Wegen anhaltend niedriger Zinsen ist die Gesamtverzinsung klassischer Rentenversicherungen 2021 auf 2,73 Prozent zurückgegangen, ergab die jährliche Untersuchung „Überschussbeteiligungen und Garantien deutscher Lebensversicherer“ der Kölner Rating-Agentur Assekurata für 2021. Generell sind noch immer etwa 83 Prozent der Kapitalanlagen in festverzinslichen Wertpapieren investiert, die im anhaltenden Tiefzinsumfeld kaum Erträge abwerfen, ergab der „Marktausblick zur Lebensversicherung 2021“ von Assekurata.
„Gleichzeitig erfordern Staatsanleihen und Zinstitel kein Zurückhalten von Eigenmitteln und stärken so die Solvency-II-Quoten - ein Spagat für die Anbieter“, sagt Lars Heermann. „Das langanhaltende Tiefzinsumfeld schlägt sich bereits deutlich in der Ertragsstruktur der Lebensversicherer nieder“, hat der Bereichsleiter für Analysen und Bewertungen bei Assekurata ausgerechnet.
Rohüberschuss vorwiegend aus Risikogewinn
Assekurata hat ermittelt, wie stark die Beitragseinnahmen in zwei unterschiedlichen Fünfjahreszyklen jeweils zum Rohüberschuss beigetragen haben und aus welchen Ergebnisquellen dieser gespeist wird. So betrug der gesamte Branchen-Rohüberschuss 2015 bis 2019 durchschnittlich 12,2 Prozent der gebuchten Bruttobeiträge, während er 2010 bis 2014 mit 15,7 Prozent noch deutlich höher gelegen hatte.
„Des Weiteren hat das Risikoergebnis dem Kapitalanlageergebnis mittlerweile den Rang als wichtigste Ergebnisquelle deutlich abgelaufen, was auf die niedrigen Zinsen in der Neuanlage und insbesondere auf die hohen ZZR-Anforderungen für die Hochzinsgarantien zurückzuführen ist“, erläutert Heermann.
Das Risikoergebnis spielt also mittlerweile eine dominante Rolle für den Rohüberschuss. In Zahlen: 8,2 Prozent des Rohüberschusses in Relation zu den gebuchten Bruttoprämien stammen aus dem Risikoergebnis, während die Kapitalanlage hier auf 4,6 Prozent zurückging. Die Angaben gelten als 5-Jahresschnitt von 2015 bis 2019. Zum Vergleich: Im Zeitraum von 2010 bis 2014 lag die Kapitalanlage mit 8,9 Prozent noch vorn (Risikoergebnis: 7,2 Prozent).
Wo die Bruttobeiträge gestiegen und gefallen sind
Der Ergebnisbeitrag aus der Kapitalanlage (nach Garantien und ZZR) geht also zurück. „Insgesamt fällt der Rohüberschuss geringer aus als in den 5-Jahres-Periode zuvor – von 16 auf 12 Prozent der gebuchten Bruttobeiträge“, so Heermann. Auskömmliche und die Eigenmittel schonende Geschäftsfelder seien für den künftigen Erfolg entscheidend. Auch die Kosten müssten weiter runter.
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Starke Zuwächse bei den Bruttobeiträgen von 15 Prozent und mehr erzielten 2020 laut Assekurata gegenüber 2019 diese Anbieter: HanseMerkur, My Life, die Bayerische, Ideal, Condor und R+V AG. Größte Verlierer mit über 15 Prozent Verlust an Bruttobeiträgen waren Bayerische Beamten LV, R+V VVaG und Ergo.
Starten Fondspolicen endlich durch?
Im Neugeschäft haben sich Assekurata zufolge 2020 besonders Fondspolicen gut entwickelt. Das Analysehaus rechnet mit weiteren Wachstumsbemühungen, nicht zuletzt aufgrund der beschlossenen Höchstrechnungszinsabsenkung zum 1. Januar 2022.
„Bei einem künftigen Rechnungszins von 0,25 Prozent sind vollständige Kapitalgarantien auf die eingezahlten Beiträge kalkulatorisch kaum mehr möglich, so dass für die LV-Produkte spätestens ab dem kommenden Jahr eine neue Ära beginnt“, prognostiziert Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will.
Garantiezins: kein eigenes Renditemerkmal mehr
Assekurata hält es für geboten, den Charakter der Garantieverzinsung sachgerecht einzuordnen. „Die Garantieverzinsung stellt gerade kein eigenes Renditemerkmal mehr dar, sondern bietet risikoaversen Kunden als jährliche nominale Mindestverzinsung ein produktimmanentes Sicherheitsnetz“, stellt Heermann klar. Dieses Netz sollte stets im Zusammenhang mit der Gesamtleistung einer Police, bestehend aus der Überschussrendite und der biometrischen Absicherung des Langlebigkeitsrisikos, betrachtet werden.
Was die Kapitalanlage betrifft, hat Assekurata inzwischen die Anlageverantwortlichen von 34 Versicherern befragt. „Das Stimmungsbild hat sich gegenüber 2020 deutlich in die positive Richtung verändert“, schreibt Analystin Romina Röpke in einem Blog-Beitrag. Unternehmensanleihen gelten demnach 2021 als die wichtigste Anlageklasse. 82 Prozent sprechen dem Segment eine mittlere, hohe oder sehr hohe Bedeutung zu.
Unternehmensanleihen, Aktien und Immobilien
„Dies scheint unter Renditegesichtspunkten logisch, jedoch hat die Corona-Pandemie insbesondere bei vielen Unternehmen beziehungsweise Branchen Spuren hinterlassen“, so Röpke. Die Gefahr von Downgrades und Ausfällen bei Unternehmensanleihen steigt und stelle damit ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar.
Neben Unternehmensanleihen nennen die Befragten auch Aktien und Immobilien als wichtige Anlagesegmente: Hier wird die Bedeutung von 78 Prozent der Befragten als mittel oder höher eingestuft. Infrastruktur und Private Debt sind besonders attraktive neuere Anlagesegmente und haben mit je 20 Prozent den größten Anteil an Antworten der Kategorie „sehr hoch" erhalten. Während die Aktienquote auf dem bisherigen Niveau gehalten werden soll, plant die Hälfte der Befragten eine Erhöhung der Immobilienquote.
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