2 beträgt der durchschnittliche Elementar-Aufschlag bereits rund 300 Euro netto und ist damit fast genauso hoch wie die durchschnittliche Wohngebäudeprämie ohne Elementarschutz. In der ZÜRS-Zone 3 liegt der Zusatzbeitrag bei rund 1.400 Euro und macht grob etwa das Dreifache der reinen Wohngebäudeprämie aus. In der ZÜRS-Zone 4 steigt das Verhältnis noch einmal an, wobei es hier, laut den Autoren, schwierig sei, sinnvolle Durchschnittwerte aus der Datenbasis abzuleiten, da es nur wenige Gebäude und viel selektive Risikoprüfung gebe.

Bei allen Berechnungen wurde von einer Musterimmobilie mit heutigem Gebäudewert von 500.000 Euro und einer Selbstbeteiligung von 500 Euro pro Schadenfall in der Elementarversicherung ausgegangen. Eine ausführliche Tabelle mit allen Durchschnittsbeiträgen findet sich im Wirtschaftsdienst-Artikel.

Long story short:

Die politische Diskussion um eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden dauert an. Eine Studie von Forschern aus Frankfurt und Paderborn analysierte über 80.000 Versicherungsangebote, um die Kostenfrage zu klären. Ergebnis: Für etwa 92 Prozent der Gebäude (ZÜRS-Zone 1) kostet der zusätzliche Elementarschutz im Schnitt 110 Euro netto pro Jahr; in den Risikozonen ZÜRS 3 und 4 hingegen muss man schnell vierstellig zuzahlen.