Tarifverhandlungen

Versicherer unter KI-Druck: Verdi warnt vor Jobverlust, Arbeitgeber bremsen

Start zur ersten Runde: Am Donnerstag hat Verdi Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen (AGV) über einen Tarifvertrag zur KI-Transformation aufgenommen. Dort sieht man derweil nur geringen Gesprächsbedarf.

Sebastian Hopfner, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer AGV

Sebastian Hopfner, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer AGV | Quelle: Pressefoto AGV

Die Ergo will 1.000 Jobs abbauen und durch Künstliche Intelligenz (KI) ersetzen. Ähnliche Pläne verfolgt offenbar die Allianz-Tochter Allianz Partners – und auch der Versicherer Chubb will seine Belegschaft in den kommenden Jahren drastisch reduzieren. Keine Frage, auch wenn der Stellenabbau möglichst sozialverträglich erfolgen soll, sorgt KI gegenwärtig für einige Unruhe in der Branche.

Leitplanken für die Branche

Die Gewerkschaft Verdi hat deshalb am Donnerstag mit dem Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) Verhandlungen aufgenommen. Das Ziel: der Abschluss eines eigenen Tarifvertrags zur KI-Transformation in der Branche.

Dabei geht es um Themen wie Beschäftigungssicherung, Standortsicherung und Qualifizierung. „Unser Anliegen ist es, frühzeitig zu handeln und Leitplanken für die gesamte Branche zu setzen“, so Verdi-Verhandlungsführerin Deniz Kuyubasi gegenüber procontra. KI berge sicherlich Chancen, aber eben auch Gefahren für die Arbeitsplatzsicherheit.

Als Blaupause könnte hier der soziale Ordnungsrahmen dienen, den die Gewerkschaft im Februar mit dem Betriebsrat und der Unternehmensleitung von Ergo vereinbart hatte. Zentrale Punkte waren dabei ein weitreichender Standortschutz, ein Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und der Aufbau einer konzerneigenen „Reskilling-Academy“ zur Schulung von Mitarbeitern.

Arbeitgeberverband sieht bestehende Regeln als ausreichend

Auf AGV-Seite knüpft man derweil keine allzu hohen Erwartungen an die jetzt gestarteten Verhandlungen. Man sei zwar gesprächsbereit, halte aber die bestehenden Regelungen des Manteltarifvertrags – wie etwa zum Rationalisierungsschutz oder zur Qualifizierung – für grundsätzlich ausreichend, betont Sebastian Hopfner, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer, gegenüber procontra. „Man kann hier sicherlich an einigen Stellschrauben drehen, an einen gesonderten neuen Tarifvertrag glaube ich aber nicht“, stellt er klar.

Überhaupt sieht man beim Arbeitgeberverband Künstliche Intelligenz nicht primär als Job-Killer, sondern eher als Chance. „Ähnliche Diskussionen wie heute hatten wir auch schon beim Aufkommen der Digitalisierung“, meint Hopfner. Seitdem seien in der Branche 15.000 neue Arbeitsplätze entstanden.

Insgesamt wollen sich Verdi und der Arbeitgeberverband in diesem Jahr dreimal treffen. Das nächste Gespräch ist noch vor der Sommerpause geplant, das dritte dann im Oktober.

Außendienst-Tarifrunde bislang ohne Ergebnis

Bislang ergebnislos verlaufen sind auch die Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag für den Versicherungsaußendienst (Angestellte gem. Teil III des MTV). Nach einer ersten Verhandlungsrunde am 16. März in Wuppertal hat man sich nun auf den 30. April vertagt. Sebastian Hopfner ist zuversichtlich, dass es dann zu einer Lösung kommen wird. Ein Knackpunkt ist offenbar noch die Laufzeit.

Der Arbeitgeberverband hatte ein erstes Angebot mit folgendem Inhalt unterbreitet:

  • Laufzeit 36 Monate.

  • Erhöhungen ab 1. November 2026 (1. Stufe), ab 1. November 2027 (2. Stufe) und ab 1. November 2028 (3. Stufe).

  • Erhöhungen für die Angestellten des akquirierenden Werbeaußendienstes der Stufe I (in den ersten beiden Jahren der Unternehmenszugehörigkeit) in der ersten Stufe um 4,50 %, in der zweiten Stufe um 2,99 % und in der dritten Stufe um 2,01 %.

  • Erhöhungen für die Angestellten des akquirierenden Werbeaußendienstes der Stufe II (nach zwei Jahren Unternehmenszugehörigkeit) in der ersten Stufe um 4,49 %, in der zweiten Stufe um 2,98 % und in der dritten Stufe um 2,01 %.

  • Erhöhungen für die Angestellten des organisierenden Werbeaußendienstes in der ersten Stufe um 4,50 %, in der zweiten Stufe um 3,01 % und in der dritten Stufe um 2,01 %.

Long Story short

  • KI sorgt für Druck auf Jobs: Versicherer wie Ergo, Allianz Partners und Chubb planen Stellenabbau – teils im großen Stil.

  • Verdi will Schutz per Tarifvertrag: Ziel sind verbindliche Regeln zu Beschäftigung, Standorten und Weiterbildung im KI-Zeitalter.

  • Arbeitgeber bremsen Erwartungen: Der AGV hält bestehende Regelungen für ausreichend und sieht KI eher als Chance denn als Risiko.