Makler als Risikoberater

Die Bayerische schafft neues Beratungsmodell in der Wohngebäudeversicherung

Der Münchener Versicherer will verstärkt auf Prävention setzen und gewährt Kunden im Rahmen ihrer Versicherung ein Vorsorgebudget. Makler sollen sich zum Präventionsexperten weiterbilden lassen - und dadurch neue Einnahmen für sich schaffen.

Ein brennendes Haus

Die Bayerische will in der Gebäudeversicherung verstärkt auf Prävention setzen. | Quelle: braclark

Das Thema Prävention wird gerade in der Wohngebäudeversicherung immer wichtiger. Durch die Zunahme von Extremwetterereignissen steigt nicht nur die Wahrscheinlichkeit von Schäden, diese fallen häufig auch schwerer aus. Bei den Versicherern steigt die Schadenslast, die Wohngebäudeversicherung wird für viele Unternehmen zu einem Verlustgeschäft. Laut aktuellem Branchenmonitor der V.E.R.S. Leipzig GmbH fiel die durchschnittliche Combined-Ratio der 50 größten Wohngebäudeversicherer in drei der vergangenen fünf Jahren negativ aus.

Die Bayerische will nun den Vorsorgeaspekt in der Wohngebäude- und Hausratversicherung deutlich ausbauen. Im Rahmen ihrer PrimeHome-Policen bekommen Kunden künftig ein Vorsorgebudget zur Verfügung gestellt. Sie bekommen alle drei Jahren ein Budget in Höhe von 450 Euro für Maßnahmen wie Wartungen, Sicherheitsmaßnahmen am Gebäude, Wassersensoren oder Rückstauschutz ausgezahlt. Die auswählbaren Leistungen sind dabei in einem Katalog festgelegt, wie ein Sprecher des Versicherers auf procontra-Nachfrage erklärte.

„Versicherung darf nicht erst beim Schaden ansetzen. Mit dem Vorsorgebudget fördern wir bewusst Maßnahmen, die helfen, Schäden zu vermeiden und langfristig Sicherheit zu schaffen“, sagt Annika Obermayer, Leiterin Komposit bei der Bayerischen.

Jährlicher Risiko-Check

Ein weiterer Präventions-Baustein ist ein jährlicher Risiko-Check. Hierbei soll überprüft werden, ob der Versicherungsschutz noch zur jeweiligen Situation des Kunden passt. Hier kommt dann auch der Makler ins Spiel.

Damit dieser seine Kunden auch fundiert zum Thema Prävention beraten kann, soll dieser zum zertifizierten PrimeHome-Berater fortgebildet werden. „Damit wird der Versicherungsvermittler zum Risikoberater für das Zuhause. Die Beratung geht bewusst über die klassische Versicherungsberatung hinaus und umfasst konkrete Vorsorge- und Präventionsempfehlungen“, teilt der Versicherer hierzu mit.

Die Ausbildung hierzu startet bereits in diesem Februar. Sie besteht aus drei Modulen, die in Präsenz jeweils über drei Tage stattfinden. Flankiert werden soll dies über regelmäßige virtuelle Erfahrungsaustauschrunden mit den Beratern sowie weiteren Expertenvorträgen. „Wir sind somit an einer langfristigen und nachhaltigen Aus- und Weiterbildung der PrimeHome-Berater interessiert“, teilt der Sprecher weiter mit. In den Vorträgen soll es nicht nur um Elementarschäden bzw. entsprechende Präventionsmaßnahmen gehen. Auch Schutzmaßnahmen gegen Feuer sowie das Thema Einbruchschutz sollen thematisiert werden. Hierfür arbeitet die Bayerische mit der Kessel SE, einem Hersteller von Produkten der Entwässerungstechnik, sowie Experten aus der kriminalpolizeilichen Präventionsarbeit zusammen.

Zertifizierte Berater dürfen nach ihrer Fortbildung Gebäude eigenständig bewerten, exklusive Prämienrabatte von bis zu 25 Prozent vergeben, Risiken außerhalb klassischer Annahmerichtlinien zeichnen. Zudem verfügen sie über Schadenregulierungsvollmachten. Im Gegenzug sind sie zu regelmäßigen Beratungsgesprächen verpflichtet: einmal im Jahr zum „kleinen Risikocheck“ sowie alle zwei Jahre zum großen Risiko- und Präventionscheck, bei dem das versicherte Haus besichtigt wird.

Risikoberatung wird extra vergütet

Die Präventions- und Risikoberatung wird dabei extra vergütet. Über einen Honorarvertrag erhalten Makler alle zwei Jahre insgesamt 150 Euro – diese sind voll anrechenbar auf das Vorsorgebudget der Kunden. „Damit verdienen Vermittler nicht nur an der Versicherung selbst, sondern systematisch an Beratung, Prävention und Bestandspflege“, heißt es seitens der Bayerischen.

Das neue Vorsorgebudget gibt es bei der Bayerischen jedoch nur innerhalb der hauseigenen PrimaHome-Policen. Hierbei handelt es sich um eine Hausrat-Haftpflicht-Kombination, die um weitere Versicherungsbausteine, beispielsweise einer Wohngebäudeversicherung, ergänzt werden kann. Für bestehende Wohngebäudeversicherungen gibt es indes kein Vorsorgebudget – allerdings könnten diese auf PrimeHome umgestellt werden, erklärte ein Sprecher. Dann erhielten sie auch das Vorsorgebudget.

Die Bayerische erhofft sich von ihrem neuen Präventionsansatz besser kalkulierbare Risiken und stabilere Bestände. Makler sollen über zusätzliche, planbare Einnahmen profitieren. „Die PrimeHome-Police ist nicht nur ein Produkt, sondern ein komplett neuer Beratungsansatz. Sie erleichtert Gespräche über ganzheitliche Absicherung und stärkt die Bindung zwischen Kundinnen, Kunden und Vermittlern“, so Bayerische-Vorstand Martin Gräfer.

Long Story short

Die Bayerische baut in der Wohngebäude- und Hausratversicherung einen umfassenden Präventionsansatz auf, der Kunden ein Vorsorgebudget, regelmäßige Risiko-Checks und konkrete Schutzmaßnahmen ermöglicht, um Schäden aktiv zu vermeiden. Gleichzeitig werden Makler zu zertifizierten PrimeHome-Beratern ausgebildet und zusätzlich vergütet, wodurch sie zu Risikoberatern für das Zuhause werden