Schadenfall der Woche
Jackpot-Gewinner in Konflikt mit chinesischem Heiratsgesetz

Verhüllte Gespenster, maskierte Hexen, geschminkte Vampire: Zu Halloween haben die Deutschen auch in diesem Jahr wieder aufgefahren, was die Kleiderkiste an Spuk- und Gruselstaffage hergibt. Nicht zur Vertreibung von bösen Geistern, wohl aber zur Wahrung eines streng gehüteten Geheimnisses griff nun ein Mann aus dem Südwesten Chinas zum Verkleidungstrick. Um einen saftigen Lottogewinn vor seinen Liebsten geheim zu halten, schritt der unter dem Pseudonym Li agierende Lottospieler zur Scheckübergabe in einem unkenntlich machenden knallgelben Kostüm.
Er habe weder Frau noch Kind von seinem über Nacht hereingebrochenen Reichtum erzählt, gestand der Mann in der „South China Morning Post“. Denn: Er habe Bedenken, dass sie ansonsten „arrogant und faul“ würden. „Ich habe die Sorge, dass sie sich nun anderen gegenüber überlegen fühlen und zukünftig nicht mehr hart arbeiten oder für die Schule lernen wollen", sagte er der Zeitung. Angesichts seines Jackpot-Gewinns von 30,4 Millionen Euro kein strikt von der Hand zu weisender Gedanke.
Von seinem Lottogewinn nahm Li insgesamt rund 23,6 Millionen Euro mit nach Hause. Direkt vor Ort spendete er knapp 700.000 Euro für wohltätige Zwecke, sechs Millionen Euro musste er für Steuern blechen. Seit mehr als zehn Jahren spielt Li Lotto mit denselben Zahlen, dabei gewann er hin und wieder niedrigere Beträge.
Dass er nun mit seiner Zahlenkombination den Jackpot geknackt hat, erfuhr Li am 21. Oktober. Seitdem habe er „kein Auge zumachen“ können, erzählte er. Zur Scheckübergabe musste der fleißige Lottospieler nach Nanning, dem Sitz der Lottogesellschaft, fahren. Dort habe er sein Hotelzimmer aus Angst, dass er den Lottoschein verlieren könnte, zwei Tage lang nicht verlassen.
Das strenge Wahren des Lotto-Geheimnisses gegenüber seiner Frau könnte Li womöglich in Konflikt mit dem chinesischen Gesetz bringen. Wie ein Anwalt gegenüber „Jiupai News“ erklärte, könnte das Verheimlichen des Jackpot-Gewinns gegen das chinesische Heiratsgesetz verstoßen. Denn laut Artikel 13 zählen Besitztümer, die von beiden Eheleuten während der Ehe angehäuft werden, als gemeinsamer Besitz.
Dass Lottogewinner zur Wahrung ihrer Anonymität kostümiert zur Scheckübergabe erscheinen, ist in China hingegen nicht unüblich.
In Europa ist der Euro-Jackpot aktuell auf 118 Millionen Euro angewachsen, nachdem am vergangenen Freitag kein Teilnehmer fünf Richtige sowie die zwei richtigen Superzahlen getippt hat.
