Das Kompositgeschäft mit Privatkunden ist und bleibt für unabhängige Vermittler wichtig. Eine „sehr große Relevanz" und „große Relevanz“ dieser Sparten sehen heute 78 Prozent der freien Vermittler (Vorjahr: 74 Prozent). Vor fünf Jahren waren es erst 70 Prozent; in fünf Jahren erwarten die Befragten einen Wert wie heute. Das ergab die Umfrage „Privates Schaden-/Unfallgeschäft 2022“, die von der der BBG Betriebsberatung stammt und an der sich 336 Makler und Mehrfachagenten beteiligt haben, die im Schnitt je 1.065 Privatkunden betreuen.
Die Schaden- und Unfallversicherer haben allerdings 2021 erstmals seit 2013 wieder rote Zahlen geschrieben – vor allem wegen teurer Elementarschäden und dem Rückgang des Kfz-Neugeschäfts. Diese Entwicklung könnte sich auch 2022 fortsetzen, glauben Experten der Ratingagentur Assekurata.
Seit 2009 verbuchte die Branche zwar einen kontinuierlichen Beitragsanstieg von 54,7 Milliarden auf 76 Milliarden Euro (2021). Zugleich erhöhte sich die Versicherungsleistung deutlich von 51,3 Milliarden Euro (2020) auf 62,3 Milliarden Euro (2021). Folglich kletterte die kombinierte Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) von 90,7 Prozent auf 102 Prozent.
Lieblinge der Makler in vier Sparten
Die Favoriten der Makler wurden bei der BBG-Studie nur in vier privaten SHUK-Sparten abgefragt (Kfz und Rechtsschutz fehlen):
Ihren aktuellen Umsatz bestreiten die befragten freien Vermittler zu 37,7 Prozent mit dem privaten Schaden- und Unfallgeschäft samt Kfz-Versicherung (Vorjahr: 36,9 Prozent). Hinzu kommen 14,6 Prozent mit dem gewerblichen Schaden- und Unfallgeschäft. Andere wichtige Umsatzbereiche sind private Vorsorge/Biometrie (23,2 Prozent), PKV (6,3 Prozent) und bAV (6,8 Prozent).
Warum Schaden-/Unfallsparten an Gewicht gewinnen
Als wichtigste Gründe für die veränderte Relevanz nannten die Makler indirekt Umwälzungen der ganzen Versicherungsbranche. Neben der Bestandssicherung (64,8 Prozent) sind dies die einfache Handhabung per Maklervollmacht und Deckungsaufgabe, sagen 45 Prozent der Befragten.
Auch eine veränderte Kundennachfrage sehen 41 Prozent als Gründe für die guten Geschäfte im privaten Kompositgeschäft. Veränderte Produkte sind für 42 Prozent der Befragten ein Grund gewesen, das Schaden- und Unfallgeschäft hochzufahren. Bei der Umfrage waren Mehrfachnennungen erlaubt.
Hier rechnen Makler mit mehr Umsatz
In den nächsten drei Jahren trauen 53,6 Prozent der befragten Makler den größten Umsatzschub („viel besserer“ oder „eher besserer“ Umsatz) der Wohngebäudeversicherung zu (Vorjahr: 53,9 Prozent). Hohe Zukunftswerte erreichten auch die Rechtsschutzversicherung (48,5 Prozent), die Tierhalter-Haftpflichtversicherung (46 Prozent) und die Hausratversicherung (42 Prozent). Die Cyber-Versicherung wurde von BBG wieder nicht als eigenständige Sparte abgefragt.
Als größte Herausforderungen im privaten Kompositgeschäft sehen fast 51 Prozent der Makler derzeit die Digitalisierung im Allgemeinen an (Vorjahr: 57 Prozent), gefolgt von zunehmender Konkurrenz durch Direktanbieter, Vergleichsportale und InsurTechs (41,6 Prozent). Auch Bestandssicherung und -aufbau (40 Prozent) sowie der Überblick über die Komplexität der Tarife und Bedingungen (36,7 Prozent) werden als Herausforderung empfunden.


