Die Zukunft der Geldanlage wird weiblicher, vor allem in puncto Ethik und Enkeltauglichkeit: Bis zum Jahr 2030 wird ein erheblicher Teil des globalen Vermögens auf Frauen übergehen. Allein in Europa etwa 10,9 Billionen Euro oder 47 Prozent des Gesamtvermögens. Das liegt zum einen daran, dass viele Frauen aufgrund der höheren Lebenserwartung zwei Mal erben, zuerst von ihren Eltern und später von ihrem Partner. Dazu kommt, dass Frauen zunehmend in besser bezahlte Positionen aufsteigen und damit die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen kleiner wird.
Was Frauen bei der Anlage anders machen
Würden Frauen weltweit im gleichen Umfang investieren wie Männer, stünden zusätzlich 3,22 Billionen US-Dollar an Investitionskapital zur Verfügung. Das hat Konsequenzen für die Finanzbranche, denn Frauen legen nicht nur Wert auf finanzielle Rendite, sondern auch auf die gesellschaftliche und ökologische Wirkung ihrer Anlagen. Von den genannten 3,22 Billionen US-Dollar würden mehr als 1,8 Billionen in nachhaltige Geldanlagen fließen. Frauen sind häufiger bereit, ihr Konsum- und Investitionsverhalten an ethischen und ökologischen Kriterien auszurichten: Während circa 26 Prozent der Männer bei ihren Investitionen auf Ethik, soziale oder ökologische Konsequenzen ihrer Investments achten, so tun dies 31 Prozent der Frauen, und sie dabei mindestens genauso erfolgreich, wie ihre männlichen Kollegen
Wer denkt, dass Frauen sich in finanziellen Angelegenheiten vor allem auf den Rat und die Entscheidungen ihres Partners stützen, der hat Recht. Allerdings tun sie dies nur, so lange er Teil ihre Lebens ist. Die Frage, ob sie den Finanzberater wechseln würden, wenn der Partner stirbt oder sich trennt, beantworteten 40 Prozent der befragten Frauen mit „Ja“. Und damit liegen die Antwort um elf Prozentpunkte höher als die der Männer.
Orientierungshilfen nachhaltige Fonds
On Investor oder Anlegerin – Produkte zu finden, die den eigenen Ansprüchen an Ethik und Wirkung genügen, konnte sich in den letzten Jahren durchaus frustrierend gestalten. Doch es gibt Orientierungshilfen: etablierte Label wie das FNG-Siegel prüfen Fonds nicht nur auf ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung), sondern auch auf Transparenz, Strenge und Governance. Zudem wird die EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) derzeit überarbeitet und soll mehr Klarheit in die regulatorischen Vorgaben schaffen, die so manchem Berater in der Vergangenheit das Leben sicher nicht einfacher gemacht haben. Dabei soll die SFDR 2.0 die bisherigen Produktkategorien (Artikel 8 und 9) durch ein tatsächliches Klassifizierungssystem ersetzen: „Nachhaltig“, „Transition“ und „ESG-Grundlagen“.
Und wer es ganz genau wissen will, der sollte bei den Produktanbietern nachhaken: Gibt es Möglichkeiten, sich von der Transparenz des Anlageprozesses selbst zu überzeugen? Gibt es ein beratendes oder gar entscheidungsbefugtes Anlagekomitee, das interessante Investitionen auf ethische Gesichtspunkte genehmigt, bevor tatsächlich investiert wird?
Herausforderungen und Chancen für Makler
Für Makler und Fondsvertriebe ergibt sich daraus eine doppelte Herausforderung: Zum einen müssen sie ihre Beratung an die spezifischen Bedürfnisse von Frauen anpassen. Das bedeutet, Nachhaltigkeitskriterien stärker in den Vordergrund zu stellen und transparenter über die Wirkung von Investments zu informieren. Zum anderen bietet der wachsende Einfluss von Frauen als Anlegerinnen enorme Chancen. Wer es schafft, Frauen als Zielgruppe ernst zu nehmen und passgenaue Lösungen anzubieten, kann von diesem Trend profitieren.
Wer das verpasst, wird sich darauf vorbereiten müssen, dass Frauen massiv Kapital aus ihren Aktiendepots abziehen. Andererseits könnte eine größere Zahl risikoaverser Anlegerinnen auch zu einer geringeren Volatilität am Aktienmarkt führen.
Die Vermögensverschiebung hin zu Frauen und deren Präferenz für ethische Investments sind keine kurzfristigen Trends, sondern strukturelle Veränderungen. Makler, die diese Entwicklung erkennen und ihre Beratung entsprechend ausrichten, werden nicht nur ihre Kundschaft erweitern, sondern auch einen Beitrag zu einer enkeltauglichen Wirtschaft leisten. Es ist an der Zeit, Frauen als zentrale Akteurinnen der Finanzwelt zu begreifen – ihre Werte in den Mittelpunkt der Beratung zu stellen und ihnen einen geschützten Raum zum Gespräch zu bieten, in dem sie sich wohl fühlen Fragen zu stellen und offen über Risiken zu sprechen.

