Der Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine bringt nicht nur viel menschliches Leid mit sich, er wirbelt auch die Rohstoffmärkte durcheinander. Nach Auffassung fast aller Ökonomen dürften die Preise für Erdöl und Erdgas noch einige Jahre auf relativ hohem Niveau liegen. Was weltweit die Verbraucher zum Teil finanziell hart trifft und aktuell die Inflationsraten zusätzlich in die Höhe treibt, beschert Anlegern in Rohstofffonds ordentliche Gewinne.
Paradoxe Situation
Das Problem: Rohstoffe sind eine eher exotische Anlageklasse und werden von Finanzberatern nicht oft beraten, wie Sebastian Weißschnur, Mitglied der Geschäftsführung des Maklerverbunds siehe „Maklers Meinung“). Auch passen die „Klimakiller“ Öl und Gas so gar nicht zum Wunsch vieler Kunden nach einer nachhaltigen Geldanlage. Paradoxerweise kurbelt aber nicht nur der Krieg, sondern ausgerechnet auch die Energie- und Mobilitätswende die Teuerung bei Öl und Gas an.
So befindet sich der Ölpreis „in einem Kraftfeld zwischen der hohen Nachfrage nach Energie und dem erklärten Willen, den Abschied von fossilen Energieträgern zu beschleunigen, um dem Klimawandel Grenzen zu setzen“, erklärt Max Holzer, Investmentstratege bei Union Investment. Vor dem Hintergrund der Energiewende habe die Ölindustrie „sehr lange nicht mehr investiert, schließlich sollen erneuerbare Energien Öl und Gas ersetzen“. Warum also noch viel Geld in die Hand nehmen, um ein neues Ölfeld zu erschließen?
Ölmultis am Drücker
Die Folge: Die Förderkapazitäten könnten nicht mehr rasch hochgefahren werden. Die Ölunternehmen habe das in eine komfortable Situation gebracht. Die Kosten seien niedrig, weil wenig investiert wurde, aber die Cashflows dank der kräftigen Nachfrage und der hohen Preise immens. „Kein Wunder, dass die Aktien von Ölkonzernen in der jüngsten Vergangenheit sehr gut abgeschnitten haben“, resümiert Holzer.
Das wiederum ist der Grund weshalb Fonds wie Blackrock Global Fund World Energy oder xtrackers MSCI World Energy in den vergangenen zwölf Monaten eine Rendite von fast 55 Prozent schafften (siehe Tabelle). In beiden Fonds sind die Ölkonzerne und Tankstellenbetreiber Shell, Exxon Mobile, Chevron, Total Energies und Conoco Philips die größten Positionen.
Der börsengehandelte Indexfonds iShares Stoxx Europe 600 Oil & Gas, der nur in europäische Unternehmen investiert, kann damit nicht mithalten, erzielte auf Sicht von einem Jahr aber immerhin eine Wertsteigerung von rund 27 Prozent. Dominierende Position im Fonds ist Shell mit rund 29 Prozent, gefolgt von Total Energies (15,1 Prozent) und BP (14,3 Prozent). Dieser Passivfonds ist also nicht so breit aufgestellt; bei Shell muss man sogar von einem Klumpenrisiko sprechen. Dessen müssen sich Anleger bewusst sein.
Raffinerien fallen aus
Die drei Fonds sind aktuell also stark in Unternehmen investiert, die den Großteil ihres Geschäfts mit Erdöl und daraus raffinierten Produkten erzielen. Letztere haben sich nach Ansicht von Holzer von der Entwicklung des Ölpreises etwas abgekoppelt, sprich: der Preis für Benzin ist noch kräftiger gestiegen als für Erdöl. Die hohen Kosten an der Zapfsäule lägen nicht zuletzt daran, dass Russland nicht nur ein bedeutender Ölexporteur sei, sondern auch viele Ölprodukte ins Ausland verkaufe. Auch in die EU habe Russland bisher reichlich Diesel und Benzin exportiert. Diese Produktion lasse sich nicht ohne weiteres ersetzen.
Da durch den Krieg auch Raffinerien ausfielen, herrsche bei den verbliebenen Standorten Hochbetrieb, dementsprechend blieben auch die Preise noch eine Weile hoch. Zudem beginne in Europa die Urlaubssaison und China lockere seien Corona-Maßnahmen und benötige wieder mehr Öl. Auch deshalb blieben in den kommenden Monaten die Preise für Erdöl wie auch für raffinierte Produkte hoch.
Seite 1: Steigende Renditen bei ÖlaktienSeite 2: Fonds setzen auf Futures
Ölaktien mit Potenzial
Ähnlich äußert sich Thorsten Schrieber, Vorstand beim Fondsanbieter DJE Kapital: „Der Ölpreis wird sich vermutlich auf einem höheren Niveau einpendeln“. Trotz des bisher bereits fulminanten Aufschwungs sei dies in den Kursen von Ölaktien noch nicht enthalten. Der DJE – Gold & Ressourcen (LU0159550077) ist in signifikanten Umfang in Ölaktien investiert, allerdings auch mit einem Anteil von rund 45 Prozent in Goldminenaktien. Wegen der weltweit steigenden Zinsen steht der Goldpreis aktuell unter Druck beziehungsweise ist kein Ausbruch nach oben zu erwarten. Das bremst derzeit die Performance des Anlagevehikels.
Weitgehend einig sind sich Ökonomen, dass Verbraucher sich beim Erdgas an strukturell höhere Preise gewöhnen müssen. Bislang hätten sich die Europäer mit günstigem Pipeline-Gas aus Russland versorgt, sagt Holzer. In Zukunft müsse Europa den Energieträger vermehrt auf dem Weltmarkt besorgen und als Flüssiggas per Spezialschiff ranschaffen. Bis neue Quellen zum Beispiel in Katar erschlossen seien, dürfte es noch Jahre dauern. Und wie beim Öl stehe auch beim Gas der politische Wille zur Energiewende dem Bau neuer Anlagen und Erschließung neuer Gasfelder entgegen. Eine verzwickte Situation. Für Entspannung wird wohl erst der Ausbau der erneuerbaren Energien sorgen, um dann über eine geringere Nachfrage nach Öl und Gas deren Preis zu mindern – aber das braucht Zeit.
Fonds setzt auf Futures
Der Fonds von Union Investment, UniCommodies, investiert nicht wie die anderen genannten Investmentfonds in Aktien, sondern in Derivate wie Futures auf Rohstoffe und Rohstoff-Indizes. Damit entgehen Anleger zum Beispiel dem Risiko, dass ein Ölkonzern schlecht wirtschaftet. Allerdings besteht bei Futures die Rollproblematik, denn das Investment wird automatisch von einem bald auslaufenden Kontrakt in einen länger laufenden gerollt. Das kann je nach Verlauf der Terminmarktkurve Geld kosten oder bringen. Momentan lässt sich mit Terminmarktgeschäften am Rohstoffmarkt aufgrund der Rollrenditen noch gutes Geld verdienen. Denn durch die aktuellen Knappheiten befinden sich die Terminkurven in einer sogenannten Backwardation. Man kann also den nächsten Kontrakt günstiger kaufen als den aktuellen und dadurch eine Prämie vereinnahmen. Das könnte sich ändern, wenn der Ölpreis wieder zurückgeht. Danach sieht es derzeit zumindest nicht aus.
Wichtig noch zu betonen: Investments in Rohstoff-Fonds sind nur als Beimischung geeignet. Die Preise schwanken stark. Zudem sind die politischen Risiken groß. Dies zeigt nicht zuletzt die aktuelle Debatte über eine Übergewinnsteuer mit der „Kriegsgewinne“ von Energiekonzernen abgeschöpft werden sollen. Auch deshalb sind Rohstoffe eine exotische Anlageklasse.
Seite 1: Steigende Renditen bei ÖlaktienSeite 2: Fonds setzen auf Futures


