Rechtsschutz für Mieter/Vermieter: Finanztest bleibt Methodik schuldig

Demnächst gibt es wieder Nebenkostenabrechnungen – ein typischer Grund für Streit mit Vermietern. Da hilft eine Rechtsschutzversicherung. Doch der Baustein Wohnen allein ist relativ teuer, zeigt ein Finanztest. Die Testmethodik bleibt im Dunkeln.

Rechtsschutzversicherungen stehen derzeit hoch im Kurs. Die Stiftung Warentest hatte Hinweise zur Verkehrs-Rechtsschutzversicherung in der April-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest publiziert, die auch für Makler hilfreich sind. Allerdings wurden seinerzeit nur 15 Angebote von 13 Anbietern getestet.

Das erklärt sich aus der Test-Methodik. „Aus dem Dauertest von Rechtsschutzpaketen für die Lebensbereiche Privat, Beruf und Verkehr (PBV) wurden die Angebote ausgewählt, die mindestens das Qualitätsurteil 'Gut' erreicht haben, ausgewählt und daraufhin untersucht, welchen Schutz sie als Einzelpolice nur für den Verkehrsrechtsschutz bieten“, schrieb Finanztest. Dadurch fielen aber einige wichtige und häufig nachgefragte Anbieter durch das Test-Raster.

Ableitung aus Dauertest mit Risiken

Dasselbe Problem zeigt sich nun beim Baustein Mieter-Rechtsschutz bzw. Vermieter-Rechtsschutz in der November-Ausgabe von Finanztest. Aus dem PBV-Paket wurden nur 12 Angebote als Einzelversicherung (Einzelbaustein Wohnen) für Mieter bzw. Vermieter herausgezogen. Anbieter: Advocard, Allrecht, Arag, Deurag, DEVK (nur für Mieter), Ergo, Itzehoer, Örag, Roland, VGH, Württembergische (nur für Vermieter) und Zurich.

Bei vielen Anbietern kostet das große PBV-Paket mehr als 400 Euro pro Jahr (150 Euro Selbstbeteiligung im Schadenfall). Für Vermieter verteuert sich das Paket durch den Baustein Wohnen häufig sogar auf mehr als 500 Euro Jahr, weil ihr Wohnen-Baustein nicht nur „Wohnungs- und Grundstücks-Rechtsschutz“ enthält, sondern auch Rechtsschutz für Steuerstreit, berichtet Finanztest.

Preisvergleich, aber die Bedingungen?

Mieter zahlen für die Einzelpolice (nur Wohnen) zwischen 47 (VGH) und 161 Euro (Allrecht) pro Jahr, Vermieter zwischen 128 (Württembergische) und 864 Euro (Ergo). Dafür wird sehr unterschiedlicher Inhalt geboten. Dazu wird jedoch überhaupt nichts im Artikel gesagt – ein Unding.

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Dafür werden Alternativen zum Baustein Mieter-Rechtsschutz genannt. So gibt es in vielen Städten Mietervereine des Deutschen Mieterbundes (DMB). Die Mitgliedschaft dort kostet oft zwischen 80 und 120 Euro pro Jahr. Im Mitgliedsbeitrag enthalten ist bei vielen Vereinen auch eine Rechtsschutzversicherung.

Alternative Mieterverein?

Die übernimmt die Kosten, sobald der Streit mit einem Mieter vor Gericht geht („Prozesskostenversicherung“). Wo sie fehlt, kann die Prozesskostenversicherung der DMB Rechtschutz-Versicherung selbstständig dazugebucht werden. Auch andere Gesellschaften bieten reine Prozesskosten-Policen, etwa Arag (Tarif Aktiv-Rechtsschutz Immobilie Basis).

In den vergangenen Jahren haben die Mietervereine Konkurrenz bekommen. Finanztest nennt hier die Online-Anbieter Mieterengel.de und Conny.de. Das Onlineportal Mieterengel.de bietet Mitgliedern außergerichtliche Beratung per Telefon oder online durch Partneranwälte. Landet ein Streit vor Gericht, zahlt die Allianz als Prozesskostenversicherer die Kosten (150 Euro SB für Mitglieder). Die Mitgliedschaft im Mieterengel-Club kostet ab 109 Euro pro Jahr (weitere Infos im Netz).

Der „Conny Verein für Verbraucherrechte“ bietet Mitgliedern außergerichtliche Telefonberatung. Geht ein Fall vor Gericht, übernimmt Arag anfallende Anwalts- und Gerichtskosten. Ungewöhnlich: Komfort-Mitglieder zahlen 50 Euro für die Schadenmeldung. Die Mitgliedschaft kostet jährlich ab 96 Euro (weitere Infos im Netz).

Rating hilft Maklern besser

Maklern hilft der aktuelle Rechtsschutz-Finanztest nur bedingt weiter. Hilfreicher dürfte das brandaktuelle Rating privater Rechtsschutzversicherungen des Analysehauses Franke und Bornberg sein. Dabei wurden 87 Tarife von insgesamt 39 Anbietern des PBV-Pakets samt Wohnen auf Stärken und Schwächen geprüft - insgesamt 391 Tarifvariationen.

Ergebnis: Nur zwei Versicherer – Arag sowie Roland Rechtsschutz mit insgesamt drei Tarifen –erhielten die Höchstnote „hervorragend“, acht weitere Versicherer mit insgesamt 20 Tarifen wurden mit „sehr gut“ bewertet. Die Einzelergebnisse, getrennt nach Tarifen für Familien und Singles, stehen hier.

Im Gegensatz zu Finanztest stehen auch die Bewertungsgrundlagen von Franke und Bornberg im Netz. „Der Beratungsprozess bis zu einer fundierten Kaufentscheidung darf sich nicht auf den Vergleich von Prämie und Selbstbehalten beschränken“, fordert Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg.

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