Alles wird teurer. Die Inflation macht den Menschen schon seit Monaten zu schaffen, in der Folge des Ukraine-Kriegs steigen vor allem die Preise für Gas sehr stark an. Für den Winter wirft die Energiekrise noch größere Schatten voraus. Die EU-Mitgliedsstaaten sollen Gas und Strom einsparen, aus verschiedenen Branchen sind dazu schon konkrete Maßnahmen zu vernehmen.
Und wie sieht es in der deutschen Versicherungsbranche aus? Dazu hat procontra acht große Versicherungsunternehmen (Allianz, Axa, Ergo, Gothaer, Huk-Coburg, LVM, VKB, Signal Iduna) angefragt, die jeweils auch über ein relativ großes Netz an Ausschließlichkeitsagenturen verfügen. Allianz und LVM wollten sich nicht an unserer Umfrage beteiligen. Bei der Ergo fiel die Antwort sehr knapp aus: Man arbeite derzeit an Maßnahmen zum Einsparen von Energie, könne aktuell aber noch nichts Konkretes sagen.
Damit laufen bei den Düsseldorfern aber offenbar gerade Prozesse, die aktuell die Mehrheit der großen Versicherer auf dem Schirm haben. So gaben Gothaer, Signal Iduna, VKB und Huk-Coburg konkrete Maßnahmen zum Energiesparen in ihren Niederlassungen an. Häufiger genannt wurde dabei, dass in den Sommermonaten nur noch kaltes Wasser zum Händewaschen bereitgestellt, die Klimatisierung der Räume um bis zu zwei Grad abgeschwächt und die nächtliche Beleuchtung der Gebäude früher abgeschaltet wird. Die Signal Iduna bunkert zudem größere Dieselmengen für Notstromaggregate, über die die Gebäude im Notfall betrieben werden sollen.
Keine Energiekosten-Zuschüsse für Angestellte…
Dazu kommen bei den meisten Hinweise zum Ausschalten von Licht, Computern und Heizungen bei Verlassen der Büroräume. Die Versicherer setzen hier also stark auf die Mithilfe ihrer Belegschaften. Doch welche Hilfe können Angestellte von ihren Arbeitgebern erwarten? Konkret im Hinblick auf den nächsten Corona-Winter, in dem für viele Angestellte erneut das Homeoffice zum hauptsächlichen Arbeitsplatz werden könnte? Schließlich würde dort dann den ganzen Tag über die eigene Heizung laufen und nicht die des Arbeitgebers. In Großbritannien haben sich hier schon mehrere Versicherungsunternehmen aus der Deckung gewagt und unterstützen ihre weniger gut verdienenden Angestellten mit Einmalzahlungen.
Die meisten Versicherer betonen, dass ihre Angestellten aktuell den Großteil ihrer Arbeitszeit „remote“, also im Homeoffice, im Coworkingspace oder einfach mobil von unterwegs leisten dürfen. Je nach Corona-Lage würden die Unternehmen Maßnahmen ergreifen und den Anteil der „remote“-Arbeit noch erhöhen. Einen Gas-Zuschuss oder ähnliches für die Mitarbeiter plant aber keiner der von uns befragten Versicherer. Die VKB möchte alle Mitarbeitenden der Münchener Standorte zentral am Campus Giesing zusammenziehen. Durch die parallele Stilllegung der anderen Niederlassungen in der bayerischen Landeshauptstadt rechnet das Unternehmen mit einem um 20 Prozent geringeren Energieverbrauch. Eine Beteiligung an den Heizkosten der Mitarbeiter ist aber auch hier nicht vorgesehen.
…oder Vertreter
Genauso sieht es mit Blick auf die Ausschließlichkeitsorganisationen (AO) der befragten Versicherer aus. Denn die Heizkosten für die Ladenlokale der Vertreter dürften in diesem Winter alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Auch hier planen die fünf Versicherer, die unsere Umfrage beantwortet haben, keine Bezuschussung der Energiekosten. Die Begründung dafür lautet bei allen Unternehmen in etwa gleich: Es handle sich bei den Vertretern um selbstständige Unternehmer, die ihren Betrieb wirtschaftlich eigenverantwortlich organisieren würden. Für Makler sei so etwas allein schon aus Compliance-Gründen nicht zulässig, heißt es von der Gothaer.
Gleichzeitig betonen die Versicherer aber die Wichtigkeit der Agenturen in der Fläche. Obwohl die Videoberatung durch die Pandemie stark zugenommen habe, seien die Ladenlokale mit Versicherer-Logo an den Türen weiterhin sehr wichtige Anlaufstellen für Beratungstermine mit Kunden. Die Huk-Coburg beispielsweise erklärte, dass der überwiegende Anteil ihrer Kunden weiterhin auf den Laufkontakt zu den rund 670 Ladenlokalen ihrer Vertreter zurückzuführen sei.


