Knapp neun von zehn Menschen in Deutschland verfügen mittlerweile über eine private Haftpflichtversicherung. Direkt dahinter sind die Kfz-Versicherungen mit 81 Prozent und die Hausratversicherung mit 78 Prozent ebenfalls sehr verbreitet. Diese Zahlen legt jetzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vor. Sie sind Teil einer Sonderauswertung der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2023 des Statistischen Bundesamtes.
Auffällig sei demnach die Entwicklung bei jüngeren Haushalten: In dieser Gruppe verzeichnet die private Haftpflichtversicherung ein spürbares Plus und wird selbstverständlicher Bestandteil der finanziellen Absicherung. Zudem würden Rechtsschutzversicherungen bedeutender werden. Fast jeder zweite Haushalt sei entsprechend abgesichert. „Risiken werden zunehmend ernst genommen, eine breitere Basisabsicherung wird zur Selbstverständlichkeit“, kommentiert GDV-Chef Asmussen.
Bei der Altersvorsorge braucht es neue Impulse
Während sich die Menschen der Absicherung vieler Risiken bewusster werden und entsprechend versichern, entwickelt sich die Altersvorsorge per Versicherung in die entgegengesetzte Richtung. Die kapitalbildende Lebensversicherung ist hier besonders betroffen. Ihr Anteil ist von rund 32 Prozent im Jahr 2018 auf unter 28 Prozent im jahr 2023 gesunken. Riester- und Basis-Renten bleiben bei aktuell 27 Prozent (2018: 28 Prozent) beinahe stabil, ebenso wie die privaten Rentenversicherungen mit rund 23 Prozent.
Berufsunfähigkeitsversicherung (Anteil 27 Prozent) sowie Risikolebensversicherung (Anteil 19 Prozent) gewinnen jeweils leicht mit 1,1 Prozentpunkten beziehungsweise 1,5 Prozentpunkten.
Angesichts dieser Entwicklung bei den Altersvorsorgeprodukten ordnet der GDV das Altersvorsorgereformgesetz als wichtigen Schritt bei der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge ein. „Die Reform ist ein überfälliger Modernisierungsschritt. Sie kann die zusätzliche Altersvorsorge attraktiver machen. Entscheidend ist aber, dass für staatliche und private Angebote die gleichen Regeln gelten“, sagt Asmussen. „Kritisch ist, dass der Staat erstmals selbst als Anbieter auftritt. Wenn staatliche Angebote strukturelle Vorteile haben, droht eine Verzerrung des Wettbewerbs.“ Gerade dieser Wettbewerb zwischen Anbietern sorgt aus Sicht des GDV für effiziente und passgenaue Produkte.
Die Zahlen im Überblick
Sparten mit Zuwächsen
Private Haftpflichtversicherung
Anteil rund 90 Prozent; wächst insbesondere in jüngeren Haushalten weiter.
Kfz‑Versicherung
Verbreitung von circa 81 Prozent, trotz steigender Prämien ist der Bedarf weiterhin hoch.
Hausratversicherung
Rund 78 Prozent der Haushalte sichern ihr Inventar ab.
Berufsunfähigkeitsversicherung
Leichter Zuwachs mit einem Plus von 1,1 Prozentpunkten auf 27 Prozent
Risikolebensversicherung
Ebenfalls ein leichtes Plus von 1,5 Prozentpunkten auf 19 Prozent
Rückläufige oder stagnierende Sparten
Kapitalbildende Lebensversicherungen
Der Anteil sank von rund 32 Prozent auf 28 Prozent. Klassische, garantiebasierte Lebensprodukte verlieren weiter an Attraktivität.
Staatlich geförderte Altersvorsorge (Riester/Basisrente)
Leicht rückläufige Verbreitung mit 27 Prozent (2018: 28 Prozent)
Private Rentenversicherung
Mit 23 Prozent stabil in der Verbreitung.
Über die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe
Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) ist eine repräsentative amtliche Statistik zu den Lebensverhältnissen privater Haushalte in Deutschland. Rund 60.000 Haushalte werden alle fünf Jahre befragt. Die hier genannten Daten stammen aus 2023 und werden mit der letzten Erhebung aus 2018 verglichen.

