Rechtsschutz: Blick hinter die Kulissen für Makler

Die Märkte, in denen sich der Rechtsschutz bewegt, verändern sich massiv. Um die Folgen für den Versicherungsschutz und die häufigsten und teuersten Rechtsschutzschäden ging es auf einem virtuellen Maklerforum von KS/Auxilia.

Der Rechtsschutzspezialist KS/Auxilia hatte Makler am Mittwoch zu einem virtuellen Makler-Forum unter dem Motto „Jetzt erst Recht“ eingeladen. Als Maklerversicherer wolle man den Geschäftspartnern  Mehrwerte und neue Impulse für ihren Vertriebs-Alltag bieten.

Den Auftakt bildete Vorstandschef Rainer Huber. Er zeigte auf, wie die Digitalisierung den gesamten Rechts- und Rechtsschutzmarkt verändert. Ausgangspunkt: Hierzulande gibt es rund 23 Millionen Policen mit einem Durchschnittsbeitrag von 210 Euro bei einer durchschnittlichen Schadenhöhe von 705 Euro. Die Combined Ratio rutschte nach drei Jahren  im knappen Profitbereich wieder ins Negative und lag 2020 bei 102,6 Prozent – rund die Hälfte der Anbieter schrieb zuletzt also wieder rote Zahlen.

Makler noch mit viel Rechtsschutz-Potenzial

Huber sieht bei Maklern noch großes Potenzial. Von den 23 Millionen Policen seien rund 20 Prozent im Maklerbestand (4,6 Millionen Verträge). Während die Haushaltsdurchdringung beim Rechtsschutz insgesamt rund 45 Prozent ausmacht, sind es in den Maklerbeständen nur 20 bis 30 Prozent, wie Makler selbst schätzen. Makler liegen also unter ihrem Potential. Das Marktstorno samt Umdeckungen betrage rund sechs Prozent (275.000 Verträge). Durch leichtes Stückzahlwachstum der Maklerbestände schätzt Auxilia die Gesamtzahl der jährlich über Makler eingedeckten RS-Verträge auf 300.000.

„Der Rechtsschutz wandelt sich vom individuellen Schadenfall zur permanenten digitalen Suche nach Ansprüchen durch die Klageindustrie“, hat Huber beobachtet. Rhetorisch fragt er: Hat der Fiat-Ducato- Diesel-Fahrer, haben die PKV-Kunden wirklich Probleme, oder werden ihnen permanent mögliche Ansprüche aufgezeigt? „Das Leben der Verbraucher wird zunehmend digital auf eventuelle Ansprüche durchforstet“, beklagt der Vorstandschef. „So war Rechtsschutz jedenfalls nicht gedacht und auch nicht kalkuliert.“

Warum digitales Schadenmanagement eher Versicherten hilft

Dennoch sei es gut, dass durch Digitalisierung das Schadenmanagement verbessert werde – auch durch mehr Schnittstellen zum Verbraucher. Da seien die RS-Anbieter gut beraten, selbst Interessenten auf Ansprüche zu lenken, etwa über Netzwerkpartner wie Anwaltskanzleien. Wer das verpasse, überlasse Rechtsdienstleistern das Feld, deren Geschäftsmodelle auf den Zeitpunkt des Schadenfalls (point of claim) abzielten, der zunehmend zum point of sale werde, meint Huber.

Allerdings machte er Menschen ohne Rechtsschutzversicherung da wenig Hoffnung: Für manche Anwälte und Teile der „Klageindustrie“ seinen Nichtversicherte als Mandanten uninteressant (oft zu niedrige Streitwerte). Zudem macht die 2021 erfolgte Erhöhung der Justizkosten- und Rechtsanwaltsvergütungen um 15 Prozent die Verfolgung eigener rechtlicher Interessen ohne Rechtsschutzversicherung finanziell vielfach unmöglich.

An diesr Stelle sollten Makler im Kundengespräch ansetzen, meint Huber. Immerhin muss ein RS-Versicherter den juristischen Erfolg nicht mit einem Legal-Tech oder einem Prozessfinanzierer teilen und Rechtsansprüche ließen sich ohne Kostendruck verfolgen.

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Am meisten Streit im Verkehrs- und Arbeitsrecht

Auxilia bezifferte auch die teuersten und häufigsten RS-Schäden. „Nur wenn Kunden den Nutzen der Versicherung erkennen, sind sie für eine Beratung offen“, erinnert Bernd Rademacher. Schadenbeispiele seien das Salz in der Suppe, so der Auxilia-Vorstand Rechts-Service. Die meisten Schäden verzeichnete der Versicherer 2021 in den Bereichen Verkehrs-RS (32 Prozent), Arbeits-RS (27 Prozent), Vertrags-RS (9,5 Prozent), Versicherungsvertrags-RS (7,5 Prozent) und Wohnung/Grundstücks-RS (7 Prozent).

„Die teuersten Schäden sind sogenannte Masseschäden“, berichtet Rademacher. Als Beispiele nennt er den Abgasskandal mehrerer Autohersteller (11 Prozent der Masseschäden 2021), unplausible PKV- Beitragsanpassungen (3 Prozent der Masseschäden), Anlegerklagen nach der Wirecard-Pleite sowie Streit um Leistungen aus der Betriebsschließungsversicherung während des Pandemie-Lockdowns und andere Massefälle (insgesamt 5 Prozent). Somit entfielen 81 Prozent aller Schäden auf Fälle, die kein Masseschaden sind, Tendenz fallend.

Masseschäden und Ursachen für deren wachsende Zahl

Bisher teuerster RS-Schaden ist der Dieselskandal, der seit 2015 bei den RS-Versicherern insgesamt auf einen Streitwert von über neun Milliarden Euro geklettert ist (Durchschnitts-Streitwert: 26.000 Euro). Für 2022 rechnet die RS-Branche mit einem Schadenaufwand von über 1,2 Milliarden Euro bei mehr als 380.000 Fällen.

Als Ursache für die zunehmenden Masseschäden sieht Rademacher die Stärkung der Verbraucherrechte durch Rechtsprechung, gestiegenes Verbraucherbewusstsein für bestehende Ansprüche, einen wachsenden Markt für Verbraucherrechtsstreitigkeiten, die Professionalisierung der Kanzleien in der Mandatsakquise („Claims-Fishing“), neue Klagemöglichkeiten (Musterfeststellungsklage, EU-Verbandsklage-Richtlinie) sowie einen Vereinfachten Zugang zum Recht durch Legal-Tech-Angebote.

Ein Erfolgsrezept gebe es auch mit RS-Deckung bei Masseschäden nicht, meint Rademacher. Im Abgasstreit mit VW sei es besser gewesen, abzuwarten, zeigten 80 Prozent der Fälle. Anders bei Betriebsschließungsversicherungen, wo anfangs noch Vergleiche nach dem Bayerischen Modell möglich waren, die BGH-Rechtsprechung zuletzt aber Versicherten einen mächtigen Dämpfer verpasste.

Wie Makler RS-Versicherer bei Kanzleisuche einspannen können

Auxilia dient sich Maklern und deren Kunden auch als Helfer bei der Anwaltssuche an. Sinnvoll könne der Kundenkontakt zu einer digitalen Zentralkanzlei sein. Beispielhaft nannte der Versicherer die Rightmart Rechtsanwalts GmbH, mit der Auxilia seit zwei Jahren kooperiert. Es komme bei solchen Kanzleien auf einen Full-Service von der Erstberatung bis zur gerichtlichen Klärung an sowie auf Spezialisierung in allen Bereichen des Verbraucherrechts, stete Erreichbarkeit durch 100 Prozent Digitalisierung, Größe und Erfahrung der Kanzlei, auch und gerade in allen großen Masseschäden.

Gemäß der Studie „Trends I/2022“ der BBG-Betriebsberatung, an der sich 570 Makler und Mehrfachagenten beteiligt hatten, sind Auxilia (25 Prozent der Nennungen) und Arag (20,8 Prozent) die Favoriten bei der Vermittlung von privaten Rechtsschutzpolicen. Dahinter folgen mit weitem Abstand Deurag und Concordia (je 10,4 Prozent). Beim gewerblichen Rechtsschutz ist die Rangfolge etwas anders: Da führt Arag (25,1 Prozent der Nennungen) vor Auxilia (16,1 Prozent) und Roland (12,7 Prozent).

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