Axel Kleinlein rechnet vor

Altersvorsorge-Standardprodukt: So viel Geld geht bei 1,5 Prozent Effektivkosten verloren

Der Gesetzentwurf für die Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge wurde jüngst wegen hohen Kosten scharf kritisiert. Wie viel Geld Sparer im Falle des Entwurfs verlieren würden, hat Aktuar Axel Kleinlein nachgerechnet.

Axel Kleinlein

Axel Kleinlein war früher Aktuar bei der Allianz und später lange als Verbraucherschützer für den Bund der Versicherten (BdV) tätig. Heute ist er selbstständiger Versicherungsmathematiker. | Quelle: mathconcepts

Die Bundesregierung will die Riester-Rente reformieren und damit die staatlich geförderte private Altersvorsorge auf neue Füße stellen – procontra berichtete. Doch der Gesetzentwurf wurde jüngst vom Bundesrat kritisiert, speziell mit dem Blick auf die vorgesehene zulässige Kostenhöhe (Effektivkosten) für das geplante Standardprodukt beziehungsweise Standarddepot von bis zu 1,5 Prozent pro Jahr. „Eine derart hoch angesetzte Kostenobergrenze läuft dem Ziel eines transparenten, verbraucherfreundlichen und besonders attraktiven Standardprodukts zuwider“, heißt es dazu in der Stellungnahme des Bundesrats.

Wie viel diese 1,5 Prozent in Euro und Cent ausmachen können, hat der Versicherungsmathematiker und selbstständige Aktuar Axel Kleinlein exemplarisch ausgerechnet. „Dieser Kostendeckel ist zu hoch und ein Freifahrtschein, besonders junge Kunden zu schröpfen“, findet Kleinlein. So würden einem 20-Jährigen, der bis Endalter 67 bei einer Wertentwicklung von 5 Prozent monatlich 100 Euro sparen würde, zu Rentenbeginn zwar 141.031,61 Euro Kapital zur Verfügung stehen. Aufgrund der 1,5 Prozent Effektivkosten seien ihm über die Laufzeit aber auch 78.457,43 Euro an Kapital wegen Kosten entgangen, rechnet Kleinlein vor.

Kosten fressen ein Drittel der Beiträge

„Durch den Zinseszinseffekt schlagen die Effektivkosten bei langen Laufzeiten besonders stark zu“ erläutert der frühere Chef des Bund der Versicherten (BdV). Der 20-Jährige würde somit rund ein Drittel seiner Beiträge für Kosten ausgeben.

Bei einer heute 30-jährigen Sparerin stünden mit 67, laut Kleinlein, immerhin rund 90.000 Euro Kapital rund 35.000 Euro entgangenem Kapital für Kosten gegenüber, bei einer 40-Jährigen rund 53.000 Euro gegenüber rund 14.000 Euro und bei einem heute 50-Jährigen rund 28.000 Euro gegenüber rund 4.000 Euro.