Carsten Maschmeyer hat ein Herz für Gründer: Das macht er nicht nur Woche für Woche in der Voxschen Löwenhöhle deutlich, sondern auch im Rahmen seiner ganz eigenen Show „Start Up! Wer wird Deutschlands bester Gründer?“. Hier wurde gepitcht bis der Arzt kam beziehungsweise bis Sat1 den Stecker zog. Der Unterhaltungswert der Sendung war für das Publikum nämlich offenbar begrenzt – so lagen die Quoten bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen laut „Welt“ teils unter denen des Sandmännchens.
Statt undankbare Twens und Mitdreißiger mit seinem Gründungsfieber zu infizieren, hat Maschmeyer nun offenbar eine neue Zielgruppe ins Auge ge- und sein erstes Kinderbuch verfasst. Dieses heißt „Die Start-Up Gang“ und soll schon den Jüngsten vermitteln, wie sinnstiftend die Gründung eines eigenen Unternehmens sein kann. Das dafür notwendige Start-Up-Vokabular wird gleich mitvermittelt, so dass Sie sich nicht wundern müssen, wenn Zwölfjährige in der Straßenbahn künftig von Due Diligence statt Dua Lipa sprechen.
Unternehmer statt Ärzte
„Ich wünsche mir, dass in Kinderbüchern Jungen und Mädchen nicht nur erzählt wird, dass sie Ärztin, Lokführer oder Fußballprofi werden können, sondern eben auch Unternehmerin und Unternehmer", bewirbt Maschmeyer sein Werk, das er mit Google-Manager Axel Täubert verfasst hat.
Die Story ist schnell erzählt. Vier Jugendliche – Carl, Mehmet, Nele und Aliyah – durchleben an ihrer Schule eine Projektwoche und werden dabei von Ex-Schüler und Jetzt-Investor Micha ans Einmaleins des Start-Up-Gründens herangeführt, bis am Ende endlich ordentlich Reibach gemacht werden kann. Da dass aber nicht tagesfüllend ist, bleibt nebenbei noch Zeit die anderen Projekte von Maschmeyer positiv zu erwähnen. So wird über die elfjährige Nele (Hobbies: Reiten, Schminken, Lesen) folgendes berichtet: „Beim Schauen einiger Folgen hatte sich für sie eine ungeahnte Welt aufgetan, fast wie bei dem Schrank von Narnia.“ Gemeint ist natürlich die „Höhle der Löwen“, bei der Maschmeyer neben anderen Investoren auf der Bühne sitzt.
Und natürlich ist das Lieblingsbuch vom coolen Sprayer und Youtuber Carl (11 Jahre) Maschmeyers „Die Millionärsformel“. Klar, naheliegend. Fehlt eigentlich nur noch, dass Flüchtlingsmädchen Aliyah ihre Start-Up-Gang zum Veronica-Ferres-Filmeabend einlädt oder Dönerbuden-Erbe (was sonst) Mehmet in der Sockendisko seinem Date erzählt, wie die AWD die Altersvorsorge in Deutschland nach vorne gebracht hat.
"FDP-Programm für Zehnjährige"
Die ersten Rezensionen auf das Buch fallen geradezu vernichtend aus. „,Die Start-Up Gang‘ liest sich wie das FDP-Programm für Zehnjährige“, ätzt das Redaktionsnetzwerk Deutschland, Und „Spiegel Online“ überließ die Rezension gleich Trash-TV-Spezialistin Anja Rützel, die es nicht fassen kann, „wie man heutzutage immer noch scheinbar schamfrei derart abgemuffte, fantasiefaule Klischees auspacken kann – und damit durchkommt.“
Wem die Abenteuer von TKKG schon immer zu viele Handtaschenräuber, aber zu wenig „Rapid Prototyping“, „Seeding“ und „Merger“ enthielten, kann weiter bedenkenlos zugreifen. Alle anderen sollten vor dem Kauf der Business-Bande noch einmal überlegen, ob sie nicht doch mit dem Sandmännchen besser beraten wären.
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