Kfz-Versicherung: Nur wenige Kunden bereit zur CO2-Kompensation

Sieben von acht Kfz-Versicherten sind 50 Euro im Jahr zu teuer, um damit ihren CO2-Ausstoß zu kompensieren. Dennoch wollen viele Kunden nachhaltige Policen abschließen. Vermittler sind dabei ein wichtiger Faktor und Navigator.

Sowohl bei der Geldanlage als auch beim Abschluss von Versicherungen ist es den Menschen zunehmend wichtig, dass ihr Produkt nachhaltiger beziehungsweise umweltfreundlicher strukturiert ist als der Durchschnitt vergleichbarer Verträge. Das belegen immer wieder Umfragen.

Laut Dr. Jürgen Cramer, Vorstandsmitglied der Sparkassen Direktversicherung, tritt dieses Interesse der Kunden nun aber in den Hintergrund. „Die Klimakatastrophe scheint im Moment stark an Beachtung zu verlieren: Ukraine-Krieg, Inflation und Gasknappheit, aber auch die Bedrohung durch ein zunehmend aggressiver auftretendes, totalitäres China, dominieren eher die Diskussion“, so Cramer.

50 Euro CO2-Kompensation ist den meisten zu viel

Dass den Menschen derzeit das Geld für den Klimaschutz fehlt beziehungsweise, dass sie es momentan lieber für zukünftige Ausgaben zur Seite legen, untermauert der Sparkassen Direktversicherungsvorstand mit den Ergebnissen einer hauseigenen Umfrage. Sein Unternehmen entwickle gerade einen „Umwelttarif“ für die Kfz-Versicherung und würde deshalb seine Kunden nach deren Bereitschaft zur CO2-Kompensation im Rahmen der Police befragen.

Demnach sind nur zehn Prozent der Befragten dazu bereit, einen Zuschlag von bis zu 50 Euro pro Jahr zum Kfz-Versicherungsbeitrag zu bezahlen, um ihren persönlichen CO2-Ausstoß zu kompensieren. Weitere zwei Prozent würden auch mehr als 50 Euro akzeptieren. Dagegen gaben 74 Prozent an, sich lieber selbst um diese Angelegenheit kümmern zu wollen. Die übrigen 14 Prozent sagten, dass es sich dabei um eine unsinnige Idee handle und man den eigenen CO2-Ausstoß gar nicht kompensieren könne. Teilnehmerzahlen für seine Umfrage nannte das Unternehmen nicht.

Vermittler als Navigator

Möglicherweise wird die direkte Verzahnung von monetärer CO2-Kompensation via Zusatzbeitrag und der Versicherungspolice derzeit nicht gut angenommen. Das widerlegt aber nicht automatisch das Interesse der Menschen, nachhaltige Versicherungen abzuschließen. Schließlich können diese auf verschiedene Arten ausgestaltet sein. Beispielsweis gibt es Wohngebäudeversicherungen, die im Schadenfall eine höhere Leistung bieten, sofern der Schaden durch nachhaltige Materialien und energieeffiziente Lösungen repariert wird. Ähnliche Produkte gibt es auch in anderen Sparten, häufig gepaart mit Baumpflanz-Aktion, wodurch weiteres CO2 kompensiert wird.

Versicherungsvermittler sollten sich bewusst sein, dass sie – trotz verpflichtender Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden – immer noch einen individuellen Hebel für den Vertrieb nachhaltiger Produkte in der Hand halten. Wer sich bei der ESG-konformen Produktauswahl für seine Kunden noch unsicher ist, kann sich zum Beispiel hier einige Tipps holen.