Kfz-Versicherung: Wie wechselwillig sind Kunden wirklich?

Im vergangenen Jahr blieb die Wechselsaison in der Kfz-Versicherung wohl auch coronabedingt hinter den Erwartungen der Branche zurück. Und dieses Jahr? Verschiedene Studien kommen hier zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Die letztjährige Wechselsaison in der Kfz-Versicherung verlief aus Sicht der Versicherer enttäuschend. „Das Wechselgeschäft war anders als sonst. Wir registrieren ein deutlich geringeres Interesse der Bundesbürger, sich um ihre Autoversicherung zu kümmern“, erklärte Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandssprecher der HUK-Coburg, Deutschlands größtem Kfz-Versicherer, Anfang des Jahres im Gespräch mit der Börsen-Zeitung.

Und dieses Jahr? Angesichts der hohen Inflation könnte das Interesse der Deutschen an ihrer Kfz-Versicherung wieder deutlich zunehmen. Schließlich sei das Einsparpotenzial in diesem Jahr besonders hoch, behauptet das Portal Finanztip. Dies liegt unter anderem daran, dass immer mehr Versicherer eine rückwirkende Anpassung der Fahrleistung ermöglichen. Auch der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter offenbart nach wie vor Möglichkeiten, Geld zu sparen.  

Wechselwillig oder nicht?

Doch wie groß die Wechselbereitschaft der Kunden ist, darüber sind sich die Versicherer uneins. Zwei jüngst veröffentlichte Umfragen zum Thema zeichnen ein widersprüchliches Bild.  

Laut ADAC Autoversicherung denkt derzeit jeder dritte Deutsche (36 Prozent) darüber nach, seine Kfz-Versicherung zu wechseln. Hinzu kommen sechs Prozent, die sich bereits für einen Wechsel entschieden haben sowie drei Prozent, die bereits den Versicherer getauscht haben. Addiert man diese Zahlen, zeigt sich fast die Hälfte der Deutschen wechselbereit.  

Wesentlich zurückhaltender zeigen sich hingegen die Autofahrer laut einer Studie der Allianz Direct, des Direktversicherers der Allianz. Zwar fühlte sich von den 1.000 befragten Autobesitzern mehr als jeder Zweite (54 Prozent) durch das Autofahren finanziell belastet, dennoch wird das im Kfz-Versicherungswechsel schlummernde Einsparpotenzial nur von einem Bruchtteil wahrgenommen.  

Nur jeder Zehnte wechselt seine Kfz-Versicherung laut Allianz Direct jährlich. Mehr als ein Drittel der Autofahrer (37 Prozent) wechselt seine Versicherung hingegen maximal alle sechs Jahre, ein Fünftel hat sie sogar noch nie gewechselt.  

Bei den Gründen für die Zurückhaltung überwiegt die Befürchtung vieler, durch ihren Wechsel ihre Schadensfreiheitsklasse zu verlieren. 56 beziehungsweise 50 Prozent (mehrere Antworten möglich) gaben an, keine Lust beziehungsweise keine Zeit zu haben, sich mit einem Versicherungswechsel zu beschäftigen. 

Abschluss über den Vermittler

Knapp ein Drittel (31 Prozent) erklärte zudem, nicht zu wissen, wie ein Wechsel der Versicherung überhaupt funktioniere. Gerade hier schlummert für Vermittler Potenzial. Denn obwohl Vergleichsportale wie Check24 eifrig um wechselwillige Kunden werben, ist und bleibt der Vermittler für die meisten Kunden der wichtigste Ansprechpartner – hier sind sich beide Studien einig.  

Laut Allianz Direct-Umfrage hat über die Hälfte der Befragten seine letzte Kfz-Versicherung bei einem Versicherungsvermittler abgeschlossen. Nur ein Fünftel griff für einen Abschluss auf ein Online-Vergleichsportal zurück. Auch gegenüber der ADAC Autoversicherung erklärten 45 Prozent der 1.047 Befragten, ihre Kfz-Versicherung direkt bei einem Vertreter ihres Versicherers abgeschlossen zu haben. Hinzu kommen acht Prozent, die sich für einen Abschluss bei ihrem Makler entschieden. Der Anteil der Abschlüsse über ein Vergleichsportal lag in dieser Umfrage gerade einmal bei sieben Prozent.  

Der Preis der Police ist bei der Wahl der Kfz-Versicherung für viele zwar ein wesentlicher Faktor, jedoch bei weitem nicht alleiniges Kriterium bei der Wahl des Anbieters. So ist für gut zwei Drittel (67 Prozent) die schnelle Hilfe im Schadensfall von großer Relevanz – vor allem bei Autofahrern zwischen 56 und 65. Das Renommee des Versicherers spielt hingegen kaum eine Rolle.