Keine Höchstnoten im Pflegerenten-Tarifvergleich

Pflegerentenversicherungen sind noch kaum verbreitet. Die Ratingagentur Franke und Bornberg hat die Tarife der größten Anbieter erstmals bewertet. Die Analysten sehen noch viel Luft nach oben – sowohl beim Vertriebspotenzial als auch beim Leistungsniveau.

Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig. Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie man die Kosten dafür am besten auf gesetzliche und private Pflegeversicherungen verteilt. Um die Lücke zu schließen, die nach den Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung bleibt, haben mittlerweile knapp vier Millionen Menschen Pflegezusatzversicherungen abgeschlossen, die von den privaten Krankenversicherern angeboten werden. Doch auch die Lebensversicherer haben eine Produktlösung parat: die Pflegerente. Dieser Risikoschutz wird bei Pflegebedürftigkeit ausgelöst, für deren Dauer dann der vereinbarte monatliche Rentenbetrag ausbezahlt wird.

Der Pflegerenten-Markt ist im Vergleich zu den Pflegezusatz-Krankenversicherungen noch recht klein. Die Ratingagentur Franke und Bornberg beziffert den Bestand auf rund 244.000 Verträge, die sich überwiegend auf sechs Lebensversicherer verteilen (Allianz, Ideal, Swiss Life, Volkswohl Bund, WWK, Zurich). Ihre Produkte haben die Analysten nun zum ersten Mal in einem eigenen Rating miteinander verglichen.

Untersucht wurden 33 selbstständige Pflegerenten-Tarife, die sich in insgesamt 246 Tarifvarianten auffächern lassen. Während manche Lebensversicherer wie die Swiss Life auf viele verschiedene Tarifkombinationen setzen, führt die Allianz nur einen einzigen zu bewertenden Tarif ins Feld.

So wurde bewertet

Bewertungsgrundlage für alle bildet in dem Rating ein Katalog mit 49 Prüfkriterien. Dieser berücksichtigt auch, ob ein Tarif für Kunden entwickelt wurde, die nur die schwerwiegendsten Leistungsfälle (ab Pflegegrad 4) absichern wollen. Wichtig für eine gute Pflegerente sei aus Sicht der Analysten aber, dass diese neben dem Pflegegrad auch die sogenannten ADL-Kriterien, also die Aktivitäten des täglichen Lebens, zur Ermittlung der Pflegebedürftigkeit heranziehe.

Generell hat Franke und Bornberg die Prüfkriterien möglichst kundenfreundlich angesetzt. Werde die Anzeigepflicht ohne Schuld verletzt, sollten die Bedingungen im Sinne der Versicherten ausgestaltet sein, heißt es. Wenn ein Tarif nicht ganz auf Meldefristen verzichten will, sollten diese zumindest komfortabel ausfallen. Negativ ins Gewicht würden zum Beispiel ein eingeschränkter Geltungsbereich oder unübliche Ausschlüsse fallen. Vermittler sollten bei der Beratung zudem darauf achten, die Möglichkeit von Beitragsstundungen während der Leistungsprüfung sowie Dynamiken zum Inflationsausgleich zu vereinbaren.

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Trotz der noch geringen Verbreitung der Pflegerente sieht Ratingagentur-Geschäftsführer Michael Franke großes Potenzial in dieser Form der Absicherung: „Als kapitalgedeckte Pflegevorsorge verfügt die Pflegerente über einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. Sie bietet lebenslangen Schutz zu stabilen Beiträgen.“ Die Lebensversicherer müssten aus seiner Sicht nun aber aufpassen, diesen Zukunftsmarkt nicht zu verschlafen.

Das Leistungsniveau der bewerteten Tarife sei zufriedenstellend, allerdings mit Luft nach oben, urteilt Franke. Die Höchstbewertung „FFF+“ sowie die zweitbeste Note im Tableau („FFF“) wurden gar nicht vergeben. Die drittbeste Note „FF+“ wurde hingegen an 108 Tarife oder Tarifkombinationen vergeben. Diese gingen  ausschließlich an Produkte der Swiss Life. Eine Liste mit den Bewertungen aller getesteten Tarif(kombinationen) kann hier eingesehen werden.

„Bei Erst-Ratings vergeben wir nur selten Top-Noten, denn aus eigenem Antrieb entwickeln Anbieter selten Topleistungen“, sagt Franke. Für die nächsten Rating-Durchgänge rechne er aber mit einem Anstieg des Tarifniveaus.

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