Kolumne

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke: Bauen wieder möglich machen

Trotz steigender Baugenehmigungen sinken die Bauinvestitionen weiter: Für 2026 erwarten Gutachter nur rund 215.000 fertiggestellte Wohnungen – bei einem jährlichen Bedarf von über 257.000 Einheiten. Die Neubaukrise verschärft sich, während Bürokratie, langwierige Verfahren und lokale Widerstände Projekte ausbremsen, so Iris Schöberl, Präsidentin des ZIA.

Iris Schöberl

Iris Schöberl, Präsidentin des ZIA | Quelle: ZIA/Laurence Chaperon

Nein, ich meine keinen neuen Kinofilm oder Roman eines bekannten deutschen Schauspielers und Autors. Ich spiele auf die wachsende Neubaulücke an. Denn wenn man auf die Zahlen des Frühjahrsgutachtens 2026 schaut, könnte man meinen, Deutschland sei im Baustopp-Modus. Die Bauinvestitionen sind 2025 in den ersten drei Quartalen durchgehend gesunken – und das, obwohl die Baugenehmigungen immerhin um 11,7 Prozent gegenüber dem schwachen Vorjahr stiegen. Klingt paradox? Ist es auch. Denn entscheidend ist nicht, wie viele Genehmigungen aus den vergangenen Jahren und aktuell auf dem Papier stehen, sondern wie viele Wohnungen tatsächlich fertiggestellt werden. Und hier klafft die Lücke zum tatsächlichen Bedarf weiterhin bedrohlich. Wir stecken mitten in einer handfesten Neubaukrise. Die Gutachter prognostizieren für 2026 nur etwa 215.000 fertiggestellte Wohnungen – und das bei einem jährlichen Bedarf von 257.400 Wohneinheiten bis 2040.

Als ZIA kämpfen wir mit aller Vehemenz dafür, dass schneller, einfacher und kostengünstiger gebaut werden kann. Möglichkeiten, wie sie der „Bau-Turbo“ bietet, werden in der Realität noch nicht ausreichend genutzt. Der Deutschlandfonds, den wir als Idee begrüßen, muss dann auch so ausgestaltet sein, dass er der Bau- und Immobilienwirtschaft zugutekommt. Der Entwurf des Gebäudetyp E zeigt: Ein gutgemeintes Instrument ist nicht gleichzusetzen mit einem gutgemachten – hier muss noch nachgebessert werden, damit er hält, was er verspricht. Bezahlbares Wohnen wird kaum realisierbar sein, wenn gute Ansätze am Ende durch langwierige Prozesse, komplizierte Verfahren und viel Bürokratie wieder entstellt werden.

Doch die Neubaukrise ist nicht einfach nur ein Problem der Politik. Wer in den letzten Jahren umziehen wollte oder musste, kennt die leidvollen Erfahrungen aus erster Hand: Wohnungen, die nie fertig werden, Projekte, die blockiert oder beklagt werden. Die größten Verlierer sind die Menschen, die dringend Wohnraum brauchen. Und während in den Kommunen oft der Reflex lautet: „Neubau? Nein danke!“, müssen wir als Gesellschaft lernen, Neubau auch wirklich zu wollen.

Meine Bitte an Sie: Sprechen Sie darüber! Thematisieren Sie die Neubaukrise in Ihrem Umfeld, nutzen Sie Ihre Position als Multiplikator. Denn jede Diskussion, jede Stimme für mehr Neubau und weniger Abwehr trägt dazu bei, dass wir endlich den dringend benötigten Wohnraum schaffen.

Deutschland braucht eine starke Wirtschaft, um eine starke Demokratie zu sichern. Und dazu gehört eine florierende Bau- und Immobilienwirtschaft, die Menschen ein Zuhause bietet, Investoren anzieht und langfristige Perspektiven schafft. Lassen Sie uns also gemeinsam das Fundament legen – wortwörtlich – für eine Zukunft, in der Bauen nicht länger ein Hindernislauf ist, sondern eine echte Chance.

Ihre Meinung ist gefragt!