Neue Studie

Riester-Reform unter Beschuss: „Finanzwende“ kritisiert Kosten und fordert Systemwechsel

Die Bürgerbewegung Finanzwende hält die geplante Riester-Reform für unzureichend und stößt sich besonders an der vorgeschlagenen Höhe des Kostendeckels. Statt kleiner Korrekturen brauche es einen grundlegenden Systemwechsel, fordern die Verbraucherschützer.

Britta Langenberg, Leitung Verbraucherschutz bei Finanzwende

Britta Langenberg, Leitung Verbraucherschutz bei Finanzwende | Quelle: Pressefoto Finanzwende

Die Bürgerbewegung Finanzwende kritisiert die geplante Reform der geförderten privaten Altersvorsorge als zu zaghaft. Der Gesetzentwurf gehe zentrale Probleme der bisherigen Riester-Produkte nicht ernsthaft an, sagte Britta Langenberg, Leiterin des Bereichs Verbraucherschutz, bei der Vorstellung einer neuen Finanzwende-Studie am Mittwoch in Berlin.

Kostendeckel von 1,5 Prozent in der Kritik

Zwar sehe die Reform einige Verbesserungen vor, etwa mehr Flexibilität in der Auszahlphase. Doch aus Sicht der Organisation bleibt der wichtigste Kritikpunkt bestehen: Viele Produkte sind aus ihrer Sicht weiterhin zu teuer.

So sei auch der geplante Kostendeckel von maximal 1,5 Prozent viel zu hoch. Nach eigenen Berechnungen liege der durchschnittliche Kostensatz typischer Riester-Verträge bereits heute bei rund 1,46 Prozent. Im Ergebnis hieße das: Die hohen Kosten von Riester-Verträgen würden durch den Deckel nicht abgesenkt, sondern vielmehr gesetzlich zementiert.

Viele günstige ETFs kämen mit 0,3 Prozent Kosten aus, der staatlich organisierte Schweden-Fonds AP7 sogar mit 0,1 Prozent. Warum also sollten Vorsorgesparer hierzulande das 5- bis 15-fache zahlen? Finanzwende hält maximal 0,5 Prozent Effektivkosten für noch vertretbar.

Die Verbraucherschutzorganisation kritisiert auch, dass der Kostendeckel nur für das neue, geplante Standardprodukt gelten soll. Andere Angebote könnten also deutlich teurer sein. Verbraucher müssten sich außerdem weiterhin durch eine Vielzahl unterschiedlicher Tarife, Garantien und Produktvarianten arbeiten.

Finanzwende fordert vor diesem Hintergrund einen grundlegenden Systemwechsel. Britta Langenberg: „Es braucht einen einfachen Zugang für Sparer und Sparerinnen, die etwas für ihr Alter tun wollen. Am einfachsten ginge das mit einem einzigen einfachen, kostengünstigen und staatlich organisierten Vorsorgeprodukt.“

Studie: Viele Riester-Verträge mit schwacher Rendite

Das bisherige System aus Riester- und Rüruprenten hält die Nichtregierungsorganisation für komplett gescheitert und verweist dabei auf eine neue, von ihr erstellte Studie zum Kundennutzen der geförderten privaten Altersvorsorge in Deutschland. Für diese Studie wurden die Rendite-Erwartungen 37-jähriger Musterkunden bei insgesamt 96 Riester- und Rürup-Rentenversicherungen untersucht.

Das Ergebnis: Nur ein gutes Drittel der untersuchten Riester- und Rürup-Angebote erreichte das Minimalziel – eine Rendite von 2 Prozent. Die meisten machten real einen Verlust. Auch bei den Abschluss- und Verwaltungskosten zeigten die untersuchten Tarife Finanzwende zufolge eher schwache Leistungen. Im Marktdurchschnitt blieben demnach 35 bis 45 Prozent des eingezahlten Geldes bei den Anbietern.

Konkret müssen Riester-Kunden laut der Studie bei den untersuchten Angeboten 99 Jahre alt werden, damit sie wenigstens das gesamte Geld inflationsbereinigt zurückerhalten. Bei den Rürup-Angeboten sind es 96 Jahre.

„Die geförderte private Altersvorsorge in Deutschland hat grundlegende Probleme, das zeigt unsere Studie mehr als deutlich“, meint Britta Langenberg. „Die geplante Riester-Reform löst sie nicht.”

Long Story short

  • Kritik an Riester-Reform: „Finanzwende" hält den geplanten Kostendeckel von 1,5 % für zu hoch. Da typische Riester-Verträge bereits heute im Schnitt etwa 1,46 % kosteten, würden hohe Kosten durch die Reform kaum sinken, sondern faktisch festgeschrieben.

  • Ernüchternde Studienergebnisse: Laut Analyse erreichen nur rund ein Drittel der untersuchten Riester- und Rürup-Angebote eine Rendite von mindestens 2 %. Viele Verträge bringen real Verluste – teilweise müssen Sparer bis zu 99 Jahre alt werden, um ihr Geld inflationsbereinigt zurückzuerhalten.