Risiken für Anleger

OIF unter Druck: Bafin-Chef kritisiert Risikoeinstufung und Vertrieb

Offene Immobilienfonds galten lange als sichere Anlage – doch Milliardenabflüsse setzen das Modell unter Druck. Die Bafin warnt jetzt vor Risiken für Anleger und schaut auch auf neue Gefahren im Private-Credit-Markt.

BaFin-Präsident Mark Branson

BaFin-Präsident Mark Branson | Quelle: BaFin/Matthias Sandmann

Die Finanzaufsicht Bafin sieht wachsende Risiken für Privatanleger bei offenen Immobilienfonds (OIF). Die Produkte seien zwar grundsätzlich legitim – entscheidend sei jedoch, wie sie verkauft würden, sagte Bafin-Präsident Mark Branson jetzt gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Häufig stehe im Beratungsgespräch der „vertriebsgetriebene Verkauf" im Vordergrund.

Offene Immobilienfonds gelten seit Jahren als vergleichsweise sichere Anlage und werden vor allem von Volksbanken und Sparkassen häufig in der niedrigsten Risikoklasse angeboten. Doch das Marktumfeld hat sich verändert. Steigende Zinsen und strukturelle Veränderungen am Immobilienmarkt – etwa durch den Trend zum Homeoffice – setzen insbesondere Gewerbeimmobilien unter Druck. Laut dem Geldratgeber Finanztip haben Anleger seit Januar 2025 per Saldo rund zehn Milliarden Euro aus offenen Immobilienfonds abgezogen.

Fonds stoppen Anteilsrücknahmen

Die Folgen sind bereits sichtbar: Zwei kleinere Fonds, der „Fokus Wohnen Deutschland“ (Industria) und der „WohnSelect D“ von Anbieter Wertgrund, mussten zuletzt die Rücknahme von Anteilen aussetzen (wir berichteten).

Anleger können ihre Anteile jetzt nur noch über die Börse verkaufen, oft mit erheblichen Abschlägen. Weitere Anteilsrücknahme-Stopps schließt Branson nicht aus – besonders bei kleineren Fonds bestehe ein erhöhtes Risiko.

Kritisch sieht die Bafin auch die Risikoeinstufung vieler Produkte. Dass Immobilienfonds oft als besonders risikoarm eingestuft werden, hält Branson für fragwürdig.

Zudem zweifelt der Bafin-Chef am Nutzen umfangreicher Beratungsprotokolle. Die Dokumentation solle eigentlich Anleger schützen, sei in der Praxis aber häufig so komplex, dass sie gerade weniger erfahrene Kunden überfordere.

Neue Risiken im Private-Credit-Markt

Mit einiger Sorge betrachtet Branson auch das Engagement von Versicherern und Pensionskassen im Private-Credit-Markt. Aus seiner Sicht lauern in diesem Bereich außerhalb des traditionell regulierten Bankensektors enorme Gefahren. Wie der Versicherungsmonitor berichtet, will die Bafin deshalb demnächst eine Umfrage zum Kapitalanlageverhalten der Versicherer im Private-Credit-Geschäft starten. Aufgeschreckt worden war die Branche unter anderem durch die Insolvenz des von Private-Credit-Fonds finanzierten US-Autozulieferers First Brands.

long story short

  • 10 Milliarden Euro Abflüsse: Anleger haben seit Anfang 2025 massiv Geld aus offenen Immobilienfonds abgezogen.

  • Erste Rücknahme-Stopps: Zwei Fonds mussten kürzlich die Auszahlung von Anteilen aussetzen.

  • Neue Risiken im Blick: Die Bafin untersucht zusätzlich wachsende Gefahren im Private-Credit-Markt.