Interview

Pflegeheim: Mit diesen Risiken müssen Privatanleger kalkulieren

Pflege- und Gesundheitsimmobilien können für Anleger attraktiv sein. Doch die Rendite hängt stark vom Betreiber des Wohnheims ab. Wie man gute Eigenschaften, aber auch Risiken erkennt, erklärt Thomas Lehmann, Real Estate Consulting Director beim Immobiliendienstleister Wüest Partner.

Thomas Lehmann

Thomas Lehmann, Real Estate Consulting Director beim Immobiliendienstleister Wüest Partner. | Quelle: Wüest Partner

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Die Soziale Pflegeversicherung ist defizitär. Was würde das für den Betreiber eines Pflegheims bedeuten, wenn „seine" Pflegekasse zahlungsunfähig wird?

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Thomas Lehmann:

Eine Insolvenz einer Pflegekasse bedeutet nicht, dass Pflegebedürftige ihren Schutz verlieren. Das System ist solidarisch organisiert und die Auszahlungen sind durch den Staat oder andere Kassen abgesichert. 

Procontra

Welche Risiken gibt es für Betreiber?

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Lehmann:

Die Hilferufe der Betreiber sind weiterhin wahrnehmbar. Neben den Nachwirkungen der Corona-Pandemie leiden die Einrichtungen unter steigenden Kosten, Personalmangel und Belegungsstopps. Die Kombination aus Energie- und Lebensmittelkosten, Tarifpflicht und indexierungsbedingten Pachtsteigerungen hat zahlreiche Betreiber in eine bedrohliche wirtschaftliche Situation gebracht.

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Können Betreiber die gestiegenen Kosten nicht weitergeben? 

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Lehmann:

Im Gegensatz zu anderen Branchen gelingt dies nicht ohne Weiteres. Während die Kosten unmittelbar zulasten der Geschäftszahlen gehen, erfolgt die Refinanzierung mit erheblichem Zeitverzug und ist zudem nicht vollends gesichert. Erst wenn die Anpassungen mit den Kostenträgern verhandelt wurden und diese einer Pflegesatzanpassung zugestimmt haben, kann die Erhöhung mittels einer neuen Vergütungsvereinbarung gegenüber dem Bewohner geltend gemacht werden.

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Wie ist die Situation für die Pflegebedürftigen?

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Lehmann:

Auch sie sind zunehmend mit steigenden Kosten konfrontiert. Die Bezahlbarkeit eines Pflegeplatzes nimmt seit Jahren ab, wodurch die Zahl der Sozialhilfeempfänger in stationären Pflegeeinrichtungen kontinuierlich steigt. Rund ein Drittel der stationären Pflegebedürftigen ist bereits auf Sozialhilfe angewiesen – in strukturschwächeren Regionen liegen die Anteile deutlich höher. Dieser Umstand hat einen direkten Einfluss auf die betriebswirtschaftliche Situation der Betreiber.

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Wie können Anleger gute Betreiber erkennen?

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Lehmann:

Gute Betreiber zeichnen sich durch eine nachgewiesene betriebswirtschaftliche Stabilität, eine hohe Pflegequalität sowie eine ausreichende Personalausstattung mit idealerweise langjähriger Betriebszugehörigkeit aus. Auch die Bewohner müssen zufrieden sein, belegt durch Berichte des Medizinischen Dienstes. Wichtig sind Qualitätsstandards sowie ein Konzept für künftige Bewohnergenerationen. Zudem sollten Investoren die Trilogie aus Betreiberbonität, Markenetablierung und den relevanten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen und Trends sorgfältig prüfen.