Der Krieg in der Ukraine wird nicht nur mit Raketen, sondern auch mit Cyberwaffen ausgetragen. Nach Angriffen auf ukrainische Unternehmen und Behörden wurden auch wichtige russische Webseiten lahmgelegt. Und unlängst warnte das Bundesamt für Informationssicherheit in einem Sonderlagebericht nach der Waffenlieferung Deutschlands an die ukrainische Armee vor einer steigenden Gefahr von Hackerangriffen in Deutschland. Doch auch abseits des aktuellen Ukraine-Kriegs hat das Thema Cyber-Sicherheit durch Lockdown und Homeoffice an Brisanz gewonnen.
Schadsoftware auf dem Computer, Diebstahl von Daten, Cyberangriffe auf Unternehmen und staatliche Institutionen sind nur wenige der endlosen Beispiele, die jeder kennt. Längst greift auch die Fondsbranche das Thema verstärkt auf: Im vergangenen Jahr sind dem Finanzanalysehaus Scope Analysis zufolge zwei ETF und ein aktiv gemanagter Investmentfonds unter dem Label Cybersecurity oder Digital Security auf den deutschen Markt gekommen. Im Jahr davor waren es zwei neue ETF.
Trend Internetsicherheit wird sich weiterentwickeln
„Die Gefahr ist real – Unternehmen haben massive Schäden durch Cyberangriffe und müssen immer stärker in die Sicherung ihrer Systeme investieren“, sagt Jan Richter, Senior Analyst bei dem Beratungsunternehmen Fondsconsult Research. Der Bereich Internetsicherheit sei ein Trend, der sich auch fortentwickeln werde. „Dass zum Beispiel ETF-Anbieter auf einen solchen Zug aufspringen, um mit neuen Produkten Anlegergelder einzusammeln, ist daher grundsätzlich nachvollziehbar“, meint der Analyst.
Das jüngste Produkt ist der Global X Cybersecurity Ucits ETF, der danach trachtet, den „Indxx Cybersecurity v2 Index“ physisch nachzubilden. 32 Einzelwerte sind im ETF enthalten, etwa das israelische Unternehmen Check Point Software Tech, das US-Haus Palo Alto Networks, der britische Anbieter Mimecast und die japanische Firma Trend Micro. Auf US-Titel entfielen Mitte Februar zwei Drittel des Portfolios, auf britische und israelische Unternehmen 14 und 13 Prozent, auf japanische sechs Prozent und auf südkoreanische und kanadische Titel jeweils unter ein Prozent Fondsanteil.
Das neueste aktiv gemanagte Portfolio ist der Allianz Cyber Security, geleitet von Senior Portfolio Manager Walter Price. Für ihn erwächst das größte Gefahrenmoment aus dem Umbau der Infrastruktur der ganzen Welt in Richtung Internet der Dinge und Cloud-Computing. „Wir verbinden Maschinen mit dem Internet mit der Idee, dass wir Daten dieser Maschinen nutzen können. Diese Daten können mit künstlicher Intelligenz nochmals effizienter ausgewertet und weiterverarbeitet werden“, sagt Price. Den Bedarf an Investitionen in Cyberschutz im Zuge dieses Umbaus dürften wir nicht ignorieren. „Wenn Sie zum Beispiel Ihr Auto mit dem Internet verbinden, sodass es autonom fährt, müssen Sie das System schützen, damit niemand anderes Kontrolle über Ihr Auto übernimmt“, konkretisiert der Fondsmanager. „Es gibt zahlreiche nützliche Anwendungen, die zu hohen Kosteneinsparungen oder verbesserter Effizienz und Produktivität führen, die aber mit Gefahren verbunden sind. Diese muss man adressieren.“
„Cyberhygiene“ ist essenziell
Für Price ist „Cyberhygiene“ daher essenziell. Aus seiner Sicht können ausgeklügelte und mehrschichtige Sicherungskonzepte etwas gegen Internetkriminalität und ständige Versuche, Daten auszulesen ausrichten, wenn sie konsequent angewandt und laufend weiterentwickelt werden. Mehr Sicherheit zu erzielen ist für ihn ein willkommenes Nebenprodukt zur möglichen Rendite aus den Fondsanlagen.
Der Allianz Cyber Security besteht aus Aktien von 30 bis 60 Unternehmen der Branche weltweit, wobei auch hier US-Titel mit einem Anteil von 90 Prozent am stärksten vertreten sind. Zu den zehn größten Positionen zählen etwa die US-Anbieter Okta, Datadog und Zscaler. „Dass es in den USA viele führende Firmen im Bereich Cybersecurity gibt, dürfte mit daran liegen, dass das Land im Umbauprozess weiter fortgeschritten ist als andere. Daher haben sie mögliche Probleme früher erkannt und aufgegriffen“, meint der Fondslenker. Die USA seien zum Beispiel führend bei Investitionen in Kryptowährungen. Die am weitesten entwickelte Cybersecurity-Technologie sei jedoch in Israel zu finden: „Die Hauptsitze einiger dieser Firmen mögen in den USA sein, da sie dort eher Wagniskapital erhalten oder von dort aus Verkauf und Marketing steuern. Das Research ist aber oft in Israel beheimatet.“
Der Unternehmenszweig, der Sicherungsleistungen anbietet, ist eine sich entwickelnde Branche. Price: „Es ist noch eine kleine Industrie. Aber es ist eine Industrie, die in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich um etwa zehn bis zwölf Prozent pro Jahr gewachsen ist.“ Das Wachstum dürfe sich in den kommenden zehn Jahren fortsetzen angesichts des Wandels der Infrastruktur und der sich permanent verändernden und fortentwickelnden Gefahrenquellen.
Wachsender Markt ohne hohe Eintrittsbarrieren
Richter von Fondsconsult empfiehlt bei Themenfonds generell darauf zu achten, wie die Anbieter das Thema definieren und abgrenzen und wonach sie die Unternehmen auswählen. „Soll eine Firma zum Beispiel im Hauptgeschäft in dem Thema tätig sein? Oder muss sie nur einen bestimmten Umsatzanteil in dem Bereich haben? Wie hoch soll er dann mindestens sein?“, fragt er exemplarisch. Der First Trust Nasdaq Cybersecurity Ucits ETF zum Beispiel enthalte 35 Titel, der I-Shares Digital Security 122 Werte. „Die Titelanzahl ist ein erster Hinweis, ob der eine das Thema womöglich etwas breiter interpretiert und die nötige Umsatzschwelle vielleicht nicht ganz so hoch ansetzt“, erläutert Richter. „Ein sehr konzentriertes Portfolio schneidet tendenziell besser ab, wenn das Thema gut läuft. Wenn aber einige Unternehmen Probleme bekommen, schlägt das sofort durch“, ergänzt er. Ein breiter aufgestelltes Produkt sei tendenziell weniger anfällig in die eine wie in die andere Richtung.
Wichtig sei außerdem zu sehen, dass Cybersecurity ein wachsender Markt mit nicht sehr hohen Eintrittsbarrieren ist. Firmen hätten daher keine wirkliche Marktmacht, sondern könnten letztlich nur über den Preis Vorteile erzielen. „Steigende Umsätze in Gewinne umzusetzen, ist in einem solchen Umfeld nicht einfach“, betont der Analyst. Inwieweit der wachsende Markt sich auch in steigenden Aktienkursen ausdrückt, muss sich daher noch beweisen.
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