Die geplante GKV-Reform verschärft die Zugangshürden zur privaten Krankenversicherung, schafft dadurch für viele Versicherungsmakler aber auch neue Chancen in der Beratung. Das zeigt eine procontra-Umfrage auf unserer Weiterbildungsplattform profino unter Vermittlern zu den größten Beratungs- und Vertriebschancen der GKV-Reform.
Im Zuge der Reform soll die Versicherungspflichtgrenze – auch Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) genannt – zusätzlich zur regulären Anpassung um 3.600 Euro auf voraussichtlich rund 84.800 Euro ab 2027 angehoben werden. Aktuell liegt sie noch bei einem Jahresbruttoeinkommen von 77.400 Euro. Künftig können damit weniger Angestellte neu in die PKV wechseln. Gleichzeitig werden viele bereits privatversicherte Arbeitnehmer womöglich wieder versicherungspflichtig. Keine guten Nachrichten für das PKV-Geschäft, könnte man meinen. Doch viele PKV-Makler sehen die außerordentliche JAEG-Erhöhung nicht sonderlich dramatisch, sondern sehen eher die Chancen.
Zudem ändern sich die Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung: Die Festzuschüsse der Krankenkassen beim Zahnersatz werden um 10 Prozent reduziert und liegen damit wieder auf dem gleichen Niveau wie vor dem Jahr 2020. Die Ausgaben müssen für Versicherte einen nachweisbaren Nutzen haben. Kosten für homöopathische Arzneimittel werden künftig nicht mehr erstattet. Hier kommen Zusatzversicherungen ins Spiel.
Gefragt danach, für welche Produkte die GKV-Reform neue Beratungsanlässe und Vertriebschancen für Makler bietet, wurde daher nicht nur die Voll-PKV in der Hauptsache genannt, sondern ebenso Zusatzversicherungen. Zusammengenommen erhielten ambulante, stationäre und Zahnzusatzpolicen sogar deutlich mehr Nennungen als die klassische private Vollversicherung. Die befragten Makler scheinen also auch auf die wachsenden Leistungslücken der GKV zu schielen und ihre Chancen daraus ergreifen zu wollen.
Kaum jemand sieht gar keine Chancen durch die Reform
Konkret nannten die befragten Makler die PKV-Vollversicherung zwar am häufigsten als Einzelprodukt (102 Nennungen). Dahinter folgen jedoch direkt ambulante Zusatzversicherungen (85), Zahnzusatzpolicen (79) und stationäre Ergänzungstarife (74). Die betriebliche Krankenversicherung (bKV), die in den vergangenen Jahren vielerorts als großer Wachstumsmarkt galt, landete mit 54 Nennungen dagegen nur im Mittelfeld. Lediglich 22 Teilnehmer sahen überhaupt keine zusätzlichen Vertriebschancen durch die Reform.
Long Story short:
Zusatzversicherungen stehen bei den befragten Maklern fast höher im Kurs als die klassische Voll-PKV – besonders ambulante, stationäre und Zahnzusatzpolicen.
Die GKV-Reform könnte damit mehr Nachfrage nach ergänzender Gesundheitsvorsorge schaffen.
Nur wenige Vermittler sehen gar keine Vertriebschance: Die Stimmung im Markt bleibt trotz Reformdebatte insgesamt optimistisch.


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