Wer durch die Fußgängerzone im niedersächsischen Oldenburg spaziert, stößt auf die bronzene Statue eines Pferdes, das mit „Donnerhall“ nicht nur einen Ehrfurcht gebietenden Namen trägt, sondern auch eine beeindruckende Vita sowohl als Sportpferd, vor allem aber als Zuchthengst aufweist. Knapp 600 Nachfahren soll Donnerhall in seinem Leben gezeugt haben, von denen es viele sportlich ebenfalls zu Glanz und Gloria brachten, unter ihnen Weltmeisterschafts- und Olympiateilnehmer. Pferde also, für die Interessierte bereit waren, hohe Preise zu zahlen.
An dieser Stelle wird das Thema auch für Anleger bedeutsam: Denn Pferde dienen längst nicht mehr nur zum Ausritt, sondern werden in Zeiten niedriger Zinsen auch als Geldanlage interessant. Absolute Toppferde wechseln für Millionenbeträge den Besitzer. Berühmtheit erlangte unter anderem „Totilas“, der oftmals als das berühmteste Dressurpferd der Welt bezeichnet wird und vom ehemaligen Springreiter Paul Schockemöhle im Jahr 2010 für angeblich 10 Millionen Euro gekauft wurde. Verglichen mit dem teuersten Pferd der Welt, „Fusaichi Pegasus“, das einst für kolportierte 70 Millionen US-Dollar den Besitzer wechselte, handelt es sich hierbei jedoch nur um Peanuts.
Perlen finden schwierig
„Der Markt entwickelt sich sehr positiv“, beobachtet Versicherungsmakler Daniel Jokisch, der über sein Unternehmen „Reiter und Ross“ nicht nur Versicherungsschutz für Pferdebesitzer, sondern auch Pferde als Kapitalanlage anbietet. Gerade einheimische Pferde seien international hochgeschätzt. „Die Welt liebt deutsche Pferde, doch gibt es hierzulande immer weniger Pferdezüchter“, sagt Jokisch.
Nicht jedes Pferd setzt aber zum Rendite-Galopp an – im Gegenteil. „Wenn man nur die Medien verfolgt, hört man nur die Geschichten von den Wunderpferden“, mahnt Jokisch, auch im Hinblick auf die große Presseberichterstattung über Totilas vor einigen Jahren. „Totilas ist aber nicht die Regel. Die ganzen Pferde, die es nicht schaffen, bekommt man nur nicht mit“, so Jokisch.
„Alleine im Warmblut-Bereich [Pferde, die für Dressur- und Springwettbewerbe genutzt werden] werden in Deutschland pro Jahr rund 30.000 Fohlen geboren, hinzu kommen rund 700 Fohlen, die sich für den Rennsport eignen“, fasst Pferdeagent Roland Rauscher zusammen. Hinzu komme der zum Teil wesentlich größere ausländische Markt.
Aus dieser schier unübersichtlichen Menge das richtige, da erfolgsversprechende Pferd auszusuchen, ist ohne die entsprechende Expertise kaum möglich. „Da sucht man quasi nach der Nadel im Heuhaufen“, so Rauscher. Stattdessen sind es Spezialisten wie er, die die Auswahl für interessierte Kunden übernehmen und dafür Pferdeauktionen wie in Baden-Baden oder im englischen Tattersalls besuchen. Rauscher hat sich auf Rennpferde spezialisiert – ein wesentlich kleinerer Markt in Deutschland, der somit auch eine höheres Wertseigerungspotential habe. Kunden können bei Rauscher entweder Pferde mit bereits bewiesenem Wert erwerben, die bereits erfolgreich Rennen gelaufen sind und vom Markt eventuell als Deckhengst bzw. -stute angenommen werden.
Die Alternative hierzu sind junge Pferde, man spricht hier von Jährlingen, Absetzern oder Fohlen, oder – einen Schritt weiter – bereits angerittene Pferde. „Das sind Pferde, die bereits im Training, aber noch nicht gelaufen sind“, klärt Rauscher auf.
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Um deren Potenzial zu bestimmen, überprüft Rauscher eine Vielzahl an Kriterien: An erster Stelle wird hier in der Regel die Abstammung genannt – Kunden können hier mithilfe eines sogenannten Pedigrees die Ahnen des Pferdes bis hin zu den Urgroßeltern zurückverfolgen. „Papier ist aber geduldig“, schränkt Makler Jokisch allerdings ein. „Im Gegensatz zu einem Auto, bei dem sich aus den Papieren die Leistungsdaten genau ablesen lassen, weiß man bei einem Pferd nie, was man bekommt.“
Zwar seien die Chancen auf sportliche Erfolge höher, wenn die Eltern ebenfalls sportlich und keine Ackergäule gewesen seien, eine Garantie bekomme man allerdings nicht. Rauscher überprüft deshalb eine Vielzahl an Kriterien: Neben Größe und Entwicklung des Pferdes spielt auch der Anbieter selbst sowie das Verhalten des Tieres eine große Rolle. „Athleten sollten in sich ruhen“, verrät Rauscher. Zusätzlich fließen auch die Ergebnisse einer veterinärmedizinischen Untersuchung (Herz, Lunge, Kehlkopf) in die Bewertung mit ein, die Rauscher schließlich an seine Kunden weiterreicht. Auch Jokisch – obwohl selbst Pferdenarr – greift bei der Auswahl der Pferde ebenfalls auf ein Netzwerk aus Reitern, Bereitern und Trainern zurück. „Selbst als Pferdenarr ist man hier Laie, da es sich um einen sehr speziellen Teilbereich handelt“, sagt Jokisch.
Anleger, die bei ihm in Pferde investieren möchten, steht erst einmal eine gründliche Risikoanalyse bevor – erst danach wird entschieden, ob das Investment in ein einzelnes Pferd oder in einen Pferdepool die geeignete Anlage für den Kunden ist. Andere Beteiligungsformen an der Anlageklasse Pferd gibt es nicht. Zwar existiert mit dem „Equi Future Champions“ zwischen 2012 und 2016 ein Pferdefonds, dieser war nach dem Tod des Gründers John Baumann jedoch eingestellt worden, eine Neuauflage fand nicht statt.
Einzelpferd oder Pferdepool
„Investiert man in ein einzelnes Pferd ist die Chance auf Renditen am höchsten, allerdings auch das Risiko“, erklärt Jokisch. Pferde sind kein Sparplan mit garantierten Renditen, sondern Lebewesen: Gerade wenn es um den Profisport geht, kann ein lädierter Knöchel bereits das sportliche Aus für das teure Ross bedeuten. Auch psychischer Druck ist ein nicht zu unterschätzender Faktor – nicht jedes Tier wird mit diesem fertig.
Wunderpferd Totilas kann auch an dieser Stelle wieder als Beispiel dienen: Kurz nach seinem Kauf für besagte 10 Millionen Euro durch den niedersächsischen Pferdegroßhändler Paul Schockemöhle musste sich der „lackschwarze Tänzer“ aufgrund diverser Verletzungen aus dem Profisport zurückziehen – lukrative Preisgelder waren so nicht mehr möglich, Totilas diente ab diesem Zeitpunkt nur noch als Deckhengst. Besitzer Schockemöhle bezeichnete seinen Kauf später als „Fehlinvestition“.
Einem Totalverlustrisiko können Anleger zwar mit einer entsprechenden Versicherung zwar vorbeugen, sollten aber auch deren Kosten nicht unterschätzen. Wie hoch diese ausfallen können, macht Makler Jokisch anhand eines Beispiels deutlich: „Angenommen Sie kaufen ein Pferd für 100.000 Euro müssen Sie dieses erst einmal ausbilden lassen. Hierfür werden geschätzt weitere 25.000 Euro benötigt.“ Hinzu kommen die Kosten für die Versicherung, für die abhängig vom Umfang zwischen fünf und zehn Prozent des Marktwertes des Pferdes kostet. „Das sind in unserem Fall noch einmal fünf- bis zehntausend Euro. Auch wenn die Versicherung ihnen den Marktwert des Pferdes erstattet, haben Sie immer noch einen Verlust von über 30.000 Euro.“
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Hierbei sind Zusatzkosten, z.B. für Tierarztbesuche, noch nicht berücksichtigt. Läuft es hingegen wunschgemäß und das Pferd erzielt erste Erfolge bei den richtigen Turnieren kann der Wert innerhalb eines Jahres um 100 Prozent steigen. „In unserem Beispielfall wäre das abzüglich der Kosten für Ausbildung und Versicherung eine Rendite in Höhe von knapp 70 Prozent“, rechnet Jokisch vor.
Anleger, die das Risiko breiter streuen möchten, haben bei Jokisch zudem die Möglichkeit, in einen Pferde-Pool zu investieren. Das Prinzip ist einfach: Statt in ein einzelnes Ross investiert der Pool gleich in eine Vielzahl von Pferden, bei denen sie ein Wertsteigerungspotential zu erkennen glaubt. Wenn ein Pferd die in sich gesteckten Erwartungen nicht erfüllt, kann dieser Ausfall durch die anderen Pferde kompensiert werden. Die betroffenen Pferde müssen dabei nicht zwingend als Totalausfall zu werten sein – „wenn es für die Champions League nicht reicht, kann die 2. Liga immer noch eine Option sein“, greift Jokisch zur Fußball-Analogie.
Nasenfaktor ist entscheidend
Die Renditen können sich laut Jokisch sehen lassen: „Der Pool kommt auf gute zweistellige Renditen pro Pferd“, sagt der Makler aus der Nähe von Kleve, will eine pauschale Aussage jedoch unbedingt vermeiden. „Hier eine konkrete Rendite zu versprechen, ist schlicht und einfach unseriös. Eine Wertentwicklung ist bei Pferden noch schwieriger vorauszusagen als bei Aktien.“ Neben der Wertentwicklung des Pferdes stellen Preisgelder eine weitere Renditechance für die Anleger dar. Gerade bei großen Turnieren sind in den vergangenen Jahren die Preisgelder teils deutlich erhöht worden. Beim Aachener CHIO, dem größten Reitturnier der Welt, werden Preisgelder in Höhe von 3,5 Millionen Euro ausgelobt. Beim traditionsreichen Kentucky Derby erhielt zuletzt der Renn-Sieger 1,86 Millionen Dollar ausgezahlt.
Interessierte Anleger müssen jedoch nicht nur das nötige Kleingeld mitbringen. Denn neben einer Investitionssumme von mindestens 30.000 Euro muss der Anleger auch persönlich überzeugen. „Es muss auch menschlich passen“, macht Jokisch deutlich – der sogenannte Nasenfaktor spiele eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ohne ein persönliches Kennlerngespräch mit den übrigen Gesellschaftern ist eine Beteiligung im Pferde-Pool nicht möglich.
Im Ausland sei man in dieser Hinsicht weiter, berichtet Rauscher. In Irland oder England seien schon Beteiligungen an Pferden ab wenigen hundert Euro möglich. „Investitionen für jedes Budget“, sagt Rauscher. In Deutschland gilt das Investment in Stuten und Hengste noch als exotisch. „Das ist kein Investment für jedermann“, bringt es Jokisch auf den Punkt.
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