„Scharia-Policen“ für den deutschen Markt

Mit digitalen, islamkonformen Versicherungen will das Berliner Insurtech Techafull bundesweit durchstarten, Baloise und Bayerische forcieren mit neuen Kfz-Tarifen das Thema Nachhaltigkeit und Hiscox hat seine Cyberversicherung einem Update unterzogen.

Risikovoranfrage Bild: procontra

Ein neues Digital-Tool für Risikovoranfragen in den Bereichen Berufsunfähigkeit und Risiko Leben hat der Lübecker Maklerpool blau direkt für seine angeschlossenen Vermittler im Programm. Bild: procontra

Digitale Policen, die auf Scharia-Regeln basieren – mit diesem Konzept will das im November 2021 gegründete Insurtech Neova Techafull nun den deutschen Markt erobern. Der digitale Vermittler – eine Tochtergesellschaft der in Istanbul ansässigen Neova Participation Insurance – bietet Hausrat-, Privathaftpflicht- und Unfallversicherungen an, die sich an islamischen Gesetzen orientieren. Risikoträger für die ausschließlich digital abzuschließenden Policen ist der Berliner White-Label-Versicherer Element.

Das Prinzip der islamkonformen Versicherungen: Zinsgeschäfte und spekulative Anlagen sind verboten, außerdem soll dem Genossenschaftsprinzip Rechnung getragen werden. Dementsprechend teilen sich die Versicherten Risiken und Gewinne, der Versicherer ist lediglich für die Verwaltung der Prämien verantwortlich und die Versichertengemeinschaft trägt das Risiko. Wie das Unternehmen auf seiner Webseite schreibt, soll ein zum Ende der Vertragslaufzeit entstehender Gewinn im Namen des Versicherten gespendet werden. Ziel sei es, „die Mission sozialer Verantwortung in ganz Europa zu realisieren“.

Baloise erweitert ihren Kfz-Tarif

Die Baloise aktualisiert ihren Kfz-Tarif für den deutschen Markt: Mit „Baloise All-in“ soll künftig noch besser auf die steigenden Zulassungszahlen von Elektro- und Hybrid-Pkw reagiert werden. In dem Tarif sind nun unter anderem Ladekarten bis 100 Euro versichert, die Leistungen bei Folgeschäden durch einen defekten Akku an Aggregaten werden zudem auf 20.000 Euro erhöht. Auch zählt künftig ein leerer Akku als Panne, sodass Versicherte kostenfrei bis zur nächsten Ladestation abgeschleppt werden können. Und: Bei einem Hackerangriff auf das Keyless Entry-System und einem Aufbruch des Fahrzeugs ohne Einbruchspuren, gelte das Fahrzeug als „versichert“, heißt es in der zugehörigen Pressemitteilung.

Wird nach einem Totalschaden das neue Auto wieder im Tarif „Baloise All-in“ versichert, übernimmt der Versicherer die Zulassungskosten bis zu 100 Euro. Die genannten Neuerungen sollen Bestandskunden zugutekommen, die ihren Vertrag nach Oktober 2017 abgeschlossen haben.  

Neue Tarife für E-Mobilität

Auch die Bayerische bringt neue Kfz-Tarife auf den Markt und will damit „noch gezielter auf das Thema E-Mobilität setzen“. Mit seiner Nachhaltigkeitsmarke Pangaea Life bringt der Versicherer eine zusätzliche E-Mobilitäts-Police für Motorräder heraus. „Life E-Drive“ versichert bis zu 14 Tage Fahrzeugabstellungskosten und beinhaltet eine Zustandsdiagnostik sowie eine Allgefahrendeckung für den Akku. „Generell ist das Thema Nachhaltigkeit für uns in allen Sparten zentral. Dies unterstützen wir mit der Einführung von attraktiven Tarifen für Kundinnen und Kunden von E-Motorrädern“, erklärt dazu Martin Gräfer, Vorstandsmitglied der Bayerischen. Für jeden neu abgeschlossenen Vertrag werde zudem ein Baum in einem von „extremer Abholzung bedrohten Gebiet in Afrika“ gepflanzt.  

Auch die Tarifstruktur für Autos kalkulierte der Versicherer neu. Ab sofort sind drei unterschiedliche Tarifarten für den Kasko-Schutz erhältlich: Ein Smart-Einsteiger-, ein Komfort-Preis-Leistungs- sowie ein Prestige-Top-Leistungstarif. Unter ersteren fällt eine Neuwertentschädigung innerhalb von sechs Monaten nach Erstzulassung des Fahrzeugs, der Komfort-Tarif bietet Ersatz bei Park-Kleinschäden sowie Schloss- und Schlüsselersatz bei Entwendung der Fahrzeugschlüssels. Im Prestige-Tarif sind unter anderem Glasbruch bei Leuchtmitteln sowie kein Abzug „neu für alt“ bei Elektronikgeräten mitversichert.

Basis-Rente mit nachhaltigem Anlagefokus

Der Konzern Versicherungskammer hat ab sofort eine neue Basis-Rente im Programm: „NachhaltigkeitsInvest“ soll staatliche Förderung, maximale Chancenorientierung sowie nachhaltiges Engagement in einem Produkt vereinen, schreibt der Versicherer in seiner Pressemitteilung. In dem Produkt wird eine lebenslange monatliche Rente mit einer hohen steuerlichen Förderung der Beiträge in der Ansparphase verbunden. Die Beiträge seien als einmalige, laufende oder flexible Zuzahlungen möglich. Die neue Basis-Rente sei eine rein fondsgebundene Rentenversicherung ohne Kapitalgarantie, um „die Renditemöglichkeiten des Kapitalmarkts voll nutzen zu können“. „NachhaltigkeitInvest“ folge als staatlich geförderte Variante auf die seit einem Jahr am Markt präsente „PrivatRente NachhaltigkeitInvest“. Für beide Tarife stehe „ein Fondsportfolio mit nachhaltig orientiertem Anlagefokus“ zur Verfügung. Die neue Basis-Rente eignet sich für alle einkommensteuerpflichtigen Personen, die durch steuerliche Absetzbarkeit eine Förderung von 20 Prozent und mehr erreichen können.

Update in der Cyberversicherung

Der Spezialversicherer Hiscox hat seine Cyberversicherung einem Update unterzogen. „Der Markt ist an einem Punkt, an dem konkrete Antworten auf die neue Cyber-Realität gefordert sind“, sagt Markus Niederreiner, Managing Director bei Hiscox. Künftig solle es daher in der Cyber-Police mehr Auswahl-Optionen geben, die eine „individuelle Absicherung je nach Betrieb der IT-Systeme“ ermögliche und sich beispielsweise danach richtet, ob die IT-Systeme und Daten des versicherten Kunden vor Ort („on-Premises“) oder in der Cloud liegen. Zudem soll ein überarbeitetes Bedingungswerk für mehr Transparenz und Klarheit sorgen. Für Neukunden mit einem Umsatz bis 2,5 Millionen Euro bietet das überarbeitete Cyberprodukt eine pauschale Cyber-Betriebsunterbrechungs-Absicherung mit einer „vereinfachten Berechnungs- und Entschädigungssystematik“ an. Dabei müsse der Versicherte keine detaillierten Nachweise zum Schadenfall mehr erbringen, eine langwierige Prüfung mit Wartezeiten entfalle somit.

Wechsel in der Führungsetage von Element

Christian Macht hört zum 15. Oktober als Co-Vorstandsvorsitzender der Element Insurance AG auf. Er wolle sich „neuen Aufgaben widmen“, schreibt das Insurtech auf LinkedIn. Machts Posten übernimmt Dr. Astrid Stange, die seit dem Sommer als Co-Vorstandschefin mit verantwortlich für das Unternehmen ist. Christian Macht arbeitete fünf Jahre lang für den White-Label-Anbieter für Versicherungen, 2019 stieg er zum alleinigen Vorstandschef auf. Macht habe „ein exzellentes Team aufgebaut, das Geschäftsmodell neu und richtig ausgerichtet und dafür gesorgt, dass Element als europaweit technologisch führendes Versicherungsunternehmen“ gelte, schreibt Ralf Wohltmann, Aufsichtsratsvorsitzende von Element, auf LinkedIn. Die ehemalige Axa-Managerin Astrid Stange ist als Digitalisierungsexpertin bekannt und war vor ihrer Tätigkeit in der Versicherungswirtschaft 18 Jahre lang bei der Beratungsgesellschaft Boston Consulting beschäftigt.