Inflation

BaFin verlangt höhere Versicherungsprämien

Auch wenn die allgemeine Inflation zurückgeht, belasten die gestiegenen Kosten die Versicherer weiter schwer. Trotzdem unterschätzen viele Versicherer die Inflation, kritisiert die BaFin und mahnt Handlungsbedarf an.

Author_image
10:12 Uhr | 13. Dezember | 2023
BaFin

Die Finanzaufsicht BaFin bemängelt, dass viele Versicherer die Inflation nicht ausreichend berücksichtigen.

| Quelle: Kai Hartmann Photography / BaFin

Auch wenn die allgemeine Inflationsrate zuletzt wieder sank, haben die Schaden- und Unfallversicherer weiterhin stark an ihr zu knabbern. Denn die Schadeninflation bleibt weiter hoch: So stieg der Reparaturkostenindex in der Kfz-Versicherung im 3. Quartal dieses Jahres um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist ein ähnlich hoher Preisanstieg wie schon 2022.

„Die Schadeninflation muss daher weit oben auf der Agenda der Versicherer bleiben. Die entsprechenden Inflationsrisiken bestehen weiterhin„, mahnt die Finanzaufsicht BaFin in einem aktuellen Artikel ihres hauseigenen Magazins. Die Aufsicht werde darum „sehr genau analysieren, wie die Unternehmen die Schadeninflation in ihrem Jahresabschluss berücksichtigen – und bei Bedarf eingreifen.“

Dass die Versicherer dies im ausreichenden Maße tun, daran hegt die BaFin offenbar Zweifel.

Prämien dringend erhöhen

So fordert die BaFin die Versicherer, die nach HGB bilanzieren, unter anderem dazu auf, ihre Versicherungsprämien in Sparten wie der Wohngebäude- oder aber der Kfz-Versicherung dringend zu erhöhen.  

Hier schrieben viele Versicherer zuletzt Verluste: So kommt der „Branchenmonitor Wohngebäudeversicherung“ der V.E.R.S. Leipzig, der die 50 größten Wohngebäudeversicherer untersuchte, auf eine marktweite Combined-Ratio von 104,33 – bei etlichen Versicherern liegt die Schaden-Kosten-Quote merklich höher. Auch in der Kfz-Haftpflichtversicherung schrieben viele Versicherer 2022 tiefrote Zahlen.

2023 hat sich die Situation sogar noch verschärft. Nach neuesten Berechnungen des Branchenverbands GDV dürfte sich das Minus in der Kfz-Sparte auf drei Milliarden Euro belaufen.

Doch trotz der hohen Inflation haben viele Versicherer ihre Prämien nur moderat erhöht, schreibt BaFin-Referent Filip Uzelac-Schüler. In Sparten mit hohem Wettbewerbsdruck wie der Kfz-Versicherung seien die Prämien sogar gesunken. Hier müssten die Versicherer dringend die Prämien erhöhen, stellt Uzelac-Schüler klar und betont: „Dauerhaft defizitäre Versicherungszweige sind nicht akzeptabel.“

Höhere Rückstellungen bilden

Darüber hinaus fordert die BaFin von den Versicherern, ihre versicherungstechnischen Rückstellungen unter den Eigenkapitalregeln Solvency II zu erhöhen. Diese seien zuletzt aber leicht gesunken, stellt Uzelac-Schüler fest. „Das ist angesichts der hohen Teuerungsrate überraschend.“

Die Versicherer haben hier teils zu optimistische Annahmen über die Höhe der zukünftigen Schadeninflation getroffen, stellt die BaFin fest. So lagen die Annahmen über die Schadeninflation für 2023 teilweise deutlich unter einschlägigen repräsentativen Inflationsindizes. Zudem gebe es in einigen Häusern keine Einschätzung über die historische Inflation, bemängelt Uzelac-Schüler. „Alle diese Feststellungen sieht die BaFin sehr kritisch.“

Die Versicherer haben laut BaFin somit großen Nachbesserungsbedarf. Dies gilt vor allem für langabwickelnde Sparten mit Personenschäden, in denen die Schadeninflation durch steigende Löhne und die höheren Kosten für die medizinische Versorgung zu wesentlich höheren künftigen Schadenaufwendungen führen kann.