Die deutschen Versicherungsunternehmen erwarten für die kommenden sechs Monate spartenübergreifend eine deutlich negative Geschäftsentwicklung. Das geht aus der Sommerumfrage (durchgeführt im Juli und August 2022) des Ifo-Instituts unter den Versicherungsunternehmen hervor. Der aktuelle Wert liegt bei -12,5 Punkten. Dabei handelt es sich um den Saldo aus abgegebenen positiven und negativen Einschätzungen. Langfristig betrachtet liegt dieser Wert bei +13,7. Im Vergleich zum Vorquartal ist er allerdings um 21,6 Punkte nach unten abgesackt. Laut Studie handelt es sich beim aktuellen Wert um den zweittiefsten seit Beginn der Messungen.
„Der Krieg in der Ukraine, die hohe Inflation, anhaltende Lieferkettenengpässe und die starke Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung trüben die Stimmung stark ein“, kommentiert GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen den aktuellen Ifo-Konjunkturtest. In den vergangenen Jahren waren die Aussichten der Versicherer, trotz Corona, nicht so getrübt gewesen. Dass es im Neu- und Bestandsgeschäft der Assekuranz nun aber wirklich nach unten gehen könnte, hatte unlängst auch Justus Lücke, Geschäftsführer der Versicherungsforen Leipzig, in seinem procontra-Gastkommentar prophezeit.
Schlechter als zu Beginn der Pandemie
Außerdem sind nicht nur die Aussichten schlecht – auch die aktuelle Geschäftslage. So schätzen 28 Prozent der Unternehmen diese als negativ ein. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2020, als die Corona-Pandemie gerade begonnen hatte, lag dieser Anteil bei 23 Prozent. Die aktuelle wirtschaftliche Situation treibt den Versicherern also mehr Sorgenfalten auf die Stirn als der damals noch ziemlich ungewisse Ausblick auf eine Pandemie. Das übergeordnete Geschäftsklima für die Branche (= Geschäftslage + Geschäftserwartungen / 2) liegt bei -14,7 gegenüber einem langfristigen Mittelwert von +13,6.
Der spartenbezogene Blick auf die Lebensversicherung offenbart, dass die Aussichten dort besonders schlecht sind. Die Geschäftserwartungen sind gegenüber dem Vorquartal von -0,9 auf -22,3 abgestürzt. Auch die aktuelle Lage liegt mit -18,8 Punkten deutlich unter dem langfristigen Mittelwert von +17,0. Hoffnungsträger bleiben fondsgebundene Lebensversicherungen mit +13,1. Allerdings hatte deren Wert im Frühjahr noch bei +56,3 gelegen. Hier hat die Branche ihre Erwartungen an das Neugeschäft also enorm nach unten korrigiert.
Hoffnung in PKV und Haftpflicht
Besser sieht es in der privaten Krankenversicherung (PKV) aus. Die Geschäftserwartungen (+5,8) wurden nur leicht um -1,7 nach unten korrigiert. Anscheinend wird der Trend zur privaten Krankenzusatzversicherung als krisensicher eingeschätzt. Die Anbieter rechnen allerdings mit deutlich steigenden Leistungsausgaben und damit über kurz oder lang auch mit Beitragserhöhungen.
In der Schaden-/Unfallversicherung wird die aktuelle Geschäftslage zwar insgesamt schlecht eingeschätzt (-30,7 Punkte), jedoch ein wenig besser als im Vorquartal (-33,5). Die Erwartungen sind allerdings deutlich abgesackt, um 38,6 Punkte auf nun -12,9. Das bedeutet, dass unter anderem die Hoffnung auf viel Neugeschäft von einer sehr üppigen in eine düstere, defizitäre Prognose gerutscht ist. Der einzige Produktbereich mit positivem Geschäftsklima ist derzeit die Haftpflichtversicherung (+17,2). Ein Lichtblick im Komposit-Bereich ist die Erwartung an die Schadenentwicklung. Hier rechnen die Anbieter auch in Krisenzeiten mit rückläufigen Ausgaben.


