Kommt er noch mal zurück und schlägt zu? Zitterpartie für Winzer und Obstbauern vor einem Frosteinbruch im Frühling. „Dieses Jahr sind noch keine großen Frostschäden gemeldet worden“, bilanziert Daniel Rittershaus, Prokurist der Vereinigten Hagelversicherung, den Stand Ende April 2022 in Baden-Württemberg, dem größten Anbaugebiet für Wein und Obst hierzulande. „Frosteinbrüche gibt es schon, aber längst keine solchen Extremschäden wie im April 2020 und 2021.“
Halbe-halbe bei der Frostprämie
Glück im Unglück, es waren zugleich die beiden ersten Jahre der staatlich geförderten Frostversicherung in Baden-Württemberg für Winzer und Obstbauern im Rahmen der Mehrgefahren-Ernteversicherung. Ein Pilotprojekt, bei dem sich Land und Landwirte die Prämie teilen und das inzwischen Nachfolger in Bayern und Rheinland-Pfalz gefunden hat.
Damals waren im Ländle 90 Prozent des Kernobstes betroffen, die Hälfte des Beeren- und Steinobstes sowie ungefähr ein Drittel der Rebflächen. Auch wenn Sonderkulturen nur einen Bruchteil der insgesamt acht Millionen Hektar Landwirtschaftsfläche in Deutschland einnehmen – Ernteausfälle schlagen hier, bei Hektarwerten von 20.000 bis 40.000 Euro, deutlich stärker zu Buche als bei klassischen Ackerbaukulturen wie etwa Weizen mit Werten je Hektar zwischen 1.500 und 3.000 Euro. „Das macht sich dann auch in der Frostprämie bemerkbar“ und sei sicherlich auch der Grund gewesen, das Pilotprojekt an dieser Stelle zu starten, so Rittershaus.
War bis dato die teure Frostversicherung für Winzer und Obstbauern kaum ein Thema – auch weil, je nach Anbieter, nicht alle Kulturen ausreichend dagegen versichert werden konnten – leistet sich mittlerweile etwa ein Drittel der förderfähigen Betriebe in Baden-Württemberg und Bayern den Zusatzschutz ergänzend zur Hagelversicherung als generelle Basis der landwirtschaftlichen Mehrgefahrenversicherung.
Das sei in Bayern auch im zweiten Jahr der staatlichen Förderung so geblieben, sagt Raimund Lichtmannegger, Leiter Direktion Landwirtschaft bei der Versicherungskammer Bayern. Für ihn der Nachweis, dass sie die richtigen Anreize setzt. Auf der anderen Seite können so die millionenschweren ad-hoc-Hilfen des Staates entfallen.
Erntepolice in Weiß-Blau
Mindestens genauso nötig sei es aber, nicht nur Speziallandwirte abzusichern, die – wenn alles gut geht – mit Sonderkulturen ohnehin eine hohe Wertschöpfung erzielen können, sondern auch den Ackerbau in der Breite. „Denn Risiken wie Dürre, aber auch Starkregen betreffen auch den, der Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais anbaut.“ Eine Dürreversicherung kostet dabei etwa zehnmal so viel wie eine Hagelversicherung, über die ca. 70 Prozent der Landwirte verfügen.
Hier kann sich die Branche in der Prämienkalkulation auf Erfahrungen und Zeitreihen aus 150 Jahren stützen. „Bei Risiken wie Trockenheit, Sturm und Frost, in denen sich der Klimawandel zunehmend niederschlägt, können wir nur 20 bis 30 Jahre zurückschauen“, erklärt Lichtmannegger. Zugleich kann Frost, aber noch viel mehr Dürre, als Kumulrisiko gleichzeitig weite Landstriche betreffen. Das führe zu hohen und kaum leistbaren Prämien, die „dennoch nicht auskömmlich sind“, so Lichtmannegger unter Verweis auf das Schadenjahr 2021. „Es war für alle Ernteversicherer in Deutschland ein Überschadenjahr. Das heißt, die Schadenzahlungen übertrafen die Beitragseinnahmen bei Weitem.“
Argumente der Branche, die im Freistaat mittlerweile offenbar auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Ab 2023 will Bayern aus EU-Mitteln die Gesamtprämie zur Mehrgefahrenversicherung für alle Landwirte mit bis zu 50 Millionen Euro jährlich unterstützen.
Hilfe zur Selbsthilfe beim Risikoschutz für landwirtschaftliche Betriebe – noch die Ausnahme. Demnächst Standard? „Während Österreicher, Italiener, Spanier, Franzosen bis zu 80 Prozent Zuschuss zur Ernteversicherung erhalten, ist Deutschland hier leider immer noch der weiße Fleck auf der EU-Landkarte“, sagt Lichtmannegger. Was bislang fehlt, ist das erhoffte klare Signal auch vom Bund.
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