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Aktive ETFs: Die Hoffnung auf Outperformance

Aktive ETFs wollen das Beste aus zwei Welten vereinen. Manche sehen darin eine echte Innovation, andere halten sie für eine Mogelpackung.

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Aktive ETFs wollen bei der Rendite Outperformance zu niedrigen Kosten liefern und haben mit diesem Konzept bereits einige Fans. Andere halten das Vehikel für eine Mogelpackung. | Quelle: Olga Seifutdinova

Wie bei aktiven Fonds auch versuchen „aktive ETFs“ eine gewisse Outperformance gegenüber einem Zielindex zu erzielen. Der große Unterschied: Die Strategie wird zu einem Bruchteil der Kosten für aktive Fonds angeboten. Beträgt zum Beispiel die durchschnittliche Verwaltungsgebühr eines aktiv gemanagten globalen Aktienfonds über einem Prozent jährlich, kosten aktive ETFs in dieser Assetklasse rund 0,4 Prozent jährlich. Aktive ETFs gelten rechtlich als UCITS-Fonds und können somit auch für fondsgebundene Policen genutzt werden. 

Angesichts des Kostenvorteils wundert es nicht, dass aktive ETFs auch in Deutschland auf eine respektable Nachfrage gestoßen sind. Laut einer Studie des Anlegerportals „extraETF“ gibt es inzwischen 281 aktive ETFs hierzulande mit einem verwalteten Vermögen von 51 Milliarden Euro - wobei das Gros der Gelder von institutionellen Anlegern stammt. Ausländische Fondsgesellschaften dominieren das Segment, obschon auch inländische Anbieter wie DWS, Quoniam (Union Investment) und Deka mindestens mit einem aktiven ETF vertreten sind. J.P. Morgan Asset Management (JPAM) ist Marktführer mit 30 Aktien- und Anleihenprodukten. 

Aktive Fonds „in abgespeckter Form“ 

„Aktive ETFs“ - ist das nicht ein Widerspruch in sich? Nicht mehr, denn das ETF-Vehikel wird nun auch für aktive Strategien und nicht mehr ausschließlich für passive Strategien bzw. für eine Indexabbildung wie früher verwendet. In den meisten Fällen werden, wie Scope Ratings in einer Studie schreibt, „bestehende Research-Ressourcen zweitgenutzt, jedoch oft in abgespeckter Form, beispielsweise durch weniger aktive, diskretionäre Managerentscheidungen.“ Eine hohe diskretionäre Managerleistung bleibe dagegen den Fonds vorbehalten, damit sich die Produkte nicht kannibalisieren, so Scope. Weitere Kostenvorteile für aktive ETFs im Vergleich zu Fonds entstehen daraus, dass die Produkte eher über digitale Plattformen angeboten werden statt von Beratern. Auch die Börsennotierung eines aktiven ETFs senkt die Kosten, weil diese eine Fondsverwaltung überflüssig macht. Aktive ETFs sind also die Antwort der Branche auf den Kostendruck durch passive ETFs, die im Aktienbereich zwischen 10 und 20 Basispunkten kosten. 

Können aktive ETFs die gepriesene Outperformance auch liefern? Zum Teil. Von den 281 aktiven ETFs in Deutschland gibt es der extraETF-Studie zufolge 66 Produkte, die länger als drei Jahre am Markt sind und damit für die Alpha-Beurteilung in Frage kämen. Das Ergebnis: Die Gruppe von Produkten, die in den USA, Europa und Japan sowie global investieren, konnte gegenüber passiven ETFs eine gewisse Überrendite erzielen. Dabei ist Volker Schilling, CEO der Fondsboutique Greiff Capital Management, wenig beeindruckt von der bisherigen Leistung von aktiven ETFs und betrachtet das Produkt als eine „Mogelpackung“.  Im Interview sagt Schilling, die erwähnte Outperformance in der extraETF-Studie habe nichts mit „Manager-Magie“ zu tun, sondern mit ein bisschen Indexabweichung zugunsten von US-Tech-Firmen etwa. Außerdem böten die Produkte in seinen Augen keine echte aktive Strategie für die Kapitalmärkte. 

Marktführer weist Kritik vehement zurück 

JPAM hält strikt dagegen und beteuert, dass seine ETFs mit der Strategie Research Enhanced Index (REI) selbstverständlich aktiv investieren. „Wer bemängelt, dass die REI-Strategie nicht aktiv genug ist, sollte auf die Details achten: REI verbindet die Vorteile eines indexnahen, breit diversifizierten Portfolios mit den Erkenntnissen eines globalen Research-Teams. Durch gezielte Über- und Untergewichtungen einzelner Aktien innerhalb der Benchmark wird das Potenzial für eine langfristige Überrendite genutzt, ohne die regionale, sektorale oder stilistische Neutralität zu verlieren. Dies ist etwa für Anleger sinnvoll, die ihre passive Allokation diversifizieren wollen, ohne ihr Marktrisiko zu erhöhen und mit geringem Tracking Error“, so JPAM. 

Der US-Vermögensverwalter weist auch in diesem Zusammenhang auf die extraETF-Studie, die zeigt, dass Strategien wie REI Outperformance generieren können. Repräsentativ ist die Studie jedoch nicht, da die Produkte nur ein Viertel des Marktes ausmachen und die weiteren Produkte nicht über die entsprechende Performancehistorie verfügen. Dazu meint der Fondsexperte Ali Masarwah: „Die langfristige Performance aktiver ETFs ist noch nicht eindeutig zu beurteilen, da die Produkte relativ neu sind.“ Masarwah ist sich auch nicht sicher, ob aktive ETFs ein großes Thema für Privatanleger in Deutschland werden könnten, da diese in der Regel auf passive ETFs fokussiert seien, insbesondere auf solche, die den MSCI World abbilden. Mit einer starken Historie könne sich dies laut Masarwah aber schnell ändern. 

Haben aktive ETFs eine echte Zukunft?

PRO:

  • Die Vehikel wollen Outperformance bei weniger Kosten bieten 

  • Die Produktstrategie ist teilweise aufgegangen 

  • Eignen sich für „Selbstentscheider“ im Internet 

CONTRA:

  • Aktive ETFs werden teils als eine billige Kopie gesehen 

  • Es ist noch unklar, ob sie dauerhaft Outperformance liefern 

  • Höhere Kapitalmarkterfahrung der Anleger notwendig