DAV fordert eine stärkere bAV und lebenslange Rentenmodelle
Auf einer Veranstaltung zur Zukunft der Alterssicherung äußerten sich die Versicherungsmathematiker vertreten durch die Vorsitzende Susanna Adelhardt zum Zustand der Altersvorsorge in Deutschland. Im Fokus stand dabei zunächst die jüngst beschlossene Reform der privaten Altersvorsorge.
Das neue Altersvorsorgedepot soll ab 2027 die bisherige Riester-Welt ablösen und stärker auf Kapitalmarktanlagen setzen. Aus Sicht der DAV bringt die Reform durchaus Fortschritte: flexiblere Spar- und Auszahlphasen, digitale Standardprodukte sowie eine vereinfachte Förderung. Gerade die hohe Bürokratie habe Riester in der Vergangenheit erheblich belastet. Positiv bewertet die DAV deshalb insbesondere die geplante stärkere Digitalisierung und die Möglichkeit, bestehende Riester-Verträge unter Mitnahme der Historie in die neue Förderung zu überführen.
Das Vorsorgedepot sei keine echte Altersvorsorge
Gleichzeitig warnen die Aktuare jedoch davor, das neue Vorsorgedepot mit echter Altersvorsorge gleichzusetzen. Der Vermögensaufbau allein sichere noch keine lebenslange Versorgung. „Es ist eine reine Vermögensbildung. Aber wer sorgt dafür, dass im Pflegeheim oder Krankenhaus jeden Monat weiter Geld aufs Konto kommt?“, fragt Susanna Adelhardt, Vorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung e.V.. Ein Depot könne zwar Vermögen schaffen, garantiere aber kein lebenslanges Einkommen. Deshalb bleibe eine lebenslange Rentenzahlung aus Sicht der DAV unverzichtbar.
Besonders kritisch blickt die Vereinigung deshalb auf die zweite Säule der Altersvorsorge – die betriebliche Altersversorgung (bAV). Dort sieht die DAV weiterhin erhebliches Ausbaupotenzial. Derzeit verfügen laut den vorgestellten Zahlen nur etwas mehr als 50 Prozent der Beschäftigten über eine Betriebsrente. Während die gesetzliche Rente unter dem Druck des demografischen Wandels stehe und die private Vorsorge stärker auf Vermögensbildung setze, müsse die bAV künftig die Rolle der langfristigen Einkommensabsicherung übernehmen.
Auto-Enrollment oder Obligatorium
Um die Verbreitung deutlich zu erhöhen, spricht sich die DAV offen für Modelle wie Auto-Enrollment oder sogar verpflichtende Lösungen aus. Beschäftigte würden dabei automatisch in eine Betriebsrente aufgenommen und müssten aktiv widersprechen, wenn sie nicht teilnehmen möchten. Freiwilligkeit allein reiche aus Sicht der Aktuare nicht aus. Die Erfahrungen mit Riester hätten gezeigt, dass ohne stärkere Verbindlichkeit keine ausreichende Marktdurchdringung erreicht werde. Gleichzeitig verspreche ein breiteres Kollektiv stabilere Kalkulationen und langfristig bessere Finanzierungsgrundlagen.
Als Vorbild nannten die Referenten unter anderem Schweden. Dort existiert neben der staatlichen Rente eine kapitalgedeckte Premium-Pension mit standardisierten Fondsmodellen sowie eine deutlich stärkere Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung. Mehr als 90 Prozent der Arbeitnehmer seien dort in betriebliche Versorgungssysteme eingebunden.
Keine zu enge Regulierung der Investment-Kategorien
Auch die Kapitalanlage spielte auf der DAV-Veranstaltung eine wichtige Rolle. Die DAV warnte vor zu starker staatlicher Regulierung oder politischen Anlagevorgaben. Zu viele Einschränkungen würden Bürokratie erhöhen und Flexibilität verringern. Statt verbindlicher Investitionsquoten brauche es attraktive Rahmenbedingungen für langfristige Kapitalanlagen.
Unterm Strich wird die Richtung der DAV deutlich: Mehr Kapitaldeckung, mehr Verbindlichkeit in der betrieblichen Altersvorsorge und gleichzeitig lebenslange Rentenmodelle statt reiner Auszahlpläne. Denn aus Sicht der Aktuare bleibt Altersvorsorge vor allem eines: die langfristige Absicherung eines laufenden Einkommens – und nicht nur der Aufbau eines möglichst großen Depots.
Long Story short
Die DAV begrüßt die Reform der privaten Altersvorsorge, warnt aber davor, das neue Altersvorsorgedepot mit echter Altersabsicherung gleichzusetzen.
Aus Sicht der Aktuare bleibt die betriebliche Altersvorsorge zentral, um lebenslange Einkommen im Alter zu sichern – freiwillige Modelle reichen dafür laut DAV nicht aus.
Die Versicherungsmathematiker sprechen sich deshalb für Auto-Enrollment oder verpflichtende bAV-Modelle sowie für mehr Freiraum bei langfristigen Kapitalanlagen aus.

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