Her mit dem Mutausbruch!

Seltsam mutlos präsentieren sich die potentiellen Koalitionäre von SPD, Bündnisgrünen und FDP beim Thema Rente. Das Mindestrentenniveau soll bei 48 Prozent gesichert werden, Rentenkürzungen werden ausgeschlossen und das Renteneintrittsalter soll nicht angehoben werden. Ein Gutachten des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium zeigt auf, dass dafür die Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt in die Rentenkasse von aktuell 28 Prozent – immerhin mehr als 100 Milliarden Euro pro Jahr – auf 54 Prozent im Jahr 2045 ansteigen müssen. Wir geben als Land so unsere Zukunft auf!
Um das zu verhindern, soll nun in eine teilweise Kapitaldeckung der gesetzlichen Rentenversicherung eingestiegen werden. Zehn Milliarden Euro Kapitalstock sollen dafür in einem ersten Schritt der Rentenversicherung 2022 zugeführt werden – Steuergeld. Nicht zu vergessen, dass das der Bedarf der Rentenversicherung von lediglich circa 10 Tagen ist. Ein Tropfen auf den heißen Stein also, dessen Auswirkungen sich vielleicht auch erst in 30 bis 50 Jahren zeigen werden. Und dann ist nur noch davon die Rede, weitere Punkte zu prüfen: öffentlich verantwortete Fonds, private Anlageprodukte mit besserer Rendite als Riester, mehr Förderung für diese Produkte. Alles erst einmal „prüfen“.
Das ist nichts anderes als in der aktuellen Klimakrisendebatte. Die wissenschaftlichen Fakten liegen auf dem Tisch, die Zahlen sind eindeutig und lassen keinen anderen Schluss zu, als „Act Now“ und – dann passiert schlimmstenfalls wieder nur ein Reförmchen. Ich wünschte mir für uns und vor allem unsere Kinder bei den Koalitionsverhandlungen viel Mut zu echten Reformen. Meinetwegen sogar einen echten Mutausbruch!
Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!
