Gute Nachrichten für die Schifffahrtbranche: Im vergangenen Jahr ist erneut die Anzahl der Totalverluste von großen Schiffen gesunken: „Die Totalverluste sind auf einem Rekordtief – etwa 50 bis 75 pro Jahr in den letzten vier Jahren, verglichen mit mehr als 200 pro Jahr noch in den 1990er Jahren“, sagt Justus Heinrich, Leiter der Schifffahrtsversicherung der Allianz (AGCS) für Zentral- und Osteuropa und Globaler Produktmanager für Schiffskasko der AGCS. Im Rahmen der jährlichen AGCS-Studie analysiert das Unternehmen die gemeldeten Schiffsverluste und -unfälle über 100 Bruttotonnen.
Im vergangenen Jahr wurden weltweit nur noch 54 Totalverlust gemeldet. Das entspricht einem Rückgang um 57 Prozent im Vergleich zu 2012 (127). Anfang der 1990er Jahren gingen jährlich noch 200 Schiffe verloren. Dabei ist die Anzahl der Schiffe, die auf den Weltmeeren unterwegs sind, kontinuierlich angestiegen: Während es vor dreißig Jahren noch 80.000 waren, sind es heute schätzungsweise 130.000 Schiffe. Verbesserte Schiffskonstruktionen, neue Technologien, verschärfte Vorschriften, aber auch Schulungen der Besatzungen haben laut AGCS den positiven Trend begünstigt.
Untergegangene Schiffe waren mit 60 Prozent die Hauptursache für Totalverluste. Der globale Schaden-Hotspot ist dabei die Seeregion Südchina, Indochina, Indonesien und die Philippinen: Jeder fünfte Schiffsuntergang im Jahr 2021 (12) und jeder vierte in den vergangenen zehn Jahren (225) wurde in diesen Regionen verzeichnet. Die Gründe dafür sind vielfältig: hohes Handelsaufkommen, überlastete Häfen, ältere Flotten und extreme Wetterbedingungen. Viele Eigner verlängern die Laufzeit der Schiffe vor dem Hintergrund der hohen Nachfrage. Doch die Analysen zeigen: Je älter die Container- und Frachtschiffe, desto anfälliger sind sie – selbst bei gut gewarteten Flotten im Alter zwischen 15 und 25 Jahren.
Anzahl der Unfälle gestiegen
Die Zahl der Unfälle stieg hingegen 2021 um elf Prozent von 2.703 auf 3.000. In der Region um Großbritannien war die Anzahl mit 668 von 3.000 am höchsten. Maschinenschäden und -ausfälle waren der häufigste Grund für Schiffsunfälle weltweit. Mehr als jeder dritte Vorfall weltweit (1.311) war auf Maschinenschäden zurückzuführen, gefolgt von Kollisionen (222) und Bränden (178). Die Häufigkeit von Bränden nahm um fast zehn Prozent zu.
Allein auf Containerschiffen wurden in den vergangenen fünf Jahren über 70 Brände gemeldet. Oft brennen Container, wenn gefährliche Ladungen wie Chemikalien oder Batterien nicht korrekt deklariert worden sind. Zumal: Die wachsende Anzahl von transportierten Elektrofahrzeugen erhöhe das Brandrisiko. Schließlich sind Lithium-Ionen-Akkus hoch entzündlich. Häufig ende ein eigentlich überschaubarer Zwischenfall in einem Totalverlust, die gestiegenen Anforderungen an den Umweltschutz erhöhen zudem die Bergungs- und Wrackbeseitigungskosten. „Früher wurde ein Wrack vielleicht an Ort und Stelle belassen, wenn es keine Gefahr für die Schifffahrt darstellte. Jetzt wollen die Behörden, dass die Wracks entfernt und die Meeresumwelt wiederhergestellt wird, auch wenn das sehr teuer wird“, erklärt Anastasios Leonburg, Berater für Schiffsrisiken bei der AGCS.
Höhere Bergungskosten müssten zunehmend von den Frachteigentümern und ihren Versicherern getragen werden. Die Havarie-Grosse, unter der Schäden verstanden werden, die aus einer Entscheidung des Kapitäns zur Rettung des Schiffs resultieren, sei zu einem häufigen und kostspieligen Versicherungsvorfall geworden. „Die Reeder und alle Kaufleute, die auf einem Schiff Waren transportieren lassen, bilden eine Gefahrengemeinschaft“, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!
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