In Zeiten, in denen die Experten zunehmend Alarm schlagen und vor immer massiver werdenden Finanzierungsproblemen der gesetzlichen Renten warnen, rückt die private Altersvorsorge stärker in den Vordergrund. Oder? „Die Menschen wollen bei der Alterssicherung keine private Extravorsorge oder riskante Anlageformen“, behauptet die IG Metall vor dem Hintergrund einer eigens durchgeführten aktuellen Umfrage. Der Grund dafür: Das fehlende Geld aufseiten der Verbraucher.
Demnach legen fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) kaum oder sogar gar nichts monatlich für den Lebensabend auf die hohe Kante. Während 13 Prozent weniger als fünf Prozent des Haushaltsnettoeinkommens sparen, liegt die laut der Umfrage Sparquote bei über einem Drittel bei null. Besonders unter Geringverdienern ist das der Fall: 61 Prozent jener, die mit einem Einkommen von unter 1.500 Euro im Monat zurechtkommen müssen, können nichts für ihre Altersvorsorge zur Seite legen.
Die Ergebisse der IG-Metall-Umfrage, für die rund 1.000 Menschen im September dieses Jahres befragt worden waren, lassen aufhorchen. Andere Studien nannten hier weitaus niedrigere Zahlen. Im Frühjahr war beispielsweise eine Studie der Ergo zu dem Ergebnis gekommen, dass sich rund ein Drittel der Haushalte mit geringerem Nettoeinkommen (unter 1.500 Euro im Monat) keinerlei Vorsorge fürs Alter betreibe. Zugleich verzeichnet die Versicherungsbranche laut aktueller Statistik derzeit 41,2 Millionen Renten- und Pensionsversicherungsverträge. Zwar bedeutet dies nicht, dass auch 41,2 Millionen mittels privater Rentenversicherung den Ruhestand absichert – schließlich verfügen zahlreiche Versicherungsnehmer über mehrere Verträge. Nichtsdestotrotz lässt sich erkennen, dass die private Altersvorsorge weit verbreitet ist. Allerdings dürfte diese vielen mittlerweile schwerer von der Hand gehen als noch vor einem Jahr.
Kapitalgedeckte Altersvorsorge zu riskant?
Kein Wunder, angesichts von einer Inflationsrate von mittlerweile zehn Prozent. Für viele reicht das Geld gerade einmal für die täglichen Ausgaben – wenn überhaupt. Und das mühsam beisammen gehaltene Geld möchten die Verbraucher dann auch offensichtlich lieber nah „am Mann“ behalten.
Wenngleich mittlerweile fast jedem Investor klar geworden ist, dass sich mit besonders sicheren Geldanlagen meist eher eine schmale Rendite erwirtschaften lässt, setzen dennoch 90 Prozent der Befragten auf Sicherheit und Planbarkeit bei der Altersvorsorge. Lediglich sieben Prozent würde auch riskantere Investments wählen und auf höhere Rendite spekulieren, heißt es in der IG-Metall-Studie.
Doch wie sieht es aus, wenn Vater Staat das Investment für die zukünftigen Rentner übernimmt in Form der kapitalgedeckten Altersvorsorge? Stichwort Aktienrente. Genau dieses Unterfangen sieht man bei der IG Metall kritisch. Der Tenor: Mit diesem Vorgehen würden die Unwägbarkeiten der Finanzmärkte in das gesetzliche Rentensystem geholt. Dass diese Form der Altersvorsorge indes bereits in anderen Ländern erfolgreich funktioniert, bleibt hingegen unerwähnt. So landete Schweden, wo das System der Kapitaldeckung gut funktioniert, unter den Top-Ten der weltweit besten Altersvorsorgesystemen (Platz 8), Deutschland belegt nur den 14. Rang.
Arbeitnehmer gegen Anhebung des Renteneintrittsalters
Das Rentensystem steht hierzulande vor großen finanziellen Schwierigkeiten, weswegen seit langem immer wieder leidenschaftlich über die Anhebung des Renteneintrittsalters debattiert wird. Wenig überraschend ist ein Arbeiten über das 67. Lebensjahr hinaus ein Ansinnen, das drei Viertel der Befragten als unrealistisch einschätzen. Schließlich handelt es sich bei den Befragten um Arbeitnehmer, die im Gros körperlich anstrengenden Tätigkeiten nachgehen, die nur selten bis ins hohe Alter zu leisten sind.
Ein Gegenvorschlag zur Anhebung des Renteneintrittsalters lieferte vor wenigen Monaten Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Er brachte die 42-Stunden-Woche ins Spiel. Die Verlängerung der Wochenarbeitszeit sei sinnvoller als das Renteneintrittsalter anzuheben. „Ich habe große Sympathie für eine optionale Erhöhung der Wochenarbeitszeit – natürlich bei vollem Lohnausgleich“, so Russwurm. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, sieht das allerdings anders: „Längere Arbeits- und kürzere Ruhezeiten führen nicht zu mehr Fachkräften, sondern zu einem Raubbau an der Gesundheit der Beschäftigten.“
Wie uneins die Branche bei dem Thema ist, zeigte sich unlängst als Stefan Wolf, Präsident des Gesamtverbands der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie, erklärte: „Stufenweise werden wir auf das Renteneintrittsalter von 70 Jahren hochgehen müssen – auch weil das Lebensalter immer weiter steigt.“ Bundesarbeitsminister Hubertus Heil lehnt das allerdings ab.
IG Metall: Zusatz-Rente mit Steuererleichterungen
Die IG Metall nimmt das Umfrageergebnis zum Anlass für ihre Idee einer zusätzlichen Rente zu werben, konkret: geht es dabei um die sogenannte „Soli-Rente-Plus“, eine Ergänzung zur gesetzlichen Rente.
Dabei handelt es sich um zusätzliche flexible Beitragszahlungen, die in die gesetzliche Rentenversicherung entweder von den Arbeitnehmern selbst oder den Arbeitgebern erfolgen sollen. Auch solle es, so die Idee der Industriegewerkschaft, möglich sein, monatliche, jährliche oder auch einmalige Zahlungen zu tätigen. Darüber hinaus solle es steuerliche Erleichterungen geben. Entrichtet der Arbeitgeber die Beiträge, so sollen diese nach den Vorstellungen der Arbeitnehmervertreter steuerfrei bleiben. Beschäftigte wiederum, die ihre Beiträge einzahlen, sollen sie steuerlich absetzen können.


