„Hat die Generation Z ein Zocker-Gen?“, „Generation Z = Generation Zocker“ und „Gamestop-Hype – Rebellion der neuen Trader-Generation“. So lauteten einige Überschriften, die das Anlageverhalten der jungen Generation beschreiben sollen.
Börsenexperten rieben sich entsetzt die Augen aufgrund des unorthodoxen Anlageverhaltens der neuen Anleger: Statt Prognose und Unternehmensbilanzen zu wälzen, tauschten sie sich über Social Media aus und verabredeten sich zum „Flashmob an der Börse“.
Die Geschäfte der Neobroker boomen
Mit den Aktien gehandelt wird dabei häufig nicht über die gängigen Kanäle, sprich die Hausbank, sondern über sogenannte Neobroker. Hierbei handelt es sich um neue Handelsplattformen, die mit kostengünstigen Transaktionen für Aktien- und Fondsorder werben und es per Knopfdruck ermöglichen, Fonds, ETFs oder Aktien zu kaufen beziehungsweise zu verkaufen. Die Geschäfte der Neobroker boomen: Trade Republic, Deutschlands wohl bekanntester Neobroker, vermeldete nach gerade einmal zwei Jahren am Markt eine Kundenanzahl von über einer Million mit mehr als sechs Milliarden Euro an Kundengeldern.
Doch wer sind diese Kunden und was treibt sie an? Stimmen die Vorwürfe der alten Börsen-Hasen, dass die junge Generation die Geldanlage lediglich als kurzfristigen Zeitvertreib betreibt, dass Zocken der verbleibende Nervenkitzel in der Pandemie war?
Um diese Fragen zu beantworten hat der deutsche Marktführer Trade Republic dem DIW Econ seine Kundendaten zur Verfügung gestellt, die diese für eine umfangreiche Umfrage unter 216.000 Nutzern auswertete.
Erst einmal zum Kunden selbst: Dieser ist in der Regel jung und männlich. 68,4 Prozent der Befragten sind unter 35 Jahren alt, die Hälfte davon sogar unter 27 Jahren. Folgerichtig handelt es sich bei einem Großteil der Trade-Republic-User auch um absolute Börsenneulinge – 47 Prozent der Nutzer haben zuvor noch keinerlei Investments in Fonds, ETFs oder Wertpapiere getätigt.
Keine Lust zu Zocken
Zocken möchten dennoch die wenigsten von ihnen. Im Gegenteil: Fast drei Viertel (72 Prozent) wollen mit ihren Investments einen langfristigen Beitrag zur Altersvorsorge leisten. Den persönlichen Kick suchen hingegen nur wenige (20 Prozent) – auch der Vorwurf, im Aktien-Investment eine Art Wettbewerb zu sehen, bei dem es darum geht, höhere Gewinne als die anderen zu erzielen, verfängt nicht.
Schließlich zeigen sich die Jüngeren weit weniger risikoorientiert als bislang angenommen: Von den Börsenneulingen erklärten 30 Prozent, ihr Geld vorwiegend in ETFs zu investieren, 56 Prozent bevorzugen Einzelaktien. Damit agieren die Neulinge deutlich vorsichtiger als erfahrenere Anleger, bei denen der Aktienanteil bei 63 Prozent liegt, der ETF-Anteil bewegt sich indes nur bei knapp 22 Prozent.
Nachdenklich stimmt indes die Aussage, dass 63 Prozent der Anleger für ihre Kaufentscheidungen auf Eigen-Recherche setzen. Andererseits: Wirklich überraschend ist diese Aussage nicht – Anleger, die auf Beratung setzen, werden einen Finanzberater einer Trading-App vorziehen und vergleichsweise selten unter den Befragten zu finden sein.
Chance für Finanzberater
Auch andere Untersuchungen hatten in der Vergangenheit bereits illustriert, dass die meisten jungen Neobroker-User vorwiegend nach dem Trial-and-Error-Prinzip agierten: Probieren geht häufig vor Studieren. Das mag in Zeiten stetig steigender Kurse gut funktioniert haben, könnte sich in volatileren Zeiten jedoch rächen.
Gerade hier liegt auch die Chance für Finanzberater – sie treffen auf eine Generation, die wesentlich offener für Aktien ist als die vorherigen. In einer schwierigen Marktphase dürften sich nicht wenige dann doch nach professioneller Hilfe umschauen – sofern sie denn richtig abgeholt werden. Markus Richert, Seniorberater bei der Vermögensverwaltung Portfolio Concept riet im Gespräch mit procontra Finanzberatern dazu, die Zielgruppe da abzuholen, wo diese auch unterwegs ist – beispielsweise in sozialen Medien.
Für sinnvoll hällt Richert es darüber hinaus, sich Foren und Social-Media-Gruppen anzusehen, um eine Vorstellung zu bekommen, welche Anlagen bei potenziellen Kunden gerade beliebt sind. Wichtig sei dabei aber, authentisch zu bleiben. „Sich anbiedern, indem man den Wallstreetbets-Finanz-Slang [Reddit-Forum, in der Teilnehmer über Aktien- und Optionshandel diskutieren] übernimmt, ist ein No-Go“, so Richert.
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