Kfz-Versicherung: Analysten erwarten steigende Beiträge

Geringere Neukunden-Rabatte als sonst und steigende Versicherungsbeiträge für Bestandskunden. Damit rechnet man bei der Rating-Agentur Assekurata für die diesjährige Kfz-Wechselsaison. Ihre Prognose machen die Analysten an mehreren Ursachen fest.

Warum wechseln die Deutschen ihre Kfz-Versicherung? Wenig überraschend ist ein günstigerer Preis der Hauptgrund. Das belegt aktuell eine Yougov-Umfrage unter 2.000 Personen im Auftrag des Versicherers Getsafe. Von ihnen nannten 67 Prozent die Kostenersparnis als größten Wechseltreiber. Erst lange dahinter kommt ein anderes Fahrzeug als Grund (15 Prozent). Ein besseres Serviceangebot (9 Prozent) und umfangreichere Versicherungsleistungen (5 Prozent) spielen kaum eine Rolle.

Wer sich mit der Absicht zu sparen ins Tarifgetümmel der diesjährigen Kfz-Wechselsaison stürzt, hat dafür gute Chancen. Laut einer Auswertung unter allen seinen vermittelten Kfz-Haftpflichtversicherungen hat Check24 Anfang November ein um 16 Prozent geringeres durchschnittliches Preisniveau als im Juli ermittelt.

Starke Preisausschläge nach unten als Ausnahme

Doch in den Genuss solcher Nachlässe kommen nur die Autofahrer, die auch wirklich ihren Versicherer wechseln – und das ist immer noch eine Minderheit. Die breite Masse der Versicherten bekommt das gesunkene Preisniveau nicht (so stark) zu spüren, weil dieses überwiegend zur Neukundengewinnung ausgespielt wird. Ein Bestandskunde mit dem gleichen Fahrzeug und Risikoprofil muss häufig mehr bezahlen als ein Neukunde.

Das bestätigt, speziell für die diesjährige Kfz-Wechselsaison, auch Dennis Wittkamp, Senior-Analyst bei der Assekurata Rating-Agentur. Für die Bestandsprämien rechnet er mit einem leichten Anstieg im unteren einstelligen Prozentbereich. Wenn man als Bestandskunde in eine günstigere Schadenfreiheitsklasse aufrückt, kann der Preis absolut betrachtet natürlich schon sinken, aber eben nicht so stark wie bei einem risikoreichen Neukunden. „Im Neugeschäft kann es zwar wettbewerbsbedingt zu einer günstigeren Preisgestaltung kommen, starke Preisausschläge nach unten dürften aber auch hier die Ausnahme bleiben“, schreibt Wittkamp im Assekurata-Unternehmens-Blog.

Kfz-Versicherer ächzen unter Niedrigzins

In seinem Beitrag erläutert der Analyst seine Prognose genauer. Zwar habe die Corona-Situation im Jahr 2020 für einen besonders günstigen Schadenverlauf gesorgt und auch im laufenden Jahr würde dieser Effekt noch abgeschwächt anhalten. Das führe insgesamt eher zu günstigeren Kfz-Prämien.

Gleichzeitig würden die Versicherer aber unter den Folgen der Niedrigzinspolitik leiden. Die kurzfristig angelegten Kundengelder würden kaum noch Ertrag bringen, wodurch eine Entlastung der Zahlbeiträge immer geringer ausfalle. Folglich würden Prämiensenkungen immer unwahrscheinlicher. Als weiterer negativer Effekt mache sich die deutlich erhöhte Elementarschadenbelastung der Kfz-Versicherer bemerkbar. Tendenziell stünden die Weichen deshalb in Richtung leicht steigende Beiträge, um die Profitabilität der Bestände zu erhalten, so Wittkamp.

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