Zielgruppe Studenten: „Es mangelt an finanzieller Bildung“

Zu wenig Vorwissen, riskante Beratung durch Finfluencer und ein fatales Vertrauen in staatliche Mechanismen: Felix Czekalla, Finanzberater bei Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung GmbH & Co.KG, sprach mit procontra über die Finanzbildung in Deutschland.

procontra: Herr Czekalla, wie steht es um das Vorwissen junger Studenten zum Thema Finanzen?

Felix Czekalla: Das fehlende Wissen zu finanziellen Themen ist teilweise erschreckend. Aber wo soll es auch herkommen? In der Schule werden wichtige Themen wie Steuern, Versicherungen und wirtschaftliche Zusammenhänge allenfalls oberflächlich behandelt. Die Schüler trifft wenig Schuld, sie sind schließlich nicht für die Lehrpläne verantwortlich. So bleibt noch zu hoffen, dass die Studierenden im Elternhaus ein paar finanzielle Basics gelernt haben.

procontra: Dabei haben die Eltern der Studierenden wohl auch sehr unterschiedliche Erfahrungen...

Felix Czekalla: Ja, auch hier droht Gefahr. Eltern sind finanziell nicht immer auf dem neusten Stand. So wurde etwa die gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente 2001 abgeschafft, weshalb es heutzutage für jeden unerlässlich ist eine private Lösung zu finden.

procontra: Welche Gefahren sehen Sie noch?

Felix Czekalla: Manche Studierende erliegen dem Irrglauben, der Staat würde im Fall der Fälle schon einspringen und für ein menschenwürdiges Dasein sorgen. Bei Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit besteht jedoch nur in besonders gravierenden Fällen ein geringer Versicherungsschutz von durchschnittlich 900 Euro pro Monat. Dieser setzt außerdem voraus, dass in 60 Monaten mindestens 36 Pflichtbeiträge in die Rentenversicherung eingezahlt wurden. Deshalb empfehlen alle Experten, mit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung vorzusorgen.

procontra: Inwiefern hat sich das Verhältnis junger Menschen zum Wertpapierhandel in den vergangenen Jahren verändert?

Felix Czekalla: In letzter Zeit beobachten wir, dass sich immer mehr Kunden von sogenannten „Fin-Fluencern“ inspirieren lassen. Zwar beschäftigen sich dadurch mehr Menschen mit ihren Finanzen. Die Inhaber der Social-Media-Accounts haben oft aber weder eine Ausbildung, Qualifikation noch Zulassung für ihre Finanztipps vorzuweisen. Sie berichten über eigene Erfahrungen, beeinflusst durch Affiliate-Links, mit denen sie Geld verdienen. Das Gefährliche daran: Fin-Fluencer haften nicht für falschen Content und unpassende Empfehlungen. Anders Berater wie wir. Wir halten für unsere Empfehlungen auch unseren Kopf hin. Von solchen „Do-it-yourself-Lösungen“ raten wir deshalb ab.

Zum Gesprächspartner: Felix Czekalla ist Finanzberater bei der Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung GmbH & Co. KG.