Versicherungsinnendienst: Streit um Samstagsarbeit – ver.di ruft zu Streiks auf

Bei den aktuellen Tarifverhandlungen für den Versicherungsinnendienst ist keine Einigung in Sicht. Die Arbeitgeber wollen unter anderem die Anordnung von Arbeit am Samstag erleichtern. ver.di ist dagegen und ruft auch Beschäftigte im Homeoffice zum Streik auf.

Bild: ver.di

Am 31. März und 01. April hat die Gewerkschaft ver.di bundesweit Versicherungsmitarbeiter zum Streik aufgerufen (wie hier 2017 in München). Dann sollen auch Beschäftigte im Homeoffice die Arbeit niederlegen. Bild: ver.di

Die rund 172.000 Angestellten im Versicherungsinnendienst (inklusive Auszubildende) wollen mehr Geld und zudem weitere Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen. Aktuell liegt aber noch keine Einigung mit der Arbeitgeberseite vor. Am Mittwoch ist die zweite, virtuell geführte Verhandlungsrunde zwischen dem Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) und den Gewerkschaften ver.di und DBV ohne vorzeigbares Ergebnis zu Ende gegangen. Begleitet wurden diese von Streiks, unter anderem in Hannover, Bremen und Hamburg, an denen sich, laut ver.di-Angaben, rund 800 Beschäftigte beteiligten.

Zu den Kernforderungen der Gewerkschaften zählen unter anderem eine Erhöhung der Gehälter inklusive Zulagen um fünf Prozent, eine zusätzliche Einmalzahlung in Höhe von 600 Euro, eine Erhöhung der Auszubildendenvergütung um 60 Euro je Ausbildungsjahr und ein Rechtsanspruch auf Homeoffice beziehungsweise mobiles Arbeiten.

Die Arbeitgeber bieten ihrerseits eine Erhöhung um 2,5 Prozent per 01. November 2022 an, sowie jeweils eine Einmalzahlung in Höhe von 400 Euro im April 2022 und April 2023. Für die Verhandlungsgegner ist das viel zu wenig. „Dieses Angebot der Arbeitgeber bedeutet, dass die Inflation nur zur Hälfte ausgeglichen würde und die Einkommen der Beschäftigten spürbar sinken würden – und das bei den guten Geschäftsergebnissen der Branche“, sagte ver.di-Verhandlungsführerin Martina Grundler. Der AGV räumte zwar ein, dass die aktuell hohe Inflationsrate allen Arbeitnehmern in Deutschland zu schaffen mache, wies die Forderungen der Gewerkschaften aber als „zu hoch“ zurück.

Arbeitgeber wollen Samstagsarbeit

Neben den Gehaltsfragen sorgte aber auch eine AGV-Forderung betreffend den Manteltarifvertrag für heftige Diskussionen. Diese lautet: Wiedereinführung des gesetzlichen Konfliktlösungsmechanismus bei der Samstagsarbeit. ver.di kritisiert, die Arbeitgeber wollten diese erzwingbar machen und den Samstag auf diesem Wege als Regelarbeitstag für den Innendienst einführen. Zwar ist der Samstag nach allgemeiner gesetzlicher Regelung bereits ein Regelarbeitstag. Im Tarifvertrag für den Versicherungsinnendienst sind aber nur die Wochentage Montag bis einschließlich Freitag als solche festgeschrieben. Samstagsarbeit findet in der Branche zwar vereinzelt statt, allerdings meistens nur in Verbindung mit abteilungsabhängigen Überstunden, die temporär angeordnet werden.

Auf procontra-Nachfrage erklärte Sebastian Hopfner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des AGV, dass man mit dieser Forderung keineswegs eine Sechs-Tage-Woche einführen wolle. Man wolle lediglich im Rahmen einer Fünf-Tage-Woche die Möglichkeit schaffen, dass die Arbeitgeber, sofern sie den Samstag als Regelarbeitstag nutzen möchten, nicht allein dem Willen der Betriebsräte ausgesetzt sind. Bislang können die Arbeitnehmervertreter der Unternehmen solche Forderungen einfach ablehnen, auch wenn zum Beispiel nur eine Minderheit der Angestellten dagegen ist. „Wir fordern in solchen Fällen die Anwendung des gesetzlichen Konfliktlösungsmechanismus. Das ist eine sogenannte Einigungsstelle, die nur für den Einzelfall im jeweiligen Unternehmen initiiert wird“, so Hopfner. Einer solchen Einigungsstelle würde dann zum Beispiel eine Arbeitsrichterin als neutrale Entscheiderin vorsitzen. Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter könnten dieser dann ihre Argumente vortragen und sie würde über die Einführung des Samstags als Regelarbeitstag im Betrieb entscheiden.

Aufruf zum Streik im Homeoffice

Bei ver.di befürchtet man, die Arbeitgeber könnten diese neue Möglichkeit nutzen, um ihre Beschäftigten großflächig zur Samstagsarbeit zu zwingen. Beim AGV hält man diese Sorge für unbegründet. Es würde nicht dem angestrebten Selbstbild der Versicherer als moderne Arbeitgeber entsprechen, wenn nun eine Pflicht zur Arbeit am Wochenende eingeführt würde, so Hopfner. Im War for Talents würde das eher abschreckend wirken. Vielmehr wolle man sich dadurch den veränderten Ansprüchen an die Arbeitswelt öffnen.

Die Gewerkschaft ver.di möchte ihren Forderungen vor der nächsten Verhandlungsrunde am 1. April Nachdruck verleihen. Deshalb hat sie am 31. März und am 1. April zu hybriden Streiks aufgerufen. Neben regionalen Streiks vor Ort sollen dann auch die Mitarbeiter im Homeoffice die Arbeit niederlegen und sich an der virtuellen Streikversammlung der Gewerkschaft beteiligen.

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