Mit ein paar Mausklicks saftige Renditen einstreichen, online das eigene Vermögen vermehren – ohne Risiko, das investierte Geld bleibt sicher. Aus diesem Wunschtraum wurden rund 200 Privatanleger jäh gerissen: eine kriminelle Bande hatte sie um insgesamt zehn Millionen Euro geprellt. Aktuell sitzen die vermeintlichen Anlagebetrüger in Koblenz auf der Anklagebank. Wie die 208-seitige Anklageschrift auflistet, sollen fünf Männer und zwei Frauen in Callcentern von Israel, Bulgarien und Nordmazedonien aus sowie über Internetseiten Anleger quer durch Deutschland betrogen haben.
250 Euro zur Kontoeröffnung
„Das war super professionell gemacht. Ich ziehe meinen Hut“, soll ein Geschädigter laut „Stern“ in einer Prozesspause gesagt haben. Mit technisch ausgefeilten Grafiken und Statistiken sowie telefonischer Beratung und kleineren Zahlungen auf sein Konto hätten ihn die vermeintlichen Anlageberater um mehrere Zehntausend Euro betrogen.
Das Vorgehen der Kriminellen: Für die Eröffnung eines Handelskontos sollten die Betroffenen zunächst jeweils 250 Euro einzahlen. Ihnen wurden angeblich risikolose Geldanlagen verschiedener Art mit außerordentlich hohen Renditen angeboten. Zudem waren sie angehalten, einen sogenannten „Kapitalsicherungsvertrag“ abzuschließen, der ihnen vorgaukelte, das investierte Geld nicht mehr verlieren zu können. Die vermeintlichen Callcenter-Mittarbeiter hätten falsche Namen verwendet und den Unternehmenssitz nicht korrekt angegeben. Mittels einer Software wurden den Kunden falsche Wertsteigerungen ihrer Anlagen angezeigt. Tatsächlich wurde ihr Geld offenbar nie investiert – und soll stattdessen in das Firmengeflecht der sieben Angeklagten geflossen sein.
Der mutmaßlich betrügerische Online-Handel mit Finanzprodukten in 710 Fällen wurde von der rheinland-pfälzischen Landeszentralstelle Cybercrime bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz ermittelt. Die Angeklagten hätten zwischen 2014 und 2020 eine kriminelle Vereinigung für Betrug geründet und betrieben. Während des Prozesses erklärte der ehemalige Mitarbeiter eines bulgarischen Callcenters für Finanzprodukte: Er habe legal arbeiten wollen, aber dem Callcenter habe die Lizenz gefehlt. Der Chef habe sich nicht an die Regelungen für Finanzgeschäfte gehalten – und schließlich habe man die Kontrolle verloren.
Der Prozess ist zunächst bis zum 29. Dezember angesetzt.


