Milliarden-Einnahmen trotz Krise: Versicherer schlagen sich überraschend gut
Während andere Branchen unter der wirtschaftlichen Flaute stöhnen, gibt sich die Versicherungsbranche recht entspannt. Sie legte bei den Beitragseinnahmen im vergangenen Jahr um 6,6 Prozent auf 254 Milliarden Euro zu und rechnet für das laufende Jahr mit einem weiteren Beitragswachstum von 4,7 Prozent. So der Rück- und Ausblick des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf seiner Jahrespressekonferenz an diesem Mittwoch.
„Die Spielräume werden kleiner"
Getragen wurde das Beitragswachstum von inflationsbedingten Prämienanpassungen, einem starken Einmalbeitragsgeschäft in der Lebensversicherung sowie steigenden Beitragseinnahmen in der Privaten Krankenversicherung. Auch die Schaden- und Unfallversicherung sei in die Gewinnzone zurückgekehrt.
„Das solide Wachstum 2025 darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Spielräume kleiner werden“, sagt GDV-Präsident Norbert Rollinger. „Wenn weniger gebaut, investiert und konsumiert wird, trifft das langfristig auch die Versicherungswirtschaft.“
Die einzelnen Sparten im Überblick:
Schaden- und Unfallversicherung: Rückkehr in die Gewinnzone
Nach mehreren schwierigen Jahren hat die Schaden- und Unfallversicherung 2025 laut GDV spürbar zugelegt. Die Beitragseinnahmen stiegen demnach um 7,7 Prozent auf 99,7 Milliarden Euro. Haupttreiber war die Kfz-Versicherung mit einem Beitragsplus von 13,4 Prozent, bedingt durch inflationsbedingte Nachholeffekte und steigende Reparaturkosten.
Positiv auf die Schadenbilanz vieler Versicherter habe sich außerdem das Ausbleiben größerer Naturkatastrophen ausgewirkt, so dass die Sparte erstmals seit mehreren Jahren wieder ein positives versicherungstechnisches Ergebnis hätte erzielen können. Auch die stärkere Verbreitung von Elementardeckungen wirke wachstumsfördernd.
Für 2026 erwartet der GDV im Schaden- und Unfallbereich ein weiteres Beitragswachstum von 5,2 Prozent. Die hohen Ersatzteil- und Werkstattkosten blieben jedoch herausfordernd und preistreibend.
Private Krankenversicherung: Beitrags- und Leistungszuwachs
Die PKV verzeichnete dem GDV zufolge 2025 ein Beitragswachstum von 7,3 Prozent auf 54,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig stiegen die Leistungsausgaben um 7,1 Prozent auf 42,1 Milliarden Euro – insbesondere infolge des medizinischen Fortschritts und der allgemein steigenden Kosten im Gesundheitswesen. Für 2026 prognostiziert der Versicherer-Verband ein nominales Wachstum von rund 10,5 Prozent.
Lebensversicherung: Einmalbeiträge treiben das Wachstum
Die Lebensversicherung legte 2025 um 5,1 Prozent auf 99,4 Milliarden Euro zu. Hauptgrund sei hier ein kräftiges Plus bei den Einmalbeiträgen (+16,9 Prozent) gewesen, so der GDV. Sinkende Inflation, steigende Reallöhne, stabile Langfristzinsen und der erhöhte Höchstrechnungszins hätten Sparprodukte wieder attraktiver gemacht.
Das Geschäft mit laufenden Beiträgen blieb dagegen nahezu stabil (+0,1 Prozent). Für 2026 prognostiziert der GDV ein moderates Plus von 1,1 Prozent, getragen von weiteren Zuwächsen bei Einmalbeiträgen (+4,8 Prozent), während laufende Beiträge voraussichtlich um 0,8 Prozent zurückgehen würden.
Die maue Entwicklung bei den laufenden Beiträgen führt Rollinger vor allem auf die demografische Entwicklung sowie die wirtschaftliche und politische Verunsicherung vieler Sparer zurück.
Warum der GDV eine Pflichtversicherung ablehnt
Der GDV-Präsident nutzte die Pressekonferenz auch, um sich noch einmal ausdrücklich gegen eine verpflichtende Elementarschadenversicherung auszusprechen. „Eine Pflicht allein verhindert keinen einzigen Schaden. Sie verteilt nur die Kosten – ohne die Risiken zu reduzieren“, so Rollinger. Entscheidend sei, Versicherungsschutz und Prävention gemeinsam zu denken.
Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse stoße ein Markt mit strikt risikogerechten Prämien in Hochrisikogebieten allerdings an Grenzen. Genau hier setze deshalb das GDV-Konzept „Elementar Re“ an. Rollinger zufolge werden dabei besonders gefährdete Wohngebäude in einem separaten Sicherungssystem gebündelt, um ihre Versicherbarkeit zu erhalten. Die Prämien werden auf ein vorher definiertes Niveau begrenzt – abgestuft nach der Größe des Gebäudes.
Die Finanzierung der Lücke zur eigentlich risikogerechten Prämie erfolge solidarisch über einen Zuschlag für alle Versicherten. Für Extremkatastrophen sei zudem ein klar begrenzter staatlicher Stop-Loss-Mechanismus vorgesehen. Dieser soll bei sehr hohen Schadensummen ab 30 Milliarden Euro zum Einsatz kommen.
Rollinger: „Für die große Mehrheit der Häuser ändert sich am Grundprinzip nichts: Die individuellen Risiken werden weiterhin nach Marktkriterien bepreist, Wettbewerb und Anreize zur Risikovorsorge bleiben bestehen. Neu ist lediglich, dass sich alle mit einem kleinen Beitrag an der Absicherung der Extremrisiken beteiligen. Elementar Re soll nicht in den Markt eingreifen, sondern seine Funktionsfähigkeit gerade in den schwierigsten Zonen sichern.“
In Deutschland sind lediglich 57 Prozent der Gebäude gegen Naturgefahren wie Hochwasser und Überschwemmung versichert.
Long Story short
Die Beitragseinnahmen der Versicherungswirtschaft stiegen 2025 um 6,6 Prozent auf 254 Milliarden Euro.
Schaden- und Unfallversicherung kehrte in die Gewinnzone zurück, auch dank dem Ausbleiben größerer Naturkatastrophen.
Der GDV lehnt eine Pflicht zur Elementarschadenversicherung ab und schlägt mit „Elementar Re“ ein solidarisches Sicherungssystem für Hochrisikogebäude vor.
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