Große Versicherungslücke

EIOPA plant EU-Risikopool für Naturkatastrophen – GDV warnt vor Fehlanreizen

Die europäische Versicherungsaufsicht macht sich für die Schaffung eines länderübergreifenden Naturgefahren-Risikopools stark. Der deutsche Versichererverband GDV sieht das kritisch.

Rauchwolken über der Akropolis in Athen

Rauchwolken eines Waldbrandes über der Akropolis in Athen: Naturkastrophen verursachen europaweit immer höhere Schäden. | Quelle: Alika Obrazovskaya

Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen (EIOPA) und der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) haben ein Diskussionspapier zum Risikomanagement bei Naturkatastrophen veröffentlicht. Zentrale Punkte: die Bildung eines länderübergreifenden Versicherungspools, gekoppelt mit einer darlehensbasierten Absicherung.

75 Prozent der Schäden bleiben unversichert

Die Vorschläge zielen darauf ab, die erhebliche Versicherungslücke bei Naturkatastrophen in Europa zu schließen. Ein Blick auf frühere Unwetterereignisse zeigt, dass rund 75 Prozent der wirtschaftlichen Schäden unversichert bleiben.

Die Einrichtung eines über risikobasierte Prämien finanzierten Pools soll es Versicherern möglich machen, Kapital effizienter einzusetzen, den Versicherungsschutz auszuweiten und die Prämien für Haushalte und Unternehmen erschwinglich zu halten.

Ergänzt werden soll die Pool-Lösung durch eine darlehensbasierte Absicherung, um auch extreme Naturkatastrophen finanziell auffangen zu können. Dabei soll der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) eine zentrale Rolle spielen.

GDV: Nationale Verantwortung bleibt zentral

Beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stoßen die EIOPA-Pläne auf ein eher geteiltes Echo. Auf der einen Seite setzten die Vorschläge einen wichtigen Impuls für die europäische Debatte über Naturgefahren und den Protection Gap, heißt es dort. Auf der anderen Seite dürfe eine europäische Risikoteilung aber nicht dazu führen, dass nationale Verantwortung für Prävention, Klimaanpassung und Eigenvorsorge geschwächt werde. „Wenn zentrale Fragen zu Teilnahme, Governance und zur Verzahnung mit bestehenden nationalen Systemen offen sind, sehen wir das Modell mit großer Zurückhaltung", so GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

Long Story short

  • Große Versicherungslücke: Rund 75 Prozent der Schäden durch Naturkatastrophen in Europa sind bislang nicht versichert.

  • Neue Lösung: EIOPA schlägt deshalb einen länderübergreifenden Risikopool mit zusätzlicher Absicherung durch den ESM vor.

  • Kritik aus Deutschland: Der GDV warnt, dass eine EU-Lösung nationale Verantwortung für Prävention und Eigenvorsorge schwächen könnte.