R+V entwickelt Sicherheitskonzept gegen Automatensprengungen

Über 400 Geldautomaten wurden im vergangenen Jahr gesprengt. Die Schäden an Bankfilialen und umliegenden Gebäuden sind oft enorm. Nun soll ein neues Sicherheitskonzept Abhilfe schaffen.

Automatensprengung Bild: Richard Böck Versicherungsmakler GmbH

Ein Bild der Verwüstung: Ein Vorfall aus Essen verdeutlicht die Stärke der Explosion. Bild: Richard Böck Versicherungsmakler GmbH

Vergangenen Donnerstag jagte eine Explosion die Bewohner des Kerpener Stadtteils Brüggen aus dem wohlverdienten Schlaf: Bislang unbekannte Täter hatten gegen 2 Uhr nachts einen Bankautomaten einer Sparkassen-Filiale in die Luft gejagt, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet.  

Was die Täter nicht wussten: Der gesprengte Geldautomat war defekt und somit nicht mit Geld befüllt. Dennoch ist der entstandene Schaden enorm: Bilder zeigen einen komplett verwüsteten Schalterraum, die Glasfassade liegt zersplittert auf dem Bürgersteig, auch Teile des Mauerwerks wurden beschädigt. Vorsorglich wurden die über der Bank liegenden Wohnungen von der Feuerwehr geräumt.  

Geldautomatensprengungen auf Rekordhoch

Seit Jahren werden in der gesamten Republik immer wieder Geldautomaten in die Luft gesprengt – Tendenz steigend. Laut Zahlen des Bundeskriminalamtes sprengten Kriminelle im vergangenen Jahr über 400 Geräte – ein Rekord.  

Leiteten die Täter anfangs zumeist ein explosives Gasgemisch in die Automaten, hat sich die Vorgehensweise in den vergangenen Jahren geändert. „In den Banken werden jetzt Mittel genutzt, die dieses Gas neutralisieren und die Explosion verhindern. Inzwischen haben die Kriminellen andere Wege gesucht, um an das Bargeld zu kommen – viele nutzen jetzt Festsprengstoff“, berichtet Frank Lohmeier, Risikoberater bei der R+V Versicherung. Inzwischen sei diese Praxis bereits in 40 Prozent der Fälle zu beobachten.

Nicht immer gelangen die Täter bei ihren Versuchen an die erhoffte Beute. Mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit hinterlassen sie aber hohe Schäden. Wie hoch dieser für die Versicherer ausfällt, ist schwierig zu bestimmen. Der Versichererverband GDV verfügt über keine entsprechenden Daten, auch die meisten Versicherer erheben keine spezifischen tatbezogenen Statistiken.

Schäden werden immer größer

„Aufgrund der Veränderungen in der Vorgehensweise der Täter – weg von Gassprengungen hin zu der Verwendung von Festsprengstoffen – werden die Schäden leider immer größer, bis hin zu ersten Personenschäden“, teilte ein Provinzial-Sprecher gegenüber procontra mit. Auch R+V-Experte Lohmeier bestätigt das hohe Ausmaß der verursachten Schäden. „Der Schaden durch eine solche Sprengung beläuft sich schnell auf einige 100.000 Euro – das ist oft mehr, als die Kriminellen an Bargeld erbeuten.“ Hinzu komme – wie im Kerpener Fall – die Gefährdung der Anwohner.  

Eine mögliche Lösung hat die R+V nun in Zusammenarbeit mit der Berliner Firma Veloform entwickelt: Diese besteht aus freistehenden Pavillons, die nach Informationen der R+V aus bis zu 15 Zentimeter starkem Stahlbeton bestehen. In deren Innerem befinden sich Geldautomaten, die der Kunde über ein Fenster erreichen kann.  

Mit Stahlbeton gegen Sprengstoff

 „Das Material ist ähnlich wie bei einem Bunker – mit herkömmlichen Sprengmitteln erreicht man da gar nichts“, zeigt sich Veloform-Geschäftsführer Anselm Franz von seinen Pavillons, die sonst auch auf Festivals oder bei Messen in anderer Funktion Verwendung finden, überzeugt. Einen ersten Sprengversuch habe der Stahlbeton-Pavillon unbeschadet überstanden.  

Nicht jeder Bankautomat wird durch das neue Sicherheitskonzept ersetzt werden können. Schließlich werden die Pavillons auf freistehenden Plätzen mit ausreichend Sicherheitsabstand zu umliegenden Gebäuden aufgebaut – nicht überall dürfte der hierfür notwendige Platz vorhanden sein.  

Der eingerichtete Sicherheitsabstand hat aber aus Sicht von Lohmeier eine entscheidende Funktion: „Damit ist die Gefahr für Anwohner und Bankgebäude gebannt.“ Rund 250 Banken verwenden die Stahlbeton-Pavillons bislang, bestätigte eine R+V-Sprecherin auf procontra-Nachfrage. Auch sonst sei das Interesse der Banken groß. „Wir werden derzeit von Anfragen geradezu überrannt“, erklärte Veloform-Geschäftsführer Franz. Das neue Sicherheitsmodell steht allen Banken und somit nicht nur den Volks- und Raiffeisenbanken offen, zu denen die R+V gehört.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!