Eskalation im Nahen Osten

Was der Iran-Krieg für Wirtschaft und Versicherungen bedeutet

Energie, Transport, Sicherheit und Finanzmärkte: Der aktuelle Iran-Krieg trifft Deutschland mit voller Wucht – und damit auch über mehrere Kanäle die Versicherungswirtschaft. procontra gibt einen Überblick.

Rauchwolken über Teheran, der Hauptstadt des Iran

Rauchwolken über Teheran, der Hauptstadt des Iran, nachdem dort eine Rakete eingeschlagen ist. | Quelle: picture alliance / SIPA | Mowj/MEI

Die Eskalation des Iran-Konflikts belastet auch Deutschland und stellt die Versicherungsbranche vor neue Herausforderungen bei der Risikobewertung und Deckung. Wie groß die Auswirkungen am Ende sein werden, hängt davon ab, wie lange der Konflikt andauern wird.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Energiepreise: Der Rohölpreis der Sorte Brent stieg unmittelbar nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran stark an. Experten warnen vor einer weiteren Erhöhung und einer Rückkehr der Inflation, insbesondere wenn die Straße von Hormus länger blockiert bleibt.

Wie Reuters meldet, sollen bereits mehrere große Schiffsversicherer War-Risk-Deckungen für iranische Gewässer und angrenzende Regionen gekündigt bzw. eingeschränkt haben, was Transporte zusätzlich erschwert und verteuert.

Logistik & Handel: Deutsche Reedereien haben den „Krisenmodus“ aktiviert, da wichtige Seerouten gefährdet sind. Dadurch drohen auch Ausfallrisiken in industriellen Lieferketten, was wiederum Transport- und Lieferkettenversicherungen in den Fokus rücken lässt. Zuletzt exportierte Deutschland außerdem noch Maschinen und Chemieprodukte in den Iran; dieses Geschäft kommt nun faktisch zum Erliegen.

Finanzmärkte: Während Aktien von Ölkonzernen zulegten, reagierten andere Sektoren mit Unsicherheit. Der DAX verzeichnete zeitweilig deutliche Kursverluste, während Gold als „sicherer Hafen“ bei Anlegern wieder gefragt ist.

Sicherheitslage in Deutschland

Terrorgefahr: Die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern gehen von einer gesteigerten Bedrohungslage in Deutschland aus. Vergeltungsmaßnahmen, auch durch iranische Schläferzellen in Europa, seien nicht auszuschließen, heißt es. Das könnte die Nachfrage nach speziellen Terrorversicherungen (z.B. über Extremus) befeuern.

Cyberangriffe: Es besteht außerdem eine Warnung vor verstärkten hybriden Angriffen auf kritische Infrastrukturen wie Energieversorger, Banken oder die Börse durch iranische Cyberakteure. Damit stehen Kriegsausschlüsse in Cyberpolicen wieder unter besonderer Prüfung.

Gesellschaftliche Folgen

Proteste: In deutschen Städten kommt es verstärkt zu Demonstrationen sowohl gegen das iranische Regime als auch im Kontext des Nahost-Konflikts.

Reiseverkehr: Aufgrund der Kampfhandlungen kommt es zu massiven Flugausfällen und Sperrungen im Luftraum über der Golfregion. Betroffen sind auch Kreuzfahrten. Tausende von Urlaubern sitzen fest. Für zahlreiche Länder gelten verschärfte Reisewarnungen. Wer eine Pauschalreise gebucht hat, die aktuell nicht stattfinden kann, erhält laut ADAC den kompletten Reisepreis erstattet. Dies gelte auch für Reisen, die innerhalb der nächsten Woche anzutreten wären.

Migration: Es wird befürchtet, dass eine weitere Eskalation im Nahen Osten zu neuen Fluchtbewegungen führen könnte, was die Debatten über Migration in Deutschland verschärfen würde.

Long Story short

  • Energie und Märkte: Steigende Ölpreise und DAX-Verluste erhöhen wirtschaftlichen Druck und Inflationsrisiken.

  • Sicherheitslage: Behörden warnen vor erhöhter Terror- und Cybergefahr, besonders für kritische Infrastruktur.

  • Versicherungswirtschaft: War-Risk-Deckungen werden eingeschränkt, Transport- und Cyberpolicen geraten durch Kriegsausschlüsse und neue Risiken verstärkt in den Fokus.