Es war eine Personalie, die die politischen Kommentatoren in dieser Woche besonders aufhorchen ließ: Der Freiburger Ökonom und ehemalige Wirtschaftsweise Lars Feld wird der persönliche Berater von Finanzminister Christian Lindner. Offiziell heißt die Position: „Persönlicher Beauftragter des Bundesministers der Finanzen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung“.
Der 55-Jährige ist mit seinen Positionen nicht unumstritten, er gilt laut Tagesschau.de als einer der profiliertesten Befürworter einer harten Schuldenbremse sowie einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik – diese sieht vor, dass insbesondere durch die Deregulierung von Unternehmen wirtschaftliches Wachstum erzeugt werden kann.
Plädoyer für dynamisches Renteneintrittsalter
Auch die Positionen zum Thema Rente sind streitbar, wie Felds Äußerungen in einem Interview mit der „Zeit“ zeigen. In diesem sprach sich Feld dafür aus, dass gesetzliche Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung anzupassen – eine Erhöhung wäre angesichts der steigenden Lebenserwartung die Folge. „Wir haben das in meiner Zeit im Sachverständigenrat mehrmals vorgerechnet. Man würde höchstens bei einem Renteneintrittsalter von 70 Jahren enden“, so Feld.
Ziel der Erhöhung solle die Stabilisierung des Umlagesystems sein, das aufgrund der demografischen Verschiebungen und teurer Rentengeschenke, beispielsweise der Mütterrente, immer stärker unter Druck gerät. Mittlerweile liegt der Zuschuss des Bundes bereits über 100 Milliarden Euro.
Damit stößt Feld ins gleiche Horn wie der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums, der im vergangenen Jahr ein Reformpapier zur Rente veröffentlichte. Eine der Kernforderungen: eine dynamische Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Rentenexperte Axel Börsch-Supan, bei dem die Federführung des Gutachtens lag, sprach sich dafür aus, dass zwei Drittel der zusätzlichen Lebenserwartung auf das Renteneintrittsalter angerechnet werden sollen. Sprich: Steigt die Lebenserwartung um drei Jahre, erhöht sich das Renteneintrittsalter um zwei Jahre. Derzeit wird das Renteneintrittsalter schrittweise erhöht, bis es im Jahr 2029 bei 67 Jahren liegt.
Politik will Renteneintrittsalter konstant halten
Eine weitere Erhöhung wurde seitens der Politik bislang scharf zurückgewiesen, das Renten-Gutachten im vergangenen Jahr entsprechend hart kritisiert. „Das ist der asoziale Oberhammer", kommentierte Linken-Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow damals die Ergebnisse der Wissenschaftler.
Auch im Koalitionsvertrag der Ampel ist klar festgehalten: Am Renteneintrittsalter wird vorerst nicht weiter gerüttelt. Stattdessen soll das Rentensystem – bei festem Rentenniveau und einer Deckelung des Beitragssatzes – mittels teilweiser Kapitaldeckung generationengerecht abgesichert werden. Zehn Milliarden Euro an Kapitalstock will die Regierung hierfür erst einmal zur Verfügung stellen.
Viel zu wenig kritisieren Experten. R+V-Chef Norbert Rollinger bezeichnete die Anschubfinanzierung gar als Feigenblatt. Gut möglich also, dass das Thema Renteneintrittsaltererhöhung in den kommenden Jahren doch wieder eine Renaissance erfahren wird.
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